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  • 30.10.2006

Herbstblätter für Tapeten Foliantenschau im Hugenottengarten Langerwisch

Michendorf · Langerwisch - Eine Ausstellung kann man direkt nicht nennen, was Otto Schäfer derzeit im Langerwischer Hugenottenhause präsentiert. Auf einem Tisch liegen einige Bücher meist französischer Sprache, antiquarische, moderne. Sie alle handeln von einer wunderlichen Malerfamilie, welche bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts im französisch-schweizerischen Raum durch ihre illustratorische Tätigkeit bekannt geworden ist. Prunkstück dieser Versammlung ist ein großformatiger Foliant mit dem Titel „Feuilles d'' Automne“, Herbstblätter also, aus dem Jahre 1909.

Es handelt sich um aquarellierte Nachbildungen von bunt gefärbtem Laub nach Art des Jugendstils, auf Bütten gemalt, mit einer Steinlitho-Technik vervielfältigt, auf 900 Exemplare durchnummeriert. Die Herausgabe war kompliziert: Papier kam aus Italien, der Verleger aus München, gedruckt wurde im schweizerischen Neuchatel. Trotz allem wurde das Liebhaberunternehmen für seinen Autor, Philipp Robert, ein finanzielles Fiasko.

Der Maler bevorzugte die dekorative Darstellungsart von Feldahorn oder Nieswurz dergestalt, dass man aus den abstrahierten Formen Stoff- oder Tapetenmuster herstellen konnte, was wohl auch geschah. Ein anderer Band, „Nos Fleurs“ (Suchard edierte), bildet die Flora des Jura ab, hier erkennt man ohne Mühe, wie genau das Auge des Malers den Typ einer Pflanze herausarbeiten kann.

Für Otto Schäfer, „Pfarrer der Reformierten Kirche Frankreichs“ und flammender Pflanzenökologe, bedeuten die Funde auch einen Verweis auf die indirekte hugenottische Tradition von Philipp Robert (1881-1930): Er hatte nicht allein Theologie studiert, sondern auch „die Natur“ im Sinne Calvins als „Theater von Gottes Herrlichkeit“ empfunden.

Neben einem kleineren Nachdruck der „Herbstblätter“ kann man auch anders in die Werkgeschichte dieser Künstlersippe eintauchen: Vater Leo-Paul Robert wurde zuvor bereits durch Vogelillustrationen berühmt, welche sein „phänomenales Gedächtnis“ nach bloßer Erinnerung abbildete. Philipps Bruder Paul-André tat sich mit noch heute verwendeten Abbildungen von Libellen und Pilzen hervor. Der Band „Die Champignons nach der Natur“ von 1943 liegt, neben anderen Veröffentlichungen, gleichfalls zur Einsicht bereit.

Dass diese Art von Malerei auch Kunst ist, hat das Museum im helvetischen Neuhaus längst bemerkt und viele Bilder der drei Roberts dort ausgestellt; das Interesse an dieser Familie, so Schäfer, wachse. Allerdings ist er mit der etwas kargen Präsentation seiner Schätze nicht zufrieden, es gibt weder ein Mitteilungsblatt noch Schautafeln. Jedem Besucher muss der Hugenottenpater die Details seiner Findungen neu erzählen.

Die anschaulichere Exposition über die Bedeutung seiner Glaubensgemeinschaft für den Pflanzbau Europas, im Frühjahr eröffnet, hängt ja auch noch in diesem gemütlichen Nebenhaus. Wandelt der Besucher hingegen im herbstlichen Hugenotten-Garten, so kann er die Weidenblättrige Sonnenblume, von Bruder La Trobe aus Nordamerika eingeführt, oder „Die sieben Kräuter der grünen Sauce“ wohlbestimmt auffinden; mehr noch, in einem Teich schwimmen Kaulquappen, die ihr eigenes Wachstum vergaßen. Ein erstaunliches Refugium!

Anmeldung unter Telefon (0333 205) 500 51, Straße des Friedens 87

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