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  • 13.03.2012
  • von Hagen Ludwig

Gleitend in die Selbstständigkeit

von Hagen Ludwig

Individuelle Beratung: Im Gespräch mit potenziellen Firmengründern lotet Projektleiter Klaus Wessels (Mitte) die Stärken und Schwächen der Geschäftsideen aus. Foto: Juliane Schünke/Agentur Bellot

361 Firmen aus der Taufe gehoben: Seit 10 Jahren gibt es in Potsdam-Mittelmark den Gründerlotsendienst

Potsdam-Mittelmark - Die Geschäftsidee kam dem Teltower Rolf Jacobs während seiner Freizeitbeschäftigung. Viele Jahre schon begeistert er sich für den Bau von ferngesteuerten Flugmodellen, speziell von Helikoptern. Das Problem: „Es gab einfach keinen geeigneten Schmierstoff für die komplizierten Modelle. Was von der Industrie angeboten wurde, war oft großer Schrott“, so Jacobs, der nach 25 Jahren im Beruf eine neue Herausforderung und den Weg in die Selbstständigkeit suchte. Lange hat er getüftelt - dann entwickelte er einen speziellen Gleitstoff – genannt „Dry Fluid Extreme“, speziell für ferngesteuerte Modell-Flieger und Modell-Cars. „Dry Fluid ist kein Wachs, ist nicht ölend, nicht fettend und frei von Silikonen“, erläutert der Teltower die Besonderheit des Gleitstoffs, den er auch für Skater und und Fahrradketten anbieten möchte.

Nach der Entwicklung und dem Aufbau einer eigenen Firma steht Jacobs jetzt vor der Vermarktung. „Dass ich soweit gekommen bin und noch nicht aufgegeben habe, verdanke ich dem Lotsendienst für Existenzgründer“, betont der Teltower. Insgesamt 361 Firmengründungen sind in den vergangenen zehn Jahren von dessen Projektleiter Klaus Wessels, seinen Mitarbeitern und erfahrenen Unternehmensberatern begleitet worden. 90 Prozent der neuen Betriebe hatten eine „Überlebensrate“ von mindestens drei Jahren. Etwa 75 Prozent haben nach Angaben des Lotsendienstes langfristig den Schritt in die Selbstständigkeit geschafft. Jedes zweite Unternehmen habe zudem zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, erklärte Wessels auf einer Pressekonferenz im Landratsamt Potsdam-Mittelmark.

Angesiedelt ist der Lotsendienst bei der Technologie- und Gründerzentrum „Fläming“ GmbH in Bad Belzig. Unterstützt wird das Projekt vom brandenburgischen Sozialministerium sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Die Begleitung der Existenzgründer erfolgt nach einem festen Fahrplan. An erster Stelle steht eine Orientierungsberatung, bei der geprüft wird, welche Chancen die Interessenten für den Start in eine eigene wirtschaftliche Existenz haben. Über 4200 solcher Konsultationen hat es in den vergangenen zehn Jahren gegeben – bei weitem nicht allen Interessenten konnte zur Gründung einer eigenen Firma geraten werden. In einer zweiten Phase erfolgt in Seminarform eine Stärken-Schwächen-Analyse der Gründungsideen, erläuterte Wessels. Daran nahmen bisher 821 Interessenten teil. Für 471 Teilnehmer folgten individuelle Konsultationen und Qualifizierungen. Dafür habe der Lotsendienst über eine Ausschreibung einen Pool aus erfahrenen externen Unternehmensberatern gebildet, so der Projektleiter. Die Berater lassen sich genau erklären, welche Vorstellung die Gründer von ihren Produkten, der Werbung und den Verkaufspreisen haben. Geklärt wird auch die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung. Gemeinsam wird der zukünftige Geschäftsstandort besucht – dabei geht es auch um scheinbar simple Fragen wie etwa nach ausreichenden Parkplätzen für die potenziellen Kunden. Schließlich werden die Unternehmensgründer in der Startphase der Firma bis zu einem Jahr individuell betreut.

Die Bandbreite der erfolgreichen Firmenideen ist groß. So stellte sich auf der Pressekonferenz auch Thomas Gierscher vor, der in Kemnitz eine Designwerkstatt eröffnet hat. Er hat sich unter anderem auf die individuelle Gestaltung und Entwicklung von Einrichtungsgegenständen spezialisiert. Der promovierte Sportwissenschaftler Wolfgang Gruber aus Stahnsdorf bietet mit seiner Firma unter anderem die Qualifizierung von Fachpersonal im Gesundheitswesen wie in der Pädagogik an. Zu seinen Leistungen gehört auch das Erarbeiten von Forschungs- und Projektanträgen. Auf fast ein Jahr Selbstständigkeit blickt mittlerweile Olaf Andert zurück. Er betreibt in Reckahn ein Geschäft für regionale Wildspezialitäten, den „Wildhof am Weinberg“. Einige Hindernisse habe er gemeinsam mit seinen Beratern aus dem Weg räumen können, sagt er. Sein Wunsch für die Zukunft: Das Geschäft noch bekannter zu machen, und praktisch „in aller Munde“ zu sein.

Die Beratungsstützpunkte des Lotsendienstes: TGZ Bad Belzig, Brücker Landstraße 22 b, und Technologiezentrum Teltow, Postdamer Straße 18a

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