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  • 16.03.2013
  • von Eva Schmid

Erste Hilfe bei Schlaganfall: Technik, die Leben rettet

von Eva Schmid

Alles an Bord. Rettungssanitäter Oliver Frank bereitet einen Patienten auf die Computertomographie vor. Mit der Ausstattung des Rettungswagens können die Folgen eines Hirnschlags durch schnelle Diagnose gemindert werden. Foto: dpa

Im Schlaganfall-Mobil stehen den Ärtzen mobile Computertomographen und ein kleines Labor zur Blutuntersuchung zur Verfügung. Die Vorteile der Telemedizin standen im Zentrum des Teltower Technologie-Tages.

Teltow - Dieser Notarztwagen wird zur Hoffnung vieler Schlaganfallpatienten, denn in ihm steckt Potenzial: Noch vor der Haustür des Patienten können die Ärzte loslegen. In dem Mini-Krankenhaus stehen ihnen ein mobiler Computertomograph zum Röntgen des Gehirns, ein kleines Labor für Blutuntersuchungen sowie zwei Monitore, auf denen die Daten für den Arztbrief zusammengefasst werden, zur Verfügung. Mit dieser Technik kann wertvolle Zeit gewonnen werden.

Das Schlaganfall-Mobil der Firma Meytec aus Werneuchen bei Bernau, das bereits seit zwei Jahren probeweise im Einsatz ist, war eine der Innovationen, die am Freitag auf dem zehnten Technologie-Tag in Teltow mit dem Thema „Innovationsmotor Medizintechnik“ vorgestellt wurden. Der Einladung des brandenburgischen Unternehmerverbandes und der Mittelstand- und Wirtschaftsvereinigung der CDU folgten 23 Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft sowie Wissenschaftseinrichtungen und Behörden der Hauptstadtregion. Aus Teltow waren unter anderem die Firmen Getemed, Olympus sowie das Institut für Biomaterialforschung dabei.

„Das Gesundheitscluster zeigt die Leistungsfähigkeit unserer Region“, sagte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) zur Eröffnung. Die etwa 240 000 Beschäftigten, 5 775 Unternehmen und rund 16 Milliarden Euro Umsatz in der Region würden dies bestätigen. Bis 2020 soll die Hauptstadtregion in diesem Bereich international führend werden. Die Medizin der Zukunft heißt Tele- und regenerative Medizin – so lautete dann auch der Tenor des Technologie-Tages.

„Je älter unsere Gesellschaft wird, umso drängender werden auch die gesundheitsökonomischen Fragen“, sagte der Leiter des Teltower Zentrums für Biomaterialentwicklung, Andreas Lendlein. Krankenhausaufenthalte und das ständige Verabreichen von Medikamenten würden durch den demografischen Wandel zu einer enormen finanziellen Belastung. Bei der regenerativen Medizin hingegen werde die Krankheit mit einem Mal behandelt. Denn die dafür eingesetzten Biomaterialien würden dabei helfen, dass sich Organe selbst regenerierten.

Mit der Telemedizin wiederum könnte durch Prävention auf Krankenhausaufenthalte verzichtet werden. Das „Physiogate“ ist dafür ein gutes Beispiel: Ein Display in  Größe eines kleinen Schreibblocks erfragt jeden Tag die wichtigsten Daten von Patienten mit Herzinsuffizienz. Das telemedizinische Gate hat die Teltower Firma Getemed auf den Markt gebracht. „Die Betroffenen können sich damit selbst untersuchen, die Instrumente dafür haben sie in einem mitgelieferten Gerätekoffer“, erklärte Mitarbeiterin Astrid Trachterna.

Menschen mit Herzinsuffizienz messen Blutdruck und Gewicht, erstellen in zwei Minuten ihr EKG und bewerten ihr Befinden. Nach jeder erfolgreichen Eingabe erscheint auf dem Display ein grünes Häkchen. Am Ende der Untersuchung werden die Daten dann per Handynetzwerk in ein Krankenhaus geschickt, das ein Telemedizinzentrum hat. Arzt und Patient sind kilometerweit entfernt. Die Ärzte können aber durch ihre Überwachung rechtzeitig eingreifen. Das sei eine ideale Lösung für Brandenburg, denn so würden die wenigen Fachärzte im Land nicht überfrachtet mit Terminen und Anrufen. Zudem sei man dank des Handynetzes unabhängig vom Internet. „In manchen Orten ist immer noch kein Glasfaserkabel verlegt“, so Trachterna weiter.

Während die Telemedizin der Getemed bereits in Brandenburg eingesetzt wird, sieht es für das Schlaganfall-Mobil bisher eher schlecht aus. Um das 1,8 Millionen Euro teure Fahrzeug einzusetzen, müsste das deutsche Rettungssystem anders aufgebaut sein, erklärte Meytec-Geschäftsführer, Gerhard Meyer. Für die mobile Behandlung würden neben dem Rettungsassistenten noch ein Neurologe und ein Radiologieassistent benötigt. „Der Neurologe muss auch noch eine Zusatzausbildung als Notarzt machen“, so Oliver Frank, Rettungssanitäter der Berliner Feuerwehr. Zusammen mit einem Ärzteteam ist Frank mit dem Wagen im Rahmen des Pilotprojektes in Berlin unterwegs. „In der Großstadt kommen wir schneller auf die geforderten Einsatz- und Behandlungszahlen“. Diese müssten den Kassen für eine Kosten–Nutzen–Prüfung vorgelegt werden. Bevor das Mobil in Deutschland an den Start geht, wird es wohl schon im Ausland unterwegs sein. Amerika und China hätten bereits Interesse angemeldet, sagte Meyer.

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