Fotoshooting im Schnee
Werders Blütenkönigin Maria Lemke zieht Bilanz – jetzt wird eine Nachfolgerin gesucht (08.02.10)
Von Henry Klix
Werder (Havel) - Die Erinnerung an den Blütenball am 24. April 2009 ist für Maria Lemke vielleicht die schönste. „Alles ist im Ballsaal aufgebaut, die Spannung ist riesig. Und dann wird der Briefumschlag geöffnet.“ Unter fünf Kandidatinnen hatte sie das Rennen gemacht. Als ihr das Kostüm angelegt, mit einem ersten Tanz der Ball eröffnet wurde, habe sie sich lange „im Ausnahmezustand“ befunden. „Das war schon das wichtigste Ereignis im vergangenen Jahr“, sagt die 19-jährige Abiturientin des Haeckel-Gymnasiums.
Inzwischen hat Werders 22. Blütenkönigin rund 60 Termine absolviert, wurde mit Politikern und Showgrößen fotografiert, hat auf manches Partywochenende mit Freunden verzichtet, um stattdessen an 14-Stunden-Tagen die Stadt Werder zu repräsentieren. Der Plausch mit Ministerpräsident Matthias Platzeck auf der Grünen Woche, „den man sonst ja nur aus dem Fernsehen kennt“, sei schon ein Erlebnis gewesen – auch wenn sie, wie sie einräumt, nur selbst geredet hat. Das Album, das ihr die Mutter zu ihrer Wahl schenkte, hat sich mit Fotos und Zeitungsartikeln gefüllt, zuletzt gab’s ein Fotoshooting im Schnee. Worüber sie sich bei all den Auftritten am meisten gefreut habe, das seien „die großen, staunenden Kinderaugen“ gewesen.
Kommunikativ und aufgeschlossen sollen sie sein, in Werder leben und sich in ihrer Stadt gut auskennen – Maria Lemke hat alle Kriterien erfüllt. Auch für die nächste Wahl der Baumblütenkönigin, die gestern vom Rathaus ausgeschrieben wurde, gelten die Anforderungen. Bis zum 10. März müssen sich die Kandidatinnen beworben haben. Maria Lemke hat die Entscheidung jedenfalls nicht bereut.
Die Zeit auf dem Thron nutzte sie, um den Umgang mit den Medien zu trainieren – Maria Lemke will selbst einmal die journalistische Laufbahn einschlagen. Mit der RBB-Moderatorin Marina Ringel aus Kemnitz hat sie die Handynummern ausgetauscht. Und das Mittsommerfest des WFC Victoria moderierte sie so gut, dass sie gebeten wurde, ein paar Wochen später auch durch das Programm des Werderaner Mühlenfestes zu führen. Von solchen Aufgaben hätte sie sich manchmal sogar mehr gewünscht.
Maria Lemke schließt in diesem Jahr ihr Abitur ab. Ihre Noten hätten nicht gelitten, sie habe sich während ihrer Amtszeit sogar etwas verbessern können: Einsen und Zweien auf dem Halbjahrezeugnis, wobei ihr Sprachen und die kreativ-musischen Fächer besonders liegen. Ein Au-pair-Jahr in England soll sich anschließen, danach ein Studium.
Wenn morgen im Hauptausschuss über das Konzept des diesjährigen Blütenfestes diskutiert wird (18.30 Uhr, Schützenhaus), ist Maria Lemke vielleicht dabei. Schließlich habe sie das Blütenfest auch „von der anderen Seite“ kennengelernt, erinnert Lemke an die Ausschreitungen im vorigen Jahr. Ganz vermeiden ließe sich so was nicht, der Stadt als Veranstalter könne man das nicht anlasten. „,Manche Jugendliche wissen einfach nicht, wann sie mit dem Trinken aufhören sollten.“ Indem man den Alkoholausschank an unter 18-Jährige stärker kontrolliert, ließe sich die Atmosphäre in diesem Jahr noch etwas verbessern, glaubt die Blütenkönigin.
Bewerbungen mit Foto bis 10. März an die Stadtverwaltung, Bereich Marketing, Eisenbahnstr. 13/14 in 14542 Werder (Havel). Die Bewerbung sollte einen Lebenslauf sowie ein aktuelles Foto enthalten und die Verbundenheit zur Region ausdrücken. Die Bewerberinnen müssen volljährig sein und aus Werder oder einem Ortsteil von Werder stammen. Das 131. Baumblütenfest findet vom 24. April bis 2. Mai statt.
Kommentare
Das Baumblütenfest in Werder/Havel würde deutlich gewinnen, indem man es für jugendliche Trinker und die soziale Unterschicht deutlich unattraktiver macht. Dazu gehört ein völliger Verzicht auf Schausteller (den Rummelbetrieb), Billighändler, Billig-Ausschank und Billigverpflegung auf der Straße. Das Fest in den Privatgärten, unter den blühenden Bäumen gehört klar in den Mittelpunkt gestellt, ergänzt durch Musik von den Bühnen unterschiedlicher Größe. Das Image des Massen-Alkohol-Events (mit der Chance auf Randale) sollte mit Nachdruck abgelegt werden. Dabei würde auch eine Entzerrung helfen, z.B. in die Gärten von Plötzin, Plessow, Petzow und Geltow hinein. Die großen Ballungen von Menschen, 'Unter den Linden', auf dem 'Hohen Weg', an der Föhse, schaffen erst den Gruppenzwang zum Exzess-Trinken (bei Jugendlichen). Da ist anzusetzen. Bei entspanntem Sitzen im Garten ist die Situation völlig anders. Das sollte angestrebt und gestärkt werden. Dann kommen auch wieder mehr gesittete, seriöse Gäste zu diesem - an sich wunderbaren - Frühlingsfest.
Dr.Bernd-R.Paulke (09.02.2010)P.S. Aber wir wissen natürlich alle, heute steht das Geld im Vordergrund. Insbesondere dann, wenn auf dem Rathaus eine schwarze Fahne weht. Folglich wird sich an den genannten, kritischen Punkten wieder nichts ändern, und man wird wieder auf viel Polizei setzen. Dabei vergisst man aus meiner Sicht Eines: Wer schon einen nennenswerten Weg in vollen Zügen hinter sich hat und dann am Bahnhof Werder erst noch 'durch die Gasse' von Polizisten muss, der wird dabei enorm (mit Frust) aufgeladen. Psychologisch klug und einfühlsam ist diese 'Installation' am Bahnhof wahrlich nicht. Es ginge Vieles auch anders.