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  • 05.11.2012
  • von Gerold Paul

KulTOUR: Qualität den Vorrang gelassen

von Gerold Paul

Kunstsonntag mit Namen aus Teltow, Deutschland und darüber hinaus

Teltow - Neue Besen kehren manchmal noch gar nicht so gut, zumindest nicht in Teltow. Dort hat es schon eine Weile gedauert, bis der „Teltower Kunst-Sonntag“ zu seinem Profil auch eine sichere Heimstatt fand. Im Zentrum der Stadt ging das ja nicht. Die fünfte Ausgabe dieses – in Worten: Groß-Ereignisses – gestern war zugleich die zweite in der alten Biomalz-Fabrik. Das könnte vorerst so bleiben, denn nun kennt man Konditionen, Kapazitäten, Ausstellungsflächen, Ansprechpartner, getreue Sponsoren und natürlich Künstler en masse, um so ein gewaltiges Event mit über neunzig Ausstellern und mehr als vierhundert Werken aller Genres ehrenamtlich und vor allem ohne Hilfe aus dem Stadthaus durchzuziehen.

Irgendwie ist der gestrige „fünfte“ dabei wie ein Meilenstein: Ob im vielgeschossigen Kontorhaus, der Quellmühle, dem Kesselhaus oder an einem anderen Ausstellungsort, überall spürt man mehr als zuvor den Willen, der Qualität den Vorrang zu lassen, nicht ihrem massigen Zwilling, der Quantität. Vom gediegenen Tafelbild über Skulpturen, Metallarbeiten, Installationen und Performances ist alles, was sich „Kunst“ nennt, vertreten. Eine logistische Meister-Leistung!

Die „Initiative Teltower Kunst-Sonntag“ um Dieter Leßnau hat sich jetzt sogar getraut, das Profil um das Medium Video / Film zu erweitern, was sehr zu begrüßen ist. Und noch etwas fällt sehr ins Gewicht: Die Weltläufigkeit dieser Schau. Ohne die Künstler vor Ort zu vergessen, findet man mehr oder weniger bedeutende Namen aus ganz Deutschland, und darüber hinaus. Polen scheint ein Stammgast geworden zu sein. Wer weiß, was da noch alles kommt!

Nach der feierlichen Vernissage und den Worten von Kultur-Ex Hinrich Enderlein im alten Kesselhaus war schon am Vormittag ordentlich „Betrieb auf’m Acker“, trotz des Mini-Eintritts von Euro Zwei. Treppauf-treppab lief das kunstverliebte Volk aus der nahen und weiten Umgebung, wie die Autonummern verrieten.

So ein flügge gewordener Teltower Kunst-Sonntag versteht sich ja ausdrücklich als Schaltzentrale zwischen Kunst, Künstler und Publikum, welches natürlich auch als Käufer oder Galerist ein gern gesehener Zaungast ist. Man kommt ins Gespräch, hört und sieht etwas vom Leben und den Erfahrungen der anderen, kurz, man geht anders heraus, als man hereinkam.

So erfuhr man hier von einer Initiative in Wittenberg, die sich zum Ziel setzte, verdienstvolle Nicht-Promis der Stadt für die Allgemeinheit zu porträtieren. Wäre auch Teltow anempfohlen, im Rathaus findet sich garantiert so einer, vielleicht im Finanzamt. Doch zurück zu Biomalz. Weil gleich in der Nachbarschaft nicht mehr mit superschmucken Oldies gehandelt wird, stand diese große Halle einer guten Zahl der malenden Zunft zur Verfügung. Jeder Teilnehmer durfte sich ja mit fünf Arbeiten eigener Wahl präsentieren, „jury-frei“, versteht sich.

Da kam mehr zusammen, als man in sieben Stunden Öffnungszeit schafft. Aber jeder sucht und findet bei solch einer Überfülle ja immer ein Stück von sich selbst: Ist der Künstler als Mensch schon ein Kosmos, so der Kosmos als Mensch auch ein Künstler. Man kommt immer bei sich selber an, Künstler wie Mensch.

In diesem Sinn malten die einen Enten mit Schatten, andere flogen ob ihrer Freude frei durch die Luft, dritte torsierten ein Holz, wieder andere lichteten eigenen Auges die Landschaften ab, welche sie selber sind, porträtierten Omas und Gatten. Sogar ein „Herbst-Mantra“ war dabei, „am Ende des Tages mit Wünschen“ zu verbrennen. Unverzichtbar auch die Kinderbilder einer Potsdamer Grundschule zum Thema „Mein Lieblingskuscheltier“ im Treppenflur vom Alten Kutscherhaus. Dieter Leßnau zeigt in seiner Galerie solche Arbeiten öfter.

Handschriften also so viele wie Künstler, Stile mehr, als die Akademien erlaubten, nun sage einer, was da noch fehlte! Gerold Paul

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