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  • 12.10.2004
  • von Von Kirsten Graulich

Bahndamm ohne Zaun?

von Von Kirsten Graulich

Teltower Bürger fürchten Unfälle an der neuen S-Bahnstrecke. Die Bahn sieht keinen Anlass für Sicherung

Teltower Bürger fürchten Unfälle an der neuen S-Bahnstrecke. Die Bahn sieht keinen Anlass für Sicherung Von Kirsten Graulich Teltow – Nur 40 Meter entfernt von Michael Gerickes Wohnhaus verläuft die neue S-Bahntrasse über den Zehnrutenweg. „Eigentlich haben hier alle damit gerechnet, dass der Bahndamm noch mit einem Zaun gesichert wird", erzählt der Vater von zwei Kindern. Fassungslos sei er deshalb gewesen, als er im Bauamt die Planungsunterlagen einsah und feststellte, dass weder in den Brückenbereichen, noch an anderen Stellen der Trasse so etwas vorgesehen ist. Dabei beobachten er und seine Nachbarn täglich, wie die Gleise von Wanderern und Radfahrern überquert werden. Magisch angezogen fühlen sich auch viele Kinder von der Trasse. Besonders am Siedlergraben und der Brücke über dem Zehnrutenweg spielen häufig Kinder aus der Siedlung und den Gartensparten. „Auch wenn wir ihnen immer wieder sagen, dass der Bahndamm gefährlich ist, scheint die Verlockung größer", sagt Gericke. Nicht nur er befürchtet Unglücksfälle, wenn die S-Bahn erst einmal fährt. Denn Kinder könne man nicht ständig im Auge behalten. Verbote würden da wohl wenig nützen, glaubt er, zumal die Kinder zur Zeit vor Ort selber erleben, dass Erwachsene sich auch nicht daran halten. Um Gefahrenzonen einzuschränken, wandte sich Gericke an die DB Projektbau GmbH. Aber dort habe ihm nur lapidar mitgeteilt, dass die Bahntrasse im Umland nicht durch einen Zaun gesichert werde, sondern so etwas dem Berliner Stadtgebiet vorbehalten sei. Auch Pressesprecher Michael Baufeld von der DB Projektbau bestätigte gegenüber den PNN, dass Bahnstrecken nicht eingezäunt werden. Nur an Grundstücksgrenzen und an Gefahrenstellen gebe es Zäune. „Aber entlang der Teltower Trasse sehe ich diese Gefahrenstellen nicht. Außerdem weiß jeder, dass Bahnanlagen nicht betreten werden dürfen", sagte Baufeld mit Verweis auf die Reise- und Betriebsordnung der Bahn. Michael Gericke will sich damit nicht abfinden. Er und seine Nachbarn haben bereits zahlreiche Unterschriften für eine Einzäunung gesammelt. Außerdem hat Gericke einen Brief an den Vorsitzenden des Bauausschusses, Helmut Tietz, geschrieben, in dem er ihn bittet, sich für Sicherungsmaßnahmen an der Trasse einzusetzen. Es sollte nicht erst ein Unglücksfall an der Strecke geschehen müssen, damit Maßnahmen ergriffen würden, warnt Gericke in dem Brief. Bereits im Juli hatte der Bauausschuss zu einem Lokaltermin gebeten, um Sicherungen an der Trasse abzusprechen und dazu das Bauamt und die Deutsche Bahn eingeladen. Doch von der Bahn erschien kein Vertreter, ebenso ignorierte das Bauamt den Termin. Die Ausschussmitglieder fühlten sich brüskiert. Sie fanden es zudem verwunderlich, dass Bauamtsleiter Bernd Wiebrecht in der jüngsten Sitzung von einer guten Zusammenarbeit zwischen der Bahn und der Stadt sprach. Denn ein Schreiben an die Bahn AG vom März, in dem die Stadt Teltow um eine Einzäunung der Strecke gebeten hatte, ist immer noch unbeantwortet. Der Teltower Bauausschuss will sich damit nicht abfinden. Deutsche Bahn und Eisenbahnbundesamt sollten zu Gesprächen mit der Stadt zusammenkommen, um über das Problem Sicherung zu beraten – und zwar noch vor dem Start der S-Bahn, war man sich einig. Ziel müsse eine Mindestabsicherung der Strecke sein. Dass die Bahn sich bisher nicht veranlasst sah, die Strecke wenigstens teilweise an Gefahrenstellen einzuzäunen, widerspricht Beispielen aus dem Berliner Umland. Aus Bahnkreisen erfuhren die PNN, dass ein Wohngebiet in Hönow bei Berlin, an dem die U-Bahn vorbeifährt, mit einem Zaun abgesichert wurde. Auch dort sorgten sich Anwohner um die Sicherheit der Kinder.

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