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Schwielowsee

  • 07.08.2018
  • von Enrico Bellin

Verkehr in Potsdam-Mittelmark: Es fährt kein Zug nach Schwielowsee

von Enrico Bellin

Foto: Enrico Bellin

Am Montag fielen die Züge in die Gemeinde stundenlang aus. Laut Bahn kann dieser Zustand noch wochenlang andauern.

Schwielowsee - Kein Zug zwischen 13.25 Uhr und 18.25 Uhr: Die Ausfälle auf der Regionalbahnlinie 23 halten trotz anderslautender Versprechen der Bahn im August weiter an. Am gestrigen Montag konnten Pendler die Gemeinde Schwielowsee stundenlang nicht mit dem Zug erreichen. Wie Bahnsprecher Burkhard Ahlert gegenüber den PNN einräumte, muss sich die Gemeinde noch wochenlang auf Zugausfälle einstellen. Hauptgrund dafür ist Fahrermangel bei der Deutschen Bahn, dazu kam am Montag noch ein technischer Defekt an einem Zug.

„Es kann leider immer wieder vorkommen, dass durch die Urlaubszeit und kurzfristige Krankmeldungen die Regionalbahn 23 ausfällt“, so Ahlert. Mit einer Verbesserung rechne er spätestens nach den Ferien. Wie berichtet waren schon im Juli an mehreren Tagen hintereinander die Züge ausgefallen, weil der Bahn die Fahrer fehlen. Damals hieß es, dass durch Neueinstellungen ab August die Situation entschärft werden soll. Die Bahn lässt bei Fahrermangel meist die Regionalbahn 23 von Potsdam über Caputh, Ferch und Seddin nach Michendorf ausfallen, da dort die Fahrgastzahlen vergleichsweise gering seien. Ersatzverkehr könne nicht immer kurzfristig eingerichtet werden. Und wenn, dann fährt dieser den Bahnhof Caputh-Geltow nicht an.

Eine kurzfristige Entlastung wollte Ahlert gestern nicht versprechen, verwies aber darauf, dass von den 350 täglichen Schichten der Fahrer in ganz Brandenburg ja nur ein oder zwei nicht besetzt werden könnten.

„Ich bin absolut sauer auf die Bahn, kein Mensch informiert uns“, sagt hingegen Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). Während nach Michendorf und Seddin noch weitere Bahnlinien fahren, ist die RB 23 für Schwielowsee die einzige Verbindung. „Es ist einfach unfair, die Strecke jetzt in der Urlaubszeit nicht zu bedienen“, so die Bürgermeisterin. Schließlich ist Schwielowsee als staatlich anerkannter Erholungsort bei Touristen beliebt, die nun nur mit dem meist stündlich fahrenden Bus anreisen können – der zudem von Potsdam eine Umleitung über Michendorf fährt, da die Straße nach Caputh noch bis September saniert wird. „Wir als kleine Gemeinde werden von der Bahn einfach anders behandelt. Ich glaube nicht, dass die sich solche Ausfälle in Berlin trauen würde“, so Hoppe weiter.

„Es ist schon ein Ding, wenn immer die gleiche Strecke von Ausfällen betroffen ist“

Ärgerlich sei auch, dass die Gemeinde extra versuche, die Bahn für ihre Einwohner attraktiver zu machen, und nun die Züge nicht fahren. So hat der Verleiher Nextbike im Auftrag der Gemeinde eine Fahrradstation am Bahnhof Ferch-Lienewitz eingerichtet. Auch kämpft die Gemeinde seit Jahren für einen Radweg entlang der Kreisstraße zum Bahnhof.

Das Argument der Urlaubszeit kann die Bürgermeisterin nicht nachvollziehen. „Ich muss auch sehen, wie ich meine Verwaltung in diesen Wochen arbeitsfähig halte. Da muss jeder auch mal andere Aufgaben übernehmen.“ Sie selbst habe etwa Yoga- oder Walkingkurse in der Verwaltung eingeführt, für die die Mitarbeiter eine halbe Stunde freigestellt würden und die die Gesundheit der Mitarbeiter verbessern sollen.

Auch Hans-Jürgen Hennig, Chef der mittelmärkischen Busgesellschaft, kann das Verhalten der Bahn nicht verstehen. „Es ist schon ein Ding, wenn immer die gleiche Strecke von Ausfällen betroffen ist.“ Die Busse nach Schwielowsee seien in den vergangenen Wochen voller gewesen. Es sei aber schwer zu sagen, ob das allgemein auf die Urlaubszeit zurückzuführen ist. „Wir würden uns aber freuen, wenn uns die Bahn vorher über Ausfälle informieren würde, damit wir dann wenigstens Gelenkbusse auf der Strecke einsetzen können“, so Hennig. Bei Zugausfällen komme es immer wieder vor, dass Fahrer vom Andrang an den Bahnhöfen schlicht überrascht werden.

Wegen der Ausfälle streicht das Land einen Teil der Zuschüsse, die die Bahn für den Betrieb der Regionalzüge erhält. Zwischen der Bahn, dem Infrastrukturministerium und dem Verkehrsverbund hatte es zuvor mehrere Gespräche wegen der Zugausfälle gegeben. Wie hoch die Streichungen sind, konnte der Büroleiter des Infrastrukturministeriums, Michael Brentrup, gestern nicht sagen. „Nach unserem Stand hat sich die Situation inzwischen entspannt.“ Das Ministerium werde die Lage aber weiter beobachten.

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