Wachtelberg in Werder. Jetzt soll der Galgenberg mit Weinlokal dazukommen. Foto: dapd
Obstbauverein, Weinbauverein und Phöbener Winzer sollen Lindowsches Anwesen beleben
Werder (Havel) - Wein- und Obstbau mitten in Werder – und dazu noch ein Weinlokal in historischer Kulisse. In der Stadt herrscht Konsens über die künftige Nutzung des Galgenbergs mit dem Lindowschen Anwesen. Das zwei Hektar große Gelände am Plantagenplatz soll zu einem grünen Band hinauf zur Bismarckhöhe werden. Die Stadtverordneten haben in ihrer jüngsten Sitzung ein entsprechendes Nutzungskonzept beschlossen.
Das Lindowsche Haus ist eines der ältesten innerstädtischen Obstbauerngehöfte. Der Galgenberg dahinter ist die ältestes Weinlage Werders. Schon im 16. Jahrhundert soll hier Wein angebaut worden sein. Laut Nutzungskonzept soll der Weinbau hier belebt werden, auf anfangs 1,4 Hektar. Der „Verein zur Förderung des historischen Weinbaus im Raum Werder (Havel)“ hat mittels einer Genossenschaft von Weinfreunden und der Unterstützung von Werderschen Winzer Manfred Lindicke schon damit begonnen, die ersten Flächen aufzureben.
Zu den 2000 Reben, die gepflanzt sind, sollen nächstes Jahr 4000 weitere hinzukommen. Der Weinbauverein hat die Eintragung in die Weinbergsrolle des Landes Brandenburg beantragt. Gemeinsam mit dem Werderaner Wachtelberg, dem Töplitzer Alten Weinberg und dem Phöbener Wachtelberg würde die Stadt dann über 10,7 Hektar Rebfläche verfügen – ein Drittel der Weinbaufläche in der Mark. Möglicherweise wird es mehr, die Stadt will später noch Nachbarflächen auf dem Galgenberg kaufen, um sie an die Winzer zu verpachten.
Der Phöbener Wachtelberg spielt in dem Nutzungskonzept eine wichtige Rolle: Das denkmalgeschützte Lindowsche Haus, direkt am Plantagenplatz gelegen, soll saniert und zum Weinrestaurant ausgebaut werden. Als Betreiber ist der Phöbener Winzer Jens-Uwe Poel im Gespräch. Poel betreibt mit seinem Potsdamer Catering-Service „Essenzzeit“ vier Kantinen in der Region, darunter in der Potsdamer Staatskanzlei. Er bestätigte gestern auf Anfrage, dass er mit der Stadt über den Gaststättenbetrieb verhandelt. „Es gibt tolle Ideen dafür.“
Dritter Baustein des Nutzungskonzeptes ist ein historischer Schuffelgarten, der hinter dem Lindowschen Haus angelegt werden soll. Mit dem „Etagenobstbau“ soll ein Anbausystem gewählt werden, wie es mal typisch für Werder war. Partner ist der örtliche Obst- und Gartenbauverein, wie dessen Vorsitzender Walter Kassin bestätigte. Der Verein soll dazu eine etwa 2000 Quadratmeter große Fläche pachten. Laut Kassin soll der Garten von Profis angelegt und dann an Obstbaufreunde unterverpachtet werden. Vier Interessenten werden gesucht, die ein jeweils 500 Quadratmeter großen Garten übernehmen könnten. Bei der Pflege werden sie vom Verein beraten. Mit der Anlage soll 2013 begonnen werden.
Am Lindowschen Haus sollen laut dem Nutzungskonzept Möglichkeiten geschaffen werden, Autos und Fahrräder abzustellen. Durch den Obstgarten und den Weingarten dahinter soll ein dreieinhalb Meter breiter Weg hinauf zur Bismarckhöhe führen. Bei der gescheiterten Laga-Bewerbung 2009 hatte die Stadt ganz ähnliche Pläne. Henry Klix
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