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Nuthetal

  • 04.04.2018
  • von Eva Schmid

Keine Renaturierung in der Fresdorfer Heide: Bürger kämpfen gegen geplante Mülldeponie

von Eva Schmid

Umstrittenes Terrain. Vor gut zwei Jahren hat sich gegen die geplante Mülldeponie in Fresdorf die Bürgerinitiative „Depo-Nie in der Fresdorfer Heide“ gegründet. Rund 100 Unterstützer aus Michendorf, Wildenbruch und Saarmund gibt es mittlerweile. Foto: BZR

Der Protest der Anwohner gegen die Deponie in der Fresdorfer Heide richtet sich immer mehr gegen die Politik

Wildenbruch - Ein kleiner Ort in Brandenburg, beliebt bei Touristen – und bei der Müllindustrie. Im Wildenbrucher Gemeindezentrum, einem kleinen Haus mitten im Ort, treffen sich über 20 Anwohner aus Wildenbruch, Michendorf und dem benachbarten Saarmund. Sie treiben die Pläne der Bauzuschlagstoffe & Recycling GmbH (BZR) um. Wie berichtet will die Firma ihren Kiessandtagebau in der Fresdorfer Heide nicht wie ursprünglich geplant renaturieren, sondern ausbauen und in der ausgehobenen Grube eine Mülldeponie der Klasse I errichten. In der Fresdorfer Heide, die im Landschaftsschutzgebiet „Beelitzer Sander-Nuthetal“ liegt, sollen künftig Bauschutt und Hochofenschlacke entsorgt werden. Zwei Planfeststellungsverfahren laufen derzeit.

Im kleinen Gemeindezentrum wird indes überlegt, wie man am geschicktesten gegen die BZR und ihre Pläne vorgeht. Vor gut zwei Jahren hat sich aus losem Protest die Bürgerinitiative „Depo-Nie in der Fresdorfer Heide“ gegründet, rund 100 Unterstützer gibt es mittlerweile. Ein Drittel von ihnen kommt regelmäßig zu den Treffen. Diesmal geht es ums Geld und um Spenden. Die Deponie-Gegner stellen sich auf Klagen ein, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sollen sie vor Gericht vertreten. Auch die Gemeinde Michendorf hat sich gegen die Mülldeponie ausgesprochen, ebenso wie Nuthetal. Und auch Michendorf bereitet sich auf eine Klage vor, sollte die Deponie kommen.

„Die bisherigen Einwendungen indes sind weiterhin gültig“

Der Antrag der BZR zur Erweiterung ihres Kiessandtagebaus um 16,4 Hektar wird vom Bergbauamt in Cottbus bearbeitet. Nach Angaben des Präsidenten Hans-Georg Thiem prüfe das Amt derzeit die über 600 eingegangenen Einwendungen, in denen vor allem Anwohner erklären, welche privaten Gründe aus ihrer Sicht gegen das Projekt sprechen. Ursprünglich war geplant, dass in diesem Sommer noch ein öffentlicher Erörterungstermin stattfinden soll, so Thiem. Dieser diene dazu, öffentlich die Argumente beider Seiten auszutauschen. Ein genauer Termin stehe derzeit noch nicht fest. Klar sei aber, dass die Anhörung in oder rund um Potsdam organisiert werden soll und nicht wie von den Deponiegegnern befürchtet im fernen Cottbus.

Das zweite Planfeststellungsverfahren, der Antrag zur Errichtung einer Deponie für Bauschutt und Hochofenschlacke, liegt beim Landesumweltamt auf dem Tisch. Auch hier sind die Unterlagen bereits öffentlich ausgelegt worden, und über 505 Einwendungen von Bürgern eingegangen. Aufgrund von redaktionellen Fehlern in den ausgelegten Dokumenten des Landesumweltamtes soll das Prozedere nochmals wiederholt werden, „um mögliches Konfliktpotenzial im weiteren Verfahren zu verringern“, wie der Sprecher des Landesumweltamtes, Thomas Frey, auf Nachfrage erklärte. „Die bisherigen Einwendungen indes sind weiterhin gültig“, bestätigte Frey. Wann die Unterlagen erneut ausgelegt werden, stehe noch nicht fest.

Müll zieht Müll

Spielten die Deponiegegner früher auf Zeit, in der Hoffnung, dass irgendwo anders schneller eine Deponie errichtet werden könne, hat mittlerweile der Faktor Zeit keine große Relevanz mehr. Vielmehr geht man in Wildenbruch davon aus, dass die Deponie sehr wahrscheinlich kommen wird – wenn auch mit Auflagen. Die BZR habe schon viel in die Planung investiert, und werde jetzt nicht mehr schnell klein beigeben, befürchtet ein Sprecher der Bürgerinitiative. Er, wie auch andere seiner Mitstreiter, wollen ihren Namen nicht mehr öffentlich in der Zeitung lesen. Sie befürchten, sich dadurch angreifbar zu machen und wollen sich schützen – auch im Hinblick auf ein mögliches Verfahren vor Gericht.

Und selbst, wenn die BZR an dem Standort kein Interesse mehr zeigen würde, stünden schon die nächsten Müllfirmen bereit, heißt es bei den Deponiegegnern. Denn: Müll zieht Müll, so lautet die Losung, mit der die Bürgerinitiative das Grundproblem beschreibt. Zwar werde derzeit von der Stadtentsorgung Potsdam GmbH (Step) die Hausmülldeponie in der Fresdorfer Heide, die neben dem Kiessandtagebau liegt, renaturiert. Doch liege mit der Deponie der BZR seit etwa zwei Jahren schon das nächste Projekt auf dem Tisch der Behörden. „An einem Standort, wo man schon Schäden hat, werden weitere in Kauf genommen“, so der Sprecher der Bürgerinitiative.

Inzwischen sind neben der BZR aber auch die Politik und die in Müllfragen beteiligten Ämter ins Zentrum der Kritik gerückt. Seit Jahren gebe es kein Müllstandortkonzept, dabei sei dies dringend nötig, so der Sprecher.

Auch ist man in Michendorf auf die BZR noch immer nicht gut zu sprechen. Vor sieben Jahren stand deren ehemaliger Geschäftsführer wegen illegaler Müllbeseitigung in der Fresdorfer Heide vor Gericht. Heute leiten andere die Geschäfte. Doch in Michendorf traut man dem Frieden nicht. Das Geschäft mit Sand und Müll sei einfach zu lukrativ.

Die Bürgerinitiative „Depo-Nie“ lädt am 5. April um 19 Uhr zu einem Informationsabend in das Wildenbrucher Gemeindezentrum, Kunersdorferstraße 15, ein.

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Hintergrund: Abfälle in der Mark

Mineralische Massenabfälle, zum Beispiel aus der Bauwirtschaft, nehmen in Brandenburg den größten Anteil am Gesamtabfallaufkommen ein. Das Landesumweltamt hat im Herbst 2017 in einem Monitoringbericht prüfen lassen, mit wie viel Müll der Deponieklasse I bis zum Jahr 2027 gerechnet werden muss. Demnach besteht über die bereits betriebenen und genehmigten Deponien hinaus ein Bedarf für mineralische Abfälle von rund 13,4 Millionen Kubikmetern. Im Land Brandenburg gibt es zurzeit sechs Deponien der Klasse I. Würde die Deponie der BZR in ihrer bisherigen Planung realisiert werden, ist sie laut Landesumweltamt die drittgrößte in Brandenburg. Größer sind nur die Standorte in Deetz ( Potsdam-Mittelmark) und Schöneiche (Teltow-Fläming). Die Deponierung von Klärschlämmen ist von der BZR nicht beantragt worden. 

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