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  • 11.02.2012
  • von Günter Schenke

Der „Wasser- und Bürgerberg“

von Günter Schenke

Viel Natur. Einst war der Brauhausberg ein beliebtes Ausflugsziel. Die Bürgerinitiative plädiert dafür, dass er das wieder wird. Foto: A. Klaer

Pro Brauhausberg hält an Erhalt von „Minsk“ und Schwimmhalle fest und will Wohnbebauung am Rand

Innenstadt - Der Brauhausberg soll landschaftsbezogen entwickelt werden. Das ist die unveränderte Forderung der Bürgerinitiative Pro Brauhausberg, die Donnerstagabend die Ergebnisse einer Ideenwerkstatt vom 26. November vorstellte. In einer 85-seitigen Broschüre „Potsdamer gestalten ihren Vedutenberg“ dokumentiert der Verein diese Ergebnisse.

Vor etwa 60 Teilnehmern im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte benannten Vereinschef Thomas Hintze und der Stadtplaner Steffen Pfrogner (Linke) unter anderem folgende Konsenspunkte der Ideenkonferenz: Erhalt von Schwimmhalle und „Minsk“, Wohnbebauung nur an den Rändern, Erhalt der öffentlichen Nutzung des „Wasser- und Bürgerbergs“.

Die Forderung nach landschaftsbezogener Gestaltung setzt einen Kontrapunkt zum derzeit auf Initiative des Oberbürgermeisters veranstalteten Werkstattverfahren zur „Badversorgung“, das am heutigen Samstag abgeschlossen werden soll.

Oberbürgermeister, Stadtverordnete und die Stadtwerke als Badbetreiber stecken in einem Dilemma. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 27. Januar 2010 beschlossen, die Schwimmhalle am Brauhausberg abzureißen und neben der Biosphäre im Volkspark ein Familien- und Sportbad zu errichten. Die Stadtwerke hatten das Vorhaben umgehend ausgeschrieben. Zwei Bewerber sollen sich noch im Verfahren befinden. Weder Stadtverordnetenbeschluss noch Ausschreibung sind bisher revidiert worden.

Zudem sieht die Ideenwerkstatt von Pro Brauhausberg die dichte Wohnbebauung nach einem „Masterplan“ von Rob Krier und Christoph Kohl, den Generalplanern des Kirchsteigfeldes, äußerst kritisch. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg erklärte, dass auf einem „Hearing“ zur Speicherstadt der Brauhausberg mit „hereingerutscht“ sei. Den Stadtverordneten habe dieser Plan niemals vorgelegen.

In einem Vortrag „Ideenwerkstatt versus Werkstattverfahren“ versuchte sich Axel Popp auf Einladung von Pro Brauhausberg an einer kritischen Betrachtung beider Veranstaltungen. Der promovierte Informatiker sagt zur Methode der Werkstatt, dass ein „Sensitivitätsmodell ohne tiefere Begründung eingesetzt“ wurde. Die Veranstaltung werde von der Stadt als „Dämpfung von Konfrontationen“ verstanden und bringe keinen Erkenntnisgewinn, etwa zu einer neuen, besseren Variante der Schwimmbadversorgung. „Wir sind am Ende wieder so weit wie am Anfang.“ Die Fragestellungen für die Bürgerbeteiligung im März seien ebenfalls nicht umgesetzt worden.

Popps Kritik blieb nicht unwidersprochen. Auch die Ideenwerkstatt des Bürgervereins habe nichts Neues gebracht, sondern nur den Erhalt des Bestehenden gefordert, hieß es. Steffen Pfrogner stellte klar, dass die Ideenwerkstatt die Möglichkeiten zu einer landschaftsbezogenen Gestaltung des Brauhausbergs darstellen wollte. Dazu hätten die fünf Arbeitsgruppen viele Ideen eingebracht. Hintze verwies auf eine Vision zum Brauhausberg in der Kundenzeitschrift der Stadtwerke aus dem Jahr 2007, die mit den Vorstellungen der Bürger übereinstimme.

Skeptische Meinungen gab es zur bevorstehenden Bürgerbefragung. Der Geschäftsmann Andreas Ehrl (CDU) sah die Gefahr, dass bereits im Vorfeld festgestellt werde, dass bestimmte Varianten nicht funktionieren. Die Geoökologin Jaqueline Krüger (FDP) bezweifelte, dass die Bürger über den notwendigen Informationsstand für eine solche Befragung verfügen. Die Folgen dieser Investition für andere Leistungen der Kommune seien unübersehbar. „Was kann eine Stadt, die eine dreiviertel Milliarde Euro Schulden hat, überhaupt bezahlen?“, fragte Hintze. So rechne die Stadt mit einem Erlös von zwölf Millionen Euro aus dem Verkauf des Brauhausberges, mit dem ein Bad im Bornstedter Feld gegenfinanziert werden solle. Auf der anderen Seite seien jedoch Grundstücksverkäufe im Bornstedter Feld in die Überlegungen überhaupt nicht einbezogen.

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