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  • 08.03.2018
  • von Eva Schmid

Wahl in Potsdam-Mittelmark: Politiker mit Blick fürs Schöne

von Eva Schmid

Viel vor. Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) will in den kommenden acht Jahren vor allem die Entwicklung der Beelitzer Heilstätten als neues Wohnquartier vorantreiben. Foto: Gérard Lorenz

Beelitz wählt am Sonntag einen neuen Bürgermeister. Eine wirkliche Wahl haben die Beelitzer aber nicht - Bernhard Knuth ist der einzige Kandidat.

Beelitz - Es wird nur eine Zahl bei der Wahl am kommenden Sonntag in Beelitz zählen: die Anzahl der Ja-Stimmen. Das wird für Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis), der eine zweite Amtszeit anstrebt, ein wichtiger Gradmesser für seine bisherige Arbeit sein. Denn Konkurrenz hat er nicht. Und öffentlich will niemand ihn kritisieren.

Dabei sind die kommenden Jahre für Beelitz wegweisend: In den Heilstätten wird ein neues Stadtquartier entstehen, Beelitz wird 4500 neue und damit ein Drittel mehr Einwohner bekommen. Die Stadt ist dank guter Verkehrsanbindung vom Zuzug junger Familien geprägt. Touristen kommen bereits jetzt schon in Scharen: auf die Spargelhöfe, den Baumkronenpfad und in die Altstadt. Und in zwei Jahren werden es noch mehr. Dann findet in der Spargelstadt die Landesgartenschau statt.

Knuth ist diplomierter Optiker

Vor dem Hintergrund der guten Entwicklung verwundert es, dass kein anderer Kandidat Lust hat, vom Rathauschefsessel aus zu gestalten. Knuth, so heißt es aus der Politik und aus der Wirtschaft, mache seinen Job gut. So gut, dass sich kein anderer berufen fühlt?

Der diplomierte Optiker kommt selbst aus der Wirtschaft. An der Ostseeküste bei Stralsund geboren, zog er Anfang der 80er-Jahre nach Potsdam und eröffnete zur Wende in Beelitz einen Optikerladen. Zwanzig Jahre später löste er den ehemaligen SPD–Rathauschef Thomas Wardin ab. Damals stellten sich immerhin vier Kandidaten zur Wahl.

Auch nach dem Wechsel in die Verwaltung blieb Knuth, der dem Bürgerbündnis Beelitz angehört und keiner Partei, im Geiste Selbständiger. Die Stadt, so sagt er, sei ein bisschen so wie ein Unternehmen. Es gehe darum, ein Image zu erzeugen, sich nach außen hin zu verkaufen. Und zwar so, „dass die Menschen, die hier leben, stolz sind auf ihre Stadt.“

Beelitz wird über die Region hinaus wahrgenommen

Knuth ist kein klassischer Bürgermeister. Auf dem Kopf trägt der Mann mit den weißblonden Haaren gerne eine Sonnenbrille – auch wenn die Sonne nicht scheint. Statt dunklem Anzug trägt er lieber helle Farben, um den Hals oft locker einen Schal geworfen. Er ist ein großer Ästhet, sagt zum Beispiel die Beelitzer Frischei-Chefin Sabine Kimmel. Er habe aus Beelitz etwas Ansehnliches gemacht. Unter anderem hat er wesentlich die Altstadtsanierung angetrieben. In der zweiten Amtszeit würde es verstärkt um die Ortsteile gehen, kündigte Knuth an.

Knuth fällt nicht nur durch sein Auftreten auf, sondern auch durch seine Ideen. Viele davon mag man als PR-Gag belächeln, wie zum Beispiel den Zusatz Spargelstadt, den er auf allen Ortseinfahrtsschildern hat anbringen lassen. Oder die Idee, in Beelitz Kultur-Festspiele zu organisieren, bei denen er selbst Intendant ist. Das mag überhöht wirken, verfehlt jedoch nicht seine Wirkung. Beelitz wird wahrgenommen, weit über die Region hinaus.

13 Millionen Euro für die Bundesgartenschau

Und in der Region selbst, da hört man von der Wirtschaft nur Gutes. Er achte auf die Belange der Betriebe, setze sich für sie ein, sagt der Juniorchef des Beelitzer Bauunternehmens Schielicke, Benjamin Schielicke. Gegen den früheren Bürgermeister hätte man den Firmenstandort in der Berliner Straße immer verteidigen müssen, bei Knuth fühle man sich gut aufgehoben. Zudem habe er die Stadt zum Schönen hin verändert. Auch Landwirt Jürgen Jakobs, der Stadtpolitiker ist und der gleichen Fraktion wie Knuth angehört, bestätigt, dass der Rathauschef stets Lösungen finden will. Knuth sei zudem sehr geschickt darin, Fördertöpfe auszunutzen.

Im dritten Anlauf hat es etwa mit der Ausrichtung der Landesgartenschau geklappt. Knuth ließ nicht locker. 12 bis 13 Millionen Euro will die Stadt für die Maßnahmen rund um das Spektakel investieren, 75 Prozent davon würden laut Knuth gefördert werden. Das erlaube der Stadt innerhalb kürzester Zeit große Sprünge. Die auch gestaltet werden wollen. Knuth denkt groß und will eines: Vorwärtskommen. Er will „eine Poleposition im Land Brandenburg einnehmen“.

Von den Grünen traut sich niemand den Wahlkampf zu

Wenn sich schon öffentlich keine Kritiker finden, so weiß Knuth doch, dass es hinter vorgehaltener Hand gerne heißt, dass er keinen roten Faden verfolge. Der Stadtverordneten Elke Seidel (Bündnis 90/Grüne), die in einer Fraktion mit Hartwig Frankenhäuser (FDP) und dem parteilosen Gerhard Thiele ist, fehlt eine umfassende Verwaltungsarbeit. Die Arbeit im Kleinen, also. Vorlagen aus dem Rathaus, die dem Stadtgremium das Für und Wider eines Vorhabens näher bringen würden, gebe es nicht. Man brauche das nicht, so würde es heißen.

Wo es kaum Kritiker gibt, gibt es wohl auch wenig zu diskutieren. Selbst Seidel findet lobende Worte für Knuth, er sei Kulturmensch und mache die Öffentlichkeitsarbeit sehr gut. Aus den Reihen der Grünen hätte sich leider keiner den Bürgermeisterwahlkampf zugetraut.

Ein kurzer Wahlzettel

Schade, denn Gegenkandidaten beleben den Wahlkampf. Und hätten den rund 10 400 wahlberechtigten Beelitzern die Möglichkeit gegeben, sich mehr mit der Politik in ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Auf dem Wahlzettel kann dieses Mal nur Ja oder Nein angekreuzt werden – ein Novum. Ein weiteres ist, dass auch Jugendliche ab 16 Jahren das Stadtoberhaupt wählen dürfen. Mindestens 1600 Beelitzer müssen am Sonntag für Knuth stimmen, um seine zweite Amtszeit zu sichern.

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