Tram nach Teltow chancenlos

Kreistagskoalition weist Potsdamer Planspiele entschieden zurück, Region sei „sehr gut“ angebunden (15.06.09)

Potsdam / Potsdam-Mittelmark - Im mittelmärkischen Kreistag hält man nichts von einer Straßenbahnverbindung zwischen Potsdam-Stern und Teltow. In einer gemeinsamen Presserklärung hat sich die Kreistagskoalition gestern massiv gegen entsprechende Planspiele des Verkehrsbetriebes in Potsdam ausgesprochen und zugleich die Betriebsführung des Potsdamer Verkehrsbetrieb scharf kritisiert. Vip-Geschäftsführer Martin Weiß hatte vor zwei Wochen aus einer Voruntersuchung zitiert, die ein positives Nutzen-Kosten-Faktor einer solchen Tram-Anbindung erwarten ließe. Im Herbst wolle man gemeinsam mit dem Landkreis eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, deren Ergebnis 2010 vorliegen sollten, hatte Weiß erklärt. Dass der Landkreis sich an solchen Expertisen beteiligt, ist nicht mehr zu erwarten: „Der Verkehrsbetrieb in Potsdam heißt Verkehrsbetrieb in Potsdam, weil er sich um den Verkehr in Potsdam kümmern soll“, heißt es in der gestern versandten Pressemitteilung von den Fraktionschefs Susanne Melior (SPD), Rudolf Werner (CDU), Hans-Peter Goetz (FDP / BIG-BIT) und Wolfgard Preuss (FBB).
Der ViP arbeite Jahr für Jahr mit erheblichem Defizit, gerade auch bei der Straßenbahn. „Da mag man in Potsdam durchaus auf die Idee kommen, andere, zum Beispiel den Landkreis Potsdam-Mittelmark, über neue Streckenführungen an diesen Defiziten zu beteiligen“, heißt es weiter. „Es wäre ja auch nicht das erste Mal.“
Hintergrund: Wiederholt hatte der ViP versucht, der kreislichen Havelbus-Verkehrsgesellschaft lukrative Buslinien aus der Region Teltow abzunehmen. Das will der Kreistag nun offenbar auch nicht über den Umweg „Straßenbahn“ zulassen, wobei er auch vor politischen Angriffen auf das Potsdamer Rathaus nicht zurückschreckt: „Gerade erst haben wir die Finanzen des Landkreises wieder auf eine solide Grundlage gestellt“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Anders als Potsdam sei der Landkreis „zukunftsfähig, gerade auch, weil wir nicht unsere Kinder und Enkel mit Schulden belasten, die kaum noch beherrschbar sind“.
Zwar werden von dem Fraktionsquartett Verbesserungsmöglichkeiten beim Öffentlichen Nahverkehr eingeräumt. Dennoch sei die Region Teltow – gerade im Vergleich zu den dünner besiedelten Teilen des Landkreises – „sehr gut“ in den ÖPNV eingebunden. „Millionenträumereien verbieten sich von selbst. Wir sichern die bestehenden Anbindungen und setzen uns ein für eine Erweiterung der S-Bahnanbindung der Region.“
Die Teltower Tramanbindung durfte damit – wenigstens bis zur nächsten Kommunalwahl – begraben sein: Selbst ViP-Chef Weiß hatte beim „Potsdamer Verkehrstisch“ festgestellt, dass er Grünes Licht von der Potsdamer und mittelmärkischen Politik benötigt, um den kostenintensiven Gleisanschluss zu finanzieren. Die Tram sollte offenbar längs der Nutheschnellstraße nach Stahnsdorf geführt werden. Dort könnte sie über die Potsdamer Allee, den Bäkedamm und die Wilhelm-Külz-Straße weiter nach Teltow fahren, wo Gleise an der Potsdamer Straße gelegt werden könnten. Über die Mahlower Straße gäbe es eine Anbindung an den Teltower S-Bahnhof. Doch für eine solche Linie haben selbst die Teltower Stadtverordneten schon vor Jahren keine Priorität gesehen.
Henry Klix

Kommentare

  • Wenn die Region Teltow "sehr gut" durch den ÖPNV erschlossen sein soll, heiße ich Caruso! Der Bus nach Potsdam verkehrt an Sonn- und Feiertagen lediglich stündlich. Unsere arme DDR konnte ihn alle halbe Stund fahren lassen. Nachmittags sogar jede Viertelstunde. Seitdem hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Mit Müh und Not hat man gerade die S-Bahn nach Teltow hinbekommen und die Anhalter Bahn wieder hergestellt. Stahnsdorf und Kleinmachnow sind weiterhin tote Hose. Liebe Planer und Abgeordnete, wacht endlich auf! Die Kraftstoffpreise sind trotz krisenbedingtem Nachfragetief weiter auf dem Vormarsch und Ihr glaubt immer noch, der Stoff reiche ewig! Wollt Ihr mit einem zukunftstauglichen Verkehrssystem warten, bis sich die Autofahrer an den Tankstellen um die letzten Liter prügeln?

    Herbert Weiß (15.06.2009)
  • Nun ja, wenn man es mit der Peripherie vergleicht, wo nur noch zweimal am Tag der Schulbus kommt, dann ist es "sehr gut"!

    Holger (16.06.2009)
  • Ergebnis der Verbindng: "sehr gut" ?
    Was ist dann "gut" / "befriedigend"?
    ... 1 Mal am Tag kommt der Bus?

    Wulmi (16.06.2009)
  • Warum nicht gleich komplett? Sinnvoll erscheint ein Runder Tisch der hier tangierten Gemeinden. Eine Tram von Potsdam nach Stahnsdorf ohne Knotenpunkt mit der sich ankündigenden S-Bahn-Linie Zehlendorf-Euro-Park (Dreilinden) scheint unausgegoren. Warum nicht eine Komplettlösung für den stetig wachsenden Speckgürtel und gegen das innerstädtische Verkehrschaos: S-Bahn von Zehlendorf nach Dreilinden über Düppel (hier will die FU ihre Flächen erweitern). In Dreilinden einen P&R-Platz (damit wäre die Stammbahnidee neu belebt). Bindet man die neu zu belebende Friedhofsbahn (nach Stahnsdorf) an, so erreicht man ein enormes Einzugspotential. Es ist noch nicht einmal eine Umwidmung notwendig da beide Trassen noch als solche geführt werden! Ein Tramanschluss an den Potsdamer Bahnhof macht den Umweg über Wannsee überflüssig und damit die Nutzung besonders für Pendler interessant! Zehlendorf geht übrigens vorran und zeigt wie es geht: dort sind Bürger, Vereine und Politiker aktiv und es besteht schon ein aussagestarkes Gutachten!

    Johannes Haerkötter (16.06.2009)
  • Gut durchdacht, J. H.! Im März tagte übrigens eine S-Bahn-Konferenz für die Region - mehr unter www.ringschluss.de. Stahnsdorf hat seit Jahren eine AG Verkehrskonzepte und seit Kurzem einen Runden Tisch zu diesem Thema.

    Herbert Weiß (16.06.2009)