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  • 28.12.2013
  • von Tobias Reichelt

Neuer Versuch für einen Radweg auf der Bahntrasse Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers will Baupläne für Bäke-Bike im neuen Jahr wiederbeleben

von Tobias Reichelt

Stahnsdorf - Erst radeln, dann reisen. Die Idee einer Radwegeverbindung auf der bislang unbefahrenen S-Bahn-Trasse durch Stahnsdorf soll wiederbelebt werden. Schon im kommenden Jahr könnte die Zeit reif für eine Neuauflage der Pläne sein. Das sagte jetzt Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB) den PNN. Nach den Kommunalwahlen im Mai 2014 will Albers unter der Beteiligung neuer Gemeindevertrer einen Anlauf für den Ringschluss wagen – ein Rad- und Wanderweg vom S-Bahnhof in Teltow quer durch Stahnsdorf, vorbei am Südwestkirchhof bis nach Wannsee.

Eine solche S-Bahn-Streckenführung hatten sich bereits die Altvorderen für die Region Teltow gewünscht. Teile davon hatten sie mit dem Bau der Friedhofsbahn von Wannsee zum Südwestkirchhof verwirklicht. Doch Zweiter Weltkrieg und Deutsche Teilung machten den weiteren Bauplänen den Garaus. Bis heute zeugen lediglich Sandwälle und freie Grüntrassen von der geplanten Strecke: einer Verbindung von Berlin-Mitte über Teltow und Stahnsdorf nach Wannsee.

Eine ganze Region wäre damit direkt an die Hauptstadt angebunden, sagt Bürgermeister Albers. Doch den nahverkehrspolitischen Träumen fehlt es an Grundlagen. Land, Bahn und Verkehrsverbund lehnen den Schienenausbau ab. Ein Radweg würde zumindest die Erinnerung an den gewidmeten Verkehrsweg wachhalten. Getreu dem Motto: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Albers gehörte früh zu den Anhängern des Wegeprojektes, das er selbst „Bäke-Bike“ taufte. Mitstreiter fand er in Stahnsdorf wenige: Ein Vorstoß vor vier Jahren löste bei Anwohnern Entsetzen aus. Ihnen drohte die Enteignung ihrer Gärten. Mit einem Kompromiss ging die Lokalpolitik dem Krach aus dem Weg: Die Pläne wurden verworfen, Neubauten auf der Trasse ausgeschlossen.

Der Weg für den Weg ist also noch frei: „Ich bin bereit, wieder dafür zu werben“, sagt Albers. Der Bürgermeister ist sogar in Vorleistung gegangen: Ein erstes Teilstück des drei Meter breiten Weges zwischen dem Güterfelder Damm und der Zille-Grundschule soll im Jahr 2016 eröffnen. Das zurrten die Gemeindevertreter und Albers bereits fest. 125 000 Euro sollen dafür ausgegeben werden. Weitere Teilstücke in Richtung Teltow könnten folgen. Die Trasse vom Güterfelder Damm durch das Grashüpferviertel, über die Sputendorfer Straße hin zum Gewerbegebiet hat die Gemeinde freigehalten, den Weg sogar im Flächennutzungsplan eingetragen. In Richtung Teltow ist das Projekt auch nahezu unumstritten. „Stückchen für Stückchen nähern wir uns der Sache an“, sagt Albers.

Der Konflikt lauert indes in der Gegenrichtung: auf dem Streckenabschnitt zwischen der Zille-Grundschule und der Potsdamer Allee. Die Grundstücksbesitzer an der Trasse, die Anwohner der Friedrich-Naumann- und der Bahnhofstraße, müssten Land abgeben. „Wir müssten für den Radweg enteignen“, sagt Albers. Deshalb will er zuvor möglichst viele Stahnsdorfer vom Sinn des Wegs überzeugen – vielleicht mit einer Umfrage. Mit dem Kopf durch die Wand, wie vor vier Jahren, das will Albers nicht mehr.

Zur Not hat er eine abgespeckte „Bäke-Bike“-Variante zwischen Teltow und Wannsee parat. An strittigen Abschnitten müssten Radler vom Weg auf die Straße ausweichen. Im Zuge dessen könnten die Friedrich-Naumann- und die Zillestraße mit Radwegen ausgebaut werden. Angesichts der dort gebauten Schulen wären solche Wege ohnehin nötig. Andererseits sei der sichere Schülerverkehr auch ein Grund für den Radweg auf der Bahntrasse, sagt Albers – fernab von vorbeirauschenden Autos, sicher und ruhig.

„Wenn das erste Teilstück in zwei Jahren fertig ist, werden es die Leute erleben“, sagt Albers. Womöglich stünden einige dann mit dem Rad vor der Zille-Schule und sagten: „Wäre doch schön, wenn ich hier weiterradeln könnte“, sagt Albers. „Vielleicht kommen die Leute dann von alleine drauf.“

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