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Stahnsdorf

  • 21.03.2018
  • von Julia Frese

Indie Autor Preis der Leipziger Buchmesse: Teilchenbeschleuniger im Neonlicht

von Julia Frese

Büro statt Labor.

Die Stahnsdorferin Sabine Engel hat mit ihrem Roman „Neondunkel“ den Indie Autor Preis auf der Leipziger Buchmesse gewonnen.

Stahnsdorf - Am Ende hat es die gläserne Trophäe mit der Aufschrift „Indie Autor Preis 1. Platz“ doch noch von der Leipziger Buchmesse bis auf Sabine Engels Schreibtisch in Stahnsdorf geschafft. „Ich musste am Freitagabend per Anhalter zurückfahren, bei der Bahn ging durch den Schnee nichts mehr“, erzählt die 44-Jährige in fröhlichem Plauderton. Wie zum Beweis zeigt sie ein großes weißes Schild, auf das sie mit Lippenstift „Berlin“ geschrieben hat.

Die gewisse Prise Abenteuerlust war es auch, die Sabine Engel nach ihrem Physik-Diplom in Bochum ins kanadische Vancouver verschlug. Vier Jahre promovierte Sabine Engel dort am renommierten TRIUMF, dem nationalen Forschungszentrum für Teilchenphysik. Sie konstruierte mit ihren Kollegen komplexe Versuchsaufbauten und stellte Experimente mit einem Teilchenbeschleuniger an – genau so wie die Promotionsstudentin Melanie Glatz in ihrem nun prämierten Krimi „Neondunkel“.

Der Preis wurde vom Selfpublishing-Verlag Neopubli ausgeschrieben, mehr als 170 Autoren reichten ihre bisher unveröffentlichten Werke ein. Die Siegerin bekommt neben ihrer Glastrophäe auch 3000 Euro Preisgeld und einen Vertrag mit dem E-Book-Verlag Topkrimi. Damit hebt sich das eigene Werk aus der mittlerweile unüberschaubaren Masse an Self-Publishing-Werken heraus. „Ich selbst habe nicht die finanziellen Mittel, um in großem Stile Werbung für meine Bücher zu machen“, sagt Engel. „In dem Bereich ist ein professioneller Verlag sehr hilfreich.“

Bevor sie ihr Buch bei dem Wettbewerb einreichte, hatte Sabine Engel bereits rund ein Jahr lang erfolglos versucht, „Neondunkel“ an einen Verlag zu verkaufen. Da sie bereits ein Kinderbuch veröffentlicht hatte, verfügte sie zumindest über ein kleines Netz an Kontakten. Doch auch damit habe sie kaum eine Chance gehabt, sagt die freiberufliche Autorin. „Verlage bekommen jede Woche mehrere 100 Manuskripte zugeschickt“, sagt sie. „Um da herauszustechen braucht man schon sehr viel Glück.“

Zum Schreiben kam Sabine Engel Ende der 1990er Jahre während ihres Studiums in Bonn und Bochum. Mit dem Ziel, Wissenschaftsjournalistin zu werden, machte sie ihre ersten publizistischen Schritte als Praktikantin und freie Mitarbeiterin beim Kölner Stadtanzeiger und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Nach ihrer Promotion kehrte sie 2004 nach Deutschland zurück, wo sie zunächst in einer Behörde arbeitete. „Ich hätte auch in der Wissenschaft bleiben können“, erzählt Engel. Man habe ihr damals sogar eine Stelle an der renommierten Yale University in den USA angeboten. „Aber ich hatte Angst, dass ich mich ewig von einer befristeten Stelle zur nächsten hangele, wie das leider heute in der Wissenschaft sehr üblich ist.“

Nach der Geburt ihrer Zwillingstöchter, die inzwischen 13 sind, konzentrierte sich Sabine Engel ausschließlich auf das Schreiben fiktionaler Texte. Zunächst als freie Autorin von Drehbüchern, schließlich mit ihrem Kinderbuch „Mission mit Schwein“, das 2013 erschien. Mit der Arbeit an „Neondunkel“ schließlich begann sie vor rund drei Jahren. Um ihr Kinderbuch-Autoren-Ich klar vom Krimi-Autoren-Ich abzugrenzen, schrieb Sabine Engel „Neondunkel“ unter dem Pseudonym Solveig Engel. „Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich verstecken wollen würde“, sagt die Autorin. „Es geht nur darum, dass man sofort weiß, wenn Solveig Engel auf dem Cover steht, dann ist es sicher keine Kindergeschichte.“

In dem Krimi, der an der Universität Bochum spielt, geht es um die Promotionsstudentin Melanie Glanz, deren männliche Forscherkollegen soeben den Nobelpreis verliehen bekommen haben. Dass Melanie Glanz eigentlich diejenige war, die die Ideen zu den Versuchsaufbauten lieferte, erwähnen die stolzen Preisträger nicht. Kurz darauf sterben zwei von ihnen unter mysteriösen Umständen.

Bei all den Detailbeschreibungen aus der Welt der Wissenschaft, die der Roman enthält, liegt der Verdacht nahe, dass er viel Autobiografisches enthält. „Sagen wir mal so, ich kann mich gut mit der Hauptfigur identifizieren“, sagt die Autorin. Parallelen zu ihrer eigenen Forschervergangenheit gebe es durchaus. Allerdings bezögen sich diese hauptsächlich auf das Fachliche. Sie selbst habe nie das Gefühl gehabt, von männlichen Kollegen benachteiligt worden zu sein. „Ich war aber ja auch bloß Diplom- und Promotionsstudentin und habe darum nie mit jemandem um eine wichtige Position konkurriert“, räumt Engel ein. „Von Freundinnen, die noch in der Wissenschaft arbeiten, höre ich, dass sie dort teilweise schon Diskriminierung erfahren.“

Auch wenn sie mit ihrem Beruf als Autorin glücklich ist, sagt Sabine Engel offen, dass sie bisher nicht davon leben könnte. „Ich habe das Glück, dass mein Mann mich gern unterstützt.“ Mit dem Indie Autor Preis und dem Vertrag mit Topkrimi dürfte sie zumindest einen wichtigen Schritt in Richtung größerer Bekanntheit geschafft haben. Schon in der kommenden Woche, am 28. März, ist Sabine Engel für ihre erste Lesung mit „Neondunkel“ gebucht – passenderweise im Berliner Kriminaltheater.

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