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  • 19.10.2011
  • von Thomas Lähns

Ein Denkmal für den Spargelpionier

von Thomas Lähns

Ein Denkmal mit Augenzwinkern: Lutz Backes hat dem Ackerbürger Herrmann ein Bund Spargel an den Hut gesteckt.Foto: privat

Der Karikaturist Lutz Backes modelliert für Beelitz eine Büste des Ackerbürgers Karl F. W. Herrmann

Beelitz - Er zeichnet, modelliert, hat geschauspielert und er schreibt Theaterstücke. Und trotzdem sieht sich Lutz Backes nicht als Allround-Talent. „Es gibt einen Baum, der heißt Humor – und auf dem hüpfe ich von Ast zu Ast“, beschreibt der 73-Jährige seine Berufung. Jahrelang hat er Karikaturen für die New York Times angefertigt, beim Handelsblatt war er seit 1977 angestellt und hielt er den Großen der Republik einen Spiegel vor. Auch seine Skulpturen haben Kult-Charakter: Franz Josef Strauß in Bronze, wie er grimmig grinst. Oder Alt-Bundespräsident Walter Scheel in Stein, wie er aus Leibeskräften singt. Den früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel hat er indes etwas derangiert aus einem Nistkasten ragen lassen. Backes’ neuestes Projekt: Eine Büste des Beelitzer Spargelpioniers Karl Friedrich Wilhelm Herrmann.

Nachdem er lange im Ausland unterwegs war – für die Marke „Puma“ entwarf er zum Beispiel schon 1967 das weltbekannte Logo – lebt Lutz Backes heute in Nürnberg. In diesem Jahr hatte es den Journalisten im Rahmen der traditionellen Spargeltour der SPD-Bundestagsfraktion nach Beelitz verschlagen, dort sei er mit Bürgermeister Bernhard Knuth (BBB) ins Gespräch gekommen. Es war die Jubiläums-Saison: Vor 150 Jahren hatte Karl Herrmann, eigentlich Glasermeister, sein erstes Spargelfeld am Stadtrand, in der heutigen Löns-Straße angelegt. Die Ernte hatte er auf dem Markt verkauft – und damit den Grundstein für eine langlebige Tradition gelegt. Beelitz ist heute mit 1100 Hektar Spargelfeldern das größte zusammenhängende Anbaugebiet Ostdeutschlands. Und so kam Knuth auf den Gedanken, dem Spargelpionier endlich ein Denkmal zu setzen.

Den Gedanken hat Backes aufgegriffen – auch wenn das Beelitzer „Herrmanns-Denkmal“ keine Karikatur werden soll, wie er unterstreicht. Immerhin: Wo andere einen Gamsbart am Hut tragen, soll Herrmann künftig ein Bund Spargel schmücken. Die Arbeit am Modell erfordere viel Fantasie, erläutert der Bildhauer, denn die Beelitzer hätten ihm nur ein einziges Foto von ihrem Spargelvater schicken können. Das stammt aus dem Jahr 1861, und dementsprechend fällt die Qualität aus. Dennoch ist Lutz Backes schon weit vorangekommen: Im Moment erledige er die Feinarbeit, dann könne das Modell in Bronze gegossen werden.

Aufgestellt werden soll die Büste im Beelitzer Lustgarten, vor dem früheren Blumen-Pavillon an der Ecke Berliner / Clara-Zetkin-Straße. Den will die Stadt sanieren und zu einem Markt für regionale Produkte umbauen. Betreiben will den Markt der Zauchwitzer Spargelhof Syring – dessen Chef dem Konterfei von Karl Herrmann praktischerweise auch noch ähnelt. Zum Spargelfest im kommenden Jahr, wenn auch dieses Projekt umgesetzt ist, soll dann die Skulptur enthüllt werden, wie Bürgermeister Knuth am Montagabend im Hauptausschuss erklärte. Bereits im September hatten die Stadtverordneten beschlossen, 10 000 Euro für Planung und Herstellung des Kunstwerkes bereitzustellen, allerdings sei die Spendenbereitschaft in der Stadt so groß, dass es wohl auch ohne öffentliche Mittel gehen werde, so Knuth.

Lutz Backes, der zwischenzeitlich für Recherchen wieder nach Beelitz gekommen war, will dann ebenfalls dabei sein. Er hat die Stadt lieb gewonnen, die seiner Wahl-Heimat durchaus ähnlich sei, sagt er. Sand, Kiefern und Spargel gebe es auch in Nürnberg. Backes will dann aus seinem neuen Buch lesen und sogar eine Ausstellung im Tiedemannsaal organisieren.

Dafür kann er aus einem reichhaltigen Fundus schöpfen: Über 150 000 Portraitkarikaturen hat Lutz Backes gezeichnet – darunter sind Bundes- und internationale Politiker – viele haben sogar auf den Blättern unterschrieben – und historische Persönlichkeiten wie E.T.A. Hoffmann oder Charles de Gaulle. Und in der Spargelstadt wird Lutz Backes sicher auch noch einige Köpfe finden, die es sich zu karikieren lohnt.

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