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  • 06.03.2018
  • von Eva Schmid

Tourismus in Potsdam-Mittelmark: Die Havel zieht

von Eva Schmid

Lockt Touristen. Werder ist besonders durch seine Wassernähe attraktiv Foto: Enrico Bellin

Die Blütenstadt Werder ist bei Touristen so beliebt wie nie zuvor - nicht nur wegen des Wassers, sondern auch wegen der gut ausgebauten Radwege

Werder (Havel) - Viel Wasser, gute Radwege, leckeres Essen: Die Stadt Werder (Havel) zählt zu den zehn beliebtesten Reisezielen in Brandenburg. Zumindest wenn man die Entwicklung der Übernachtungszahlen betrachtet. Demnach sind von 2016 auf 2017 die Zahlen um rund acht Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Im gesamten Land Brandenburg lag der Zuwachs bei lediglich 1,6 Prozent. Selbst Potsdam kam trotz des Barberini-Effekts im Vergleichszeitraum nur auf eine Steigerung von rund 2,8 Prozent.

Aber was macht Werder so anziehend? Die Antworten aus der Hotelbranche sind ähnlich. „Es gibt immer mehr Besucher, die das Land für sich entdecken“, so der Chef des Hotels Rittmeister im Ortsteil Kemnitz, Christian Fox. Viele seiner Gäste würden mit Fahrrädern kommen und das gut ausgebaute Streckennetz zu schätzen wissen. So sind der Havelradweg und der Obstpanoramaweg nur wenige Kilometer entfernt und gut beschildert. Immer mehr kommen laut Fox auch E-Bike-Fahrer. Auch das Marketing des Landes zeige seine Wirkung: „Brandenburg verkauft sich besser.“ In das Rittmeister mit seinen 35 Zimmer kommen auch viele Gäste nur zum Essen. Der Küchenchef ist Mitglied in der deutschen Köche-Nationalmannschaft, auch das sei ein Aushängeschild für die Firma.

Rund 278 000 Übernachtungen jährlich

Von der Werderaner Insel wird Ähnliches berichtet: Hier würden die Gäste, darunter auch viele Berliner Tagesgäste, die familiäre Atmosphäre im Hotel Zur Insel schätzen. Selbst Geschäftsreisende übernachten regelmäßig in dem 51 Zimmer großen Hotel, so die Juniorchefin Cindy Bachmann. Auch bei ihr würden viele radelnde Gäste Station machen. Die Übernachtungszahlen würden von Jahr zu Jahr steigen – eine Entwicklung, die auch der Rittmeisterchef bestätigt. Während der Saison komme man im Hotel auf der Werderaner Insel schon an seine Grenzen, so Bachmann. Im Sommer sei ihr Betrieb oft ausgebucht.

Der Zuwachs in Werder auf aktuell rund 278 000 Übernachtungen jährlich ist für die Landesmarketingorganisation selbsterklärend: „Der Havelradweg boomt, Wassertourismus ist ein Riesenthema und rund um Werder gibt es viele regionale Produkte“, so die Sprecherin der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB), Birgit Kunkel. Die Kulturlandschaft am Wasser, das sei gefragt und damit werbe das Land unter anderem auch verstärkt auf der am morgigen Mittwoch startenden Tourismusmesse ITB in Berlin (siehe Kasten).

Individualurlaub als Trend

Besonders förderlich für Werder und Schwielowsee sei es, dass sie im Netzwerk der Potsdamer und Brandenburger Havelseen dabei seien. Die Initiative zur Förderung des Wassertourismus stellt auf ihrer Webseite allerlei Angebote rund um den Urlaub am, auf und im Wasser bereit. Zudem fördert das Netzwerk den Ausbau der für den Wassertourismus nötigen Infrastruktur.

Ein neuer Trend, den TMB-Sprecherin Kunkel ausmacht, ist Individualurlaub in ansprechenden Ferienhäusern und -wohnungen. Ausschlaggebend für die Gäste seien dabei Besonderheiten, wie zum Beispiel eine moderne Einrichtung, ein Haus oder eine Wohnung mit historischem Ambiente oder eine Unterkunft, die sich architektonisch von anderen abhebt. Einige sehr besondere Exemplare seien unter anderem in Caputh sowie in weiteren Ortsteilen Schwielowsees zu finden.

Auch Teltow und Kleinmachnow locken

Mit Blick auf die Übernachtungszahlen in der Gemeinde Schwielowsee, die in den vergangenen Jahren leicht zurückgingen, spricht Kunkel vom grauen Markt. In die Statistik des Landesamtes Berlin- Brandenburg, das die Zahlen jährlich erhebt, würden nur Unterkünfte ab zehn Betten hineingerechnet werden. Gerade in Orten wie Caputh werden so Übernachtungen unterschlagen – das Statistikamt geht für Schwielowsee im vergangenen Jahr von etwa 82 000 Übernachtungen aus, die Kurbeitragsstatistik kommt hingegen auf rund 97 000 Übernachtungen.

Nicht nur die Havel lockt Touristen, auch die Waldgemeinde Kleinmachnow – günstig an der Autobahn gelegen – und das benachbarte Teltow mit seinem Kanal verzeichnen steigende Gästezahlen. Die Nähe zu Berlin bringt den zwei Kommunen am Rande der Großstadt vor allem auch viele Geschäftsreisende. So kam Teltow im vergangenen Jahr auf rund 163 000 und Kleinmachnow auf 148 000 Übernachtungen.

Im Schnitt blieben die Gäste in Teltow etwa drei Tage, in Kleinmachnow rund zwei Tage. In Potsdam und in Schwielowsee sind es immerhin schon zweieinhalb Tage, die die meisten Touristen dort verbringen. Werder sticht mit durchschnittlich rund dreieinhalb Tagen auch in dieser Kategorie hervor. Es gibt wohl einfach viel zu entdecken rund um die Havelstadt.

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Hintergrund: Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin

Am morgigen Mittwoch eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den Funkhallen unterm Messeturm die Internationale Tourismus-Börse. Auf der Leitmesse der Reisebranche werden bis zum 11. März bis zu 10 000 Aussteller ihre Angebote vorstellen. Über 180 Länder werden auf der Messe präsentiert werden. Brandenburg wird sich gemeinsam mit Berlin einen Messestand teilen. In diesem Jahr geht es rund um das Thema Wasser. Die zwei Länder wollen für sich als Deutschlands größtes vernetztes Wasserrevier werben. Der Wassertourismus hat für Brandenburg eine herausragende Bedeutung. 39 Prozent der Brandenburg-Urlauber geben laut der TourismusMarketing Brandenburg GmbH an, dass die Aktivitäten an und auf dem Wasser bei ihrem Urlaub die größte Rolle gespielt haben. Auch mit dem in 2019 bevorstehenden Fontanejahr wird auf der Messe geworben. Die Messe ist für Privatbesucher am 10. und 11 März von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwischen 12 und 15 Euro. Kinder unter 14 Jahren zahlen nichts. 

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