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  • 19.03.2012
  • von Hagen Ludwig

Trinkwasser: Bittere Note

von Hagen Ludwig

Vorrat für wenige Tage. Rainer Zingel (r.) hat sich wie viele andere Tremsdorfer am Wochenende mit Trinkwasserbeuteln eingedeckt. Das Wasser aus der Leitung schmeckt muffig. Wassermeister Andreas Roos (l.) hofft auf weitere Analyseergebnisse.Foto: Andreas Klaer

Ausnahmezustand in Tremsdorf. Das Trinkwasser ist derzeit ungenießbar – die Ursache weiter unklar. Jetzt werden die Bewohner mit Wasserbeuteln versorgt.

Nuthetal - „Gibt es hier eine Party?“ oder „So viele Menschen trifft man bei uns sonst nur auf dem Friedhof“. Mit lockeren Sprüchen grüßen sich einige Tremsdorfer am Samstagvormittag am kleinen Wasserwerk des Ortes. Doch bei den meisten schwingt eine tiefe Sorge mit. Seit einigen Tagen ist das Trinkwasser in dem 225 Einwohner zählenden Nuthetaler Ortsteil praktisch ungenießbar. Zwar sind in den bisherigen Analysen der Märkischen Wasser- und Abwasser GmbH (MWA) noch keine gesundheitsschädigenden Stoffe nachgewiesen worden, doch irgendetwas kann mit dem Wasser nicht stimmen – da sind sich die Tremsdorfer einig. Für das Wochenende wurden am Wasserwerk nun erstmals Trinkwasserbeutel an die Einwohner verteilt. Acht Liter pro Person – das dürfte bis Montag erst einmal reichen. Am Freitag hatte die MWA ausdrücklich davor gewarnt, das Leitungswasser zum Trinken, Kochen und Zähneputzen zu nutzen – vorsorglich, wie es hieß (PNN berichteten).

„Das Leitungswasser riecht nach vergammelten Lumpen, mir wird schon schlecht, wenn ich den Hahn aufmache“, berichtet die Rentnerin Regina Kammholz am Samstag. Irgendwie nach Chemie, kalkig, salzig, mit einer leichten Bitternote, so lässt sich die Geschmacksbeschreibung der Tremsdorfer zusammenfassen. Die MWA rechnet bald mit neuen Analyseergebnissen. „Bitte regelmäßig in den Briefkasten gucken“, rät Wassermeister Andreas Roos beim Ausgeben der Beutel.

Seit Jahrzehnten wird der Ort schon von einem kleinen eigenen Wasserwerk aus über hundert Meter Tiefe versorgt. „Probleme hat es bisher noch nie gegeben“, erzählt Ortschronistin Angela Schneider. „Besonders Familien mit kleinen Kindern sind jetzt besorgt“, sagt sie. Viele Tremsdorfer haben sich in den vergangenen Tagen bereits mit Mineralwasser aus den Supermärkten eingedeckt oder Trinkwasser von Verwandten und Bekannten aus anderen Orten mitgebracht. Dabei habe der Ortsverein auch ältere Menschen unterstützt, die nicht mehr so mobil sind, erzählt Schneider.

In einer Pressemitteilung und in Handzetteln hat die MWA jetzt ausführlich erklärt, was bisher in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt unternommen wurde. Die Trinkwasserförderung wurde auf einen anderen Brunnen umgestellt, alle Leitungen gespült. Bisherige umfangreiche Untersuchungen hätten ergeben, dass das Tremsdorfer Trinkwasser mit Ausnahme von Geruch und Geschmack zu jeder Zeit den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entsprochen hätte, heißt es. Ein Umweltlabor und ein Forschungszentrum für Wasser seien mit weiteren Analysen beauftragt worden. So erhofft sich die MWA endlich Klarheit über den Grund der Geschmacksbeeinträchtigung, am heutigen Montag könnten bereits erste Ergebnisse vorliegen.

Und so herrscht auch im Ort noch Ratlosigkeit. Vielleicht gebe es ein Zusammenhang mit den überfluteten Wiesen am Ortsrand oder der einige Kilometer entfernten Kiesgrube Fresdorfer Heide, befürchten einige Tremsdorfer am Samstag. In der Kiesgrube wurde in den Jahren 2006 und 2007 illegal eine Abfallentsorgungsanlage betrieben. Bei einem Gerichtsprozess im März vergangenen Jahres hieß es allerdings, dass Grundwasser und Boden nicht mit schädlichen Stoffen verunreinigt wurden (PNN berichteten). Auch für einen Zusammenhang mit den überfluteten Wiesen sieht die MWA bisher keine Anhaltspunkte.

Wassermeister Roos trifft am Samstag jedenfalls nicht der Groll der Einwohner. „Wir sehen ja, wie sich die MWA bemüht“, sagt ein älterer Tremsdorfer. Eigenheimbesitzer Günter Bohm versteht allerdings nicht, warum nicht auch Proben vom Warmwasser in den Häusern genommen wurden. „Erhitzt riecht das Wasser noch viel stärker“, erzählt er. Mitarbeiter einer Installateursfirma hätten ihm bereits geraten, die Wasserfilter in seinem Haus später auszutauschen, Kostenpunkt etwa 200 Euro. „Die MWA sollte sich bei den Einwohnern für die Beeinträchtigungen der letzten Tage finanziell erkenntlich zeigen“, sagt Rainer Zingel, bevor er mit frischem Trinkwasser auf dem Gepäckträger nach Hause radelt. Die Wasserpreise seien schließlich ganz schön hoch. Auch der langjährige Gemeindevertreter Lutz Hagen könnte sich vorstellen, dass man eine Monatsrechnung erlässt. Angela Schneider hat indes ihre Trinkwasserbeutel im Auto verstaut. „Ich werde sie noch fotografieren zur Erinnerung für die Ortschronik“, sagt sie.

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