Werder (Havel): Antisemitische Parolen an der Oberschule

von Hagen Ludwig und Thomas Lähns

An der Carl-von-Ossietzky-Oberschule in Werder (Havel) werden Toleranz und Weltoffenheit gelehrt - doch nun ermittelt der Staatsschutz wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Foto: Andreas Klaer

Mitarbeiter des Jüdischen Museums wurden am Donnerstag von Schülern der 10. Klasse beschimpft. Eine sofort einberufene Schülerkonferenz hat sich von dem Vorfall distanziert.

Werder (Havel) - Zwei Mitarbeiterinnen der Stiftung „Jüdisches Museum Berlin“ sind Donnerstagvormittag an der Werderaner Carl-von-Ossietzky-Oberschule mit antisemitischen Parolen beschimpft worden. Laut Polizeiangaben hatten die Stiftungs-Mitarbeiterinnen bei einer schulischen Veranstaltung einen Info-Stand betreut. Während der Hofpause seien ihnen plötzlich von Schülern antisemitische Schimpfwörter zugerufen worden.

Die beiden Frauen riefen die Polizei, die wenig später aus der benachbarten Wache eintraf. Gemeinsam mit dem Schulpersonal konnten vier 15-jährige Schüler der 10. Klasse ermittelt werden, die im Verdacht stehen, die Parolen gerufen zu haben. Die Jugendlichen sind bei der Polizei bisher nicht bekannt. Der Staatsschutz des Schutzbereiches Brandenburg ermittelt nun zu den genauen Tatumständen und den Tatbeteiligungen. Die Untersuchungen werden zum Verdacht der Volksverhetzung geführt und dauern derzeit noch an.

„Ich habe nicht gedacht, das so etwas an unserer Schule möglich ist“, sagte Schulleiterin Ines Amelung gestern den PNN. Es sei sofort eine Schülerkonferenz einberufen worden, die sich klar von dem Vorfall distanziert habe. Die Schülersprecher wollen sich in einem Brief an die Museumsmitarbeiter entschuldigen. In der Schule sei in den vergangenen Jahren sehr viel an Projektarbeit im Sinne der Völkerverständigung geleistet worden. Kürzlich wurde ein zweijähriges Projekt „Achtung und Toleranz“ abgeschlossen. Schülergruppen haben zum Schicksal jüdischer Mitbürger zur Zeit des Nationalsozialismus geforscht, und die Bildungseinrichtung trägt den Titel „Schule ohne Rassismus“. Im Zuge dieser Projekte hätte man auch die Museumsmitarbeiterinnen an die Schule eingeladen.

Der hauptverdächtige Schüler habe ihr in einem Gespräch keine Erklärung geben können und die Beschimpfungen bereits zutiefst bereut, sagte Amelung. Schulleitung und Lehrerschaft müssten jetzt darüber beraten, mit welchen Ordnungsmaßnahmen die betreffenden Schüler belangt werden.

Auch Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) sagte gestern, dass gerade an der Carl-von-Ossietzky-Schule viel für Toleranz und Völkerverständigung getan wurde. „Ich bin völlig überrascht und entschuldige mich dafür, dass es zu solchen Beschimpfungen in unserer Stadt gekommen ist“, so Große. Seit gut zwei Jahren trägt Werder den Titel „Ort der Vielfalt“, der von der Bundesregierung vergeben wird. Punkten konnte die Stadt mit ihrem breiten Engagement für Toleranz in Schulen, Sportvereinen und in der Bürgerschaft insgesamt. Seit über fünf Jahren gibt es hier ein Bündnis für Kulturaustausch, gegen Rassismus und Gewalt (Kurage), in dem verschiedene Gruppen mitarbeiten. Als Erfolg hatte man unter anderem verbuchen können, den Einzug der DVU ins Stadtparlament bei den Kommunalwahlen 2008 verhindert zu haben. Das damals in Werder ansässige DVU-Landesbüro hatte sich daraufhin aus der Stadt zurückgezogen.

In den nächsten Tagen soll auf verschiedenen Veranstaltungen mit den insgesamt 600 Schülern über den Vorfall gesprochen werden. Unter anderem wurde für den 17. Oktober ein Termin mit Mitarbeitern des Präventionsabteilung der Polizei an der Schule vereinbart.

Hagen Ludwig / Thomas Lähns

8 Kommentare

  • von Publius01.10.2011 18:25
    Wie soll man einen derartigen Vorfall in einer unmittelbaren Bedrohungs- und Gefahrensituation denn "pädagogisch" nutzen?! Erschütternd die ausweichende Reaktion der anwesenden Lehrer ...
  • von Publius01.10.2011 18:25
    Wie soll man einen derartigen Vorfall in einer unmittelbaren Bedrohungs- und Gefahrensituation denn "pädagogisch" nutzen?! Erschütternd die ausweichende Reaktion der anwesenden Lehrer ...
  • von unbekannt30.09.2011 17:58
    Warum haben die zwei Mitarbeiter die Äu0erungen nicht pädagogisch genutzt, sondern gleich die Polizei gerufen. Die Aufklärungsrbeit hätte dann gleich vor Ort stattfinden können. um den Jugendlichen die schwere des Themas zu verdeutlichen





  • von Frage30.09.2011 13:26
    Was haben die Schüler denn gesagt? Lohnt die Aufregung?
  • von dfj30.09.2011 13:24
    fgnh
  • von knüt30.09.2011 08:50
    cool beiben. teenager haben nun mal ne große klappe.
  • von Gardist30.09.2011 08:34
    Vielleicht ist zuviel indoktriniert worden und zuwenig der offene Dialog gesucht wozu auch die Akzeptanz abweichender Meinungen gehört. Man muß um die Seele der Leute ringen, nicht jeden der eine andere Meinung vertritt mundtot machen (wie es sehr oft in der Rassismus- / Nazidebatte passiert. nicht jeder der in den Chor unserer Politiker einstimmt ist ein rassist oder gar Nazi! Aber sehr oft wird eine andere Meinung sofort in diese Ecke gesteckt. Und das führt bei jungen Menschen genau zur Gegenreaktion.
    "Auch wenn ich Ihre Meinung auf das schärfste mißbillige, werde ich alles tun damit sie diese ungehindert äußern können!" Voltaire
  • von Kritiker30.09.2011 08:15
    Es ist wichtig, dass in Schulen und Kommunen über den Nationalsozialismus und andere Staatssysteme, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben oder begehen, informiert wird.

    Das heißt aber noch lange nicht, dass sich bei den informierten Menschen eine innere Abwehrhaltung gegen solche Systeme entwickelt.

    Mir sind solche plakativen Etikette, wie "Schule ohne Rassismus", "Ort der Vielfalt" usw. verdächtig. Das klingt mir zu sehr nach Werbung und Fassade.

Aktuellste Kommentare

  • von Publius01.10.2011 18:25
    Wie soll man einen derartigen Vorfall in einer unmittelbaren Bedrohungs- und Gefahrensituation denn "pädagogisch" nutzen?! Erschütternd die ausweichende...
  • von Publius01.10.2011 18:25
    Wie soll man einen derartigen Vorfall in einer unmittelbaren Bedrohungs- und Gefahrensituation denn "pädagogisch" nutzen?! Erschütternd die ausweichende...
  • von unbekannt30.09.2011 17:58
    Warum haben die zwei Mitarbeiter die Äu0erungen nicht pädagogisch genutzt, sondern gleich die Polizei gerufen. Die Aufklärungsrbeit hätte dann gleich...

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