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  • 06.03.2018
  • von Kirsten Graulich

Authentisch und eigenwillig

von Kirsten Graulich

Weibliche Geschichte. 16 Frauen werden in der Ausstellung gewürdigt. F.: Manfred Thomas

Kleinmachnows Heimatverein widmet sich in einer neuen Ausstellung 16 starken Frauen der Gemeinde

Kleinmachnow - In Kleinmachnows Gemeindevertretung sind nur neun von 28 Mitgliedern Frauen. Auch im fünfköpfigen Vorstand des Heimatvereins der Gemeinde gibt es derzeit mit Schatzmeisterin Christl Strasser nur eine Frau. Wie Frauen trotzdem in der Gemeinde wirken, zeigt der Verein in einer Ausstellung, die am Freitag im Rathaus eröffnet wurde.

Die Ausstellung mit dem Titel „Kleinmachnower Frauen im Spiegel der Zeit“ wurde aus Anlass des Internationalen Frauentages am Donnerstag, dem 8. März, erstellt. Dem Ehrentag wird seit 28 Jahren eine ganze Woche gewidmet. In diesem Jahr wird unter dem Motto „Selber Schuld“ dazu aufgerufen, sich gegen individualisierte Schuldzuweisungen zu wehren, die traditionelle Geschlechterrollen aufrechterhalten.

Dass da noch einiges aufzuarbeiten ist, wurde schon vorab in den Reden zur Eröffnung deutlich. Frauen, so hieß es da, seien besonders engagiert im Sozialen, „weil Frauen das liegt“. Solche Stereotypen, die vermitteln, Frauen seien eher gefühlsbetont als Männer, kommen leider oft auch von Frauen. Doch bei den dazu als Beispiele Genannten wie der Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin Lily Braun, der Sozialarbeiterin Margarete Sommer, Gemeindevertreterin Victoria Brammer und der ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Gemeindevertreterin Cornelia Behm (Grüne) greift das zu kurz. Gerade Letztere gehörte zu den Wenigen, die den Widerstand gegen den Schleusenausbau nicht aufgaben, als andere Aktivisten bereits mutlos abwinkten. Sie engagierte sich auch beim Neubau des Gemeindezentrums der evangelischen Kirche im alten Dorfkern. Als Grünen-Mandatsträgerin aus Brandenburg saß sie zudem drei Legislaturperioden lang im Bundestag und gehörte zu den lautesten Stimmen grüner Umweltpolitik.

Die katholische Laiendominikanerin Margarete Sommer, die von 1934 bis 1950 in der Kleinmachnower Hakenheide 166 wohnte, bewahrte jüdische Bürger vor der Deportation und wurde 2003 postum mit dem Titel Gerechte unter den Völkern geehrt.

Victoria Brammer, die sich selbstironisch „Bürgerlobbyistin“ nennt, zog 1990 nach Kleinmachnow und gründete den Verein Checkpoint Bravo zum Erhalt des ehemaligen Grenzturmes in Dreilinden, der nun Begegnungs- und Erinnerungsstätte ist. Ohne Vorbehalte arbeitete sie dabei mit ehemaligen Grenzoffizieren zusammen. Doch mit ihrer Meinung hielt sie auch nicht hinterm Berg, trat aus der CDU aus und verließ ebenso die von ihr mitgegründete Wählergruppe PRO Kleinmachnow. Heute sitzt sie als unabhängige Vertreterin im Ortsparlament, in ihren Kiosk lädt sie regelmäßig zu Jazzveranstaltungen.

Frischen Wind mochte auch die Publizistin und Sozialdemokratin Lily Braun, die 1909 nach Kleinmachnow zog. Schon früh lehnte sie sich gegen die Konventionen ihrer Zeit auf und setzte sich für die Vereinbarkeit von Mutterdasein und Berufstätigkeit ein. Solche Biografien lassen sich nicht allein auf das Soziale reduzieren, das Aufopfern als ureigenste Aufgabe von Frauen meint. Vielmehr ist es das rebellische Selbstbewusstsein, das ins Auge fällt.

Auch bei den vorgestellten Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Journalistinnen wird deutlich, dass Zuordnungen nicht funktionieren, zu individuell sind diese Frauen. Da ist Eva Maria Lange. Pitti-Platsch und andere Figuren stammen von ihr. Sie gestaltete auch die Plastik einer Lesenden mit Kind auf dem Rathausmarkt, ebenso die „Zille-Gören“ auf dem Stahnsdorfer Dorfanger. Die Schriftstellerin Christa Wolf zog 1962 in den Ort und schrieb „Nachdenken über Christa T.“. Zusammen mit ihrem Mann Gerhard Wolf verfasste sie das Buch „Till Eulenspiegel“. Maxie Wander, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Wolfs wohnte, wurde von ihr zum Schreiben ermuntert. Christa Wolf schrieb auch das Vorwort zu Maxie Wanders „Guten Morgen, du Schöne“. Authentisch und eigenwillig, mit dem Mut zur Veränderung: Das kennzeichnet diese Frauen, von denen 16 in der Ausstellung vorgestellt werden. Kirsten Graulich

Die Ausstellung im Kleinmachnower Rathaus ist noch bis zum 26. April zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Am 21. März ab 18.30 Uhr gibt es im Rathaussaal eine Diskussion zur Teilhabe von Frauen, unter anderem mit Cornelia Behm und Victoria Brammer. Moderiert wird sie von der PNN-Autorin Solveig Schuster

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