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Stahnsdorf

  • 31.05.2018
  • von Solveig Schuster

Nach Ärger zwischen Anwohnern und Immobilienfirma: Asbestabriss in Stahnsdorf gibt Rätsel auf

von Solveig Schuster

Geplant. Auf dem Areal sollen Doppel- und Reihenhäuser entstehen. Foto: S. Gabsch

Anwohner beklagen einen unangekündigten Asbestabriss in ihrer Nachbarschaft. Die Pläne für ein Areal in der Bahnhofstraße in Stahnsdorf sorgen für weitere Querelen in der Nachbarschaft.

Stahnsdorf - Ein dubioser Vorfall im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben in Stahnsdorf hat die Bau- und Umweltbehörden beschäftigt. Auf einem Grundstück in der Bahnhofstraße sind in der vergangenen Woche mehrere asbestbelastete Gebäude abgerissen worden. Der Abriss der etwa 200 Quadratmeter festgebundenen Asbestzementplatten soll zwar sowohl der Baubehörde des Landkreises als auch dem Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAGV) pflichtgemäß angezeigt worden sein. Mysteriös wird der Vorgang jedoch durch einen Hinweis, den eine Anwohnerin anonym an die Behörden gab. Demnach soll sich im Anschluss an die Abrissarbeiten ein vermeintlicher Mitarbeiter des Bundesumweltamtes bei Anwohnern danach erkundigt haben, ob Video- und Fotomaterial vorhanden sei, das den Abriss der Schuppen und Garagen dokumentiere. Die Behörde zeigte sich gestern jedoch überrascht. „Von uns war niemand vor Ort“, erklärte der Sprecher des Bundesumweltamtes, Martin Ittershagen, auf Nachfrage der PNN.

Offenbar steckte das Landesamt hinter dem Besuch. Nach Angaben des Brandenburger Gesundheitsministeriums hat eine Mitarbeiterin die Baustelle in der Bahnhofstraße aufgrund einer Anwohnerbeschwerde am 23. Mai überprüft. Diese hatte wissen wollen, warum die Anwohner nicht über die Arbeiten informiert waren, sagte ein Ministeriumssprecher den PNN. Die Arbeiten auf der Baustelle sollen zu diesem Zeitpunkt jedoch schon beendet gewesen sein. Eine mit der Bauaufsicht betraute Sachkundige habe dem Landesamt vor Ort aber bestätigt, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt worden seien.

Anwohner besorgt wegen Asbest - nicht zu Unrecht

„Es waren ständig Ämter und Behörden zu Untersuchungen hier, ich denke, die werden alles genehmigt haben“, erklärte Flächeneigentümer Martin Müller den PNN. Er sei in das Bauvorhaben involviert, den Abriss habe aber der neue Pächter ausgelöst. Verantwortlich ist laut Bauschild die EKInvest Immobilien- und Handelsgesellschaft Kleinmachnow. Den Vertrieb leitet die Kleinmachnower Immobilienmaklerin Marita Wegener.

Sie beklagt, dass die Anwohner dem Projekt immer wieder Steine in den Weg gelegt hätten. „Zunächst waren vor Ort Fledermäuse vermutet worden, die es aber nicht gab“, sagte die Maklerin. Das notwendige Gutachten habe viel Zeit und Geld gekostet und den Bauablauf verzögert. Der Bauantrag gehe daher erst in diesen Tagen raus. Die Maklerin klagt über „Missgunst“ seitens der Anwohner. Die ganzen Jahre hätten sich Anwohner wegen der Asbest- und schadstoffbelasteten Hallen aufgeregt, nun seien sie weg und die Anwohner regten sich weiter auf.

Unbegründet sind die Sorgen der Anwohner aber nicht. Asbest ist hochgefährlich. Werden Fasern des vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren verwendeten und noch immer in vielen Dachplatten oder Bodenbelägen vorzufindenden Baustoffes freigesetzt und eingeatmet, kann dies nach Angaben des Landesamtes für Arbeitsschutz zu Krebserkrankungen der Lunge und des Rippenfells führen. Seit 1995 besteht in Deutschland daher ein Verbot zur Herstellung und Verwendung von Asbest. Für Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten gelten zwar Ausnahmen, doch unterliegen diese strengen Bedingungen. Sie dürfen nur durch Fachfirmen durchgeführt werden und sind bei oder durch einen Abfallentsorgungsbetrieb zu beseitigen. Bauarbeiter, die mit Asbest in Berührung kommen, hätten zudem eine Atemschutzmaske zu tragen.

10 000 Quadratmeter großes Grundstück soll zum Wohngebiet entwickelt werden

Bei dem Areal in der Bahnhofstraße 100 in Stahnsdorf handelt es sich um einen historisch gewachsenen Gewerbehof, auf dem zuletzt neben dem Eigentümer – der im Korrosions- und Blitzschutz tätigen Firma Karl Brendel – ein Autohandel und eine Messebaufirma tätig waren.

Nun soll das von Einfamilienhäusern umgebene rund 10 000 Quadratmeter große Grundstück zwischen Bahnhofstraße und Goldammerweg zu einem Wohngebiet entwickelt werden. Neben einem Bungalow sollen dort fünf Stadtvillen sowie vier Doppel- und zwei Reihenhäusern entstehen. Baubeginn soll bereits im Juli sein. Noch gebe es aber keinen Bauantrag, sagte Landkreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Auch wurde das Projekt in den kommunalen Gremien laut Gemeindesprecher Stephan Reitzig bisher noch nicht diskutiert.

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