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Werder

  • 01.03.2018
  • von Eva Schmid

Falschparker in Werder: Kein Durchkommen für die Feuerwehr

von Eva Schmid

Engpässe. Autofahrer denken beim Parken selten an die nötige Durchfahrtbreite für Rettungsfahrzeuge. Die Stadt Werder will nun im Interesse aller Bürger konsequent gegen Falschparker vorgehen. Foto: Andreas Klaer

Die Feuerwehr in Werder kommt aufgrund von Falschparkern nicht schnell genug an den Einsatzort.

Werder (Havel) - Es sind Minuten, die über Leben oder Tod entscheiden: Falschparker, enge Straßen und Baugerüste, die in den Straßenraum hineinragen, versperren derzeit der Werderaner Feuerwehr den Weg. Das hat eine Probefahrt ergeben, die die Feuerwehr zusammen mit dem Ordnungsamt vergangene Woche durchgeführt hat.

Das Ergebnis ist für die Rettungskräfte katastrophal: An vielen Stellen im Stadtgebiet sei man mit dem Drehleiterfahrzeug nur noch im Schritttempo vorangekommen, so Werders stellvertretender Stadtwehrführer Stephan Kranig. Oft musste der Beifahrer aussteigen und per Winkzeichen beim Rangieren helfen. Wenn es auf der Straße kein Durchkommen mehr gab, musste der etwa elf Meter lange und zweieinhalb Meter breite Rettungswagen mühsam über den Gehweg manövriert werden. „Nicht nur ein paar Sekunden, sondern wertvolle Minuten sind dabei verloren gegangen“, so Kranig. Zeit, die im Ernstfall womöglich gefehlt hätte, um Menschen zu retten.

Besonders eng sei es laut Kranig in der Altstadt auf der Werderaner Insel sowie in den Wohngebieten Wachtelwinkel, Wachtelberg, auf der Jugendhöhe sowie im Erdebergweg gewesen. Aber auch andernorts im Stadtgebiet sah es schlecht aus: „Es gab leider nicht ein einziges Quartier ohne erhebliche Probleme für unser Drehleiterfahrzeug.“

Kontrollfahrt der Werderaner Feuerwehr zeigt: Falschparker sind ein großes Problem für die Einsatzkräfte

Das Problem sind vor allem Falschparker: auf der Kontrollfahrt, die die Werderaner Feuerwehr alle paar Jahre präventiv durchführt, seien parkende Autos in Halte- und Parkverbotszonen oder auf Kreuzungen gesehen worden. So manche enge Straße sei völlig zugeparkt gewesen. Dabei müsste laut Straßenverkehrsrecht eine Durchfahrtbreite von 3,05 Meter eingehalten werden. „In einschlägigen Urteilen wurde zur höchstzulässigen Breite von Fahrzeugen von 2,55 Metern noch ein Meter zum Rangieren dazuaddiert“, erklärt Werders Erster Beigeordneter Christian Große (CDU).

Doch welcher Autofahrer denkt beim Parken an die nötige Durchfahrtbreite für Rettungsfahrzeuge? „Jeder sollte sich bewusst machen, dass er selbst einmal Hilfe von der Feuerwehr benötigen könnte“, so Großes Appell an die Autofahrer.

Da Ermahnungen jedoch wenig bringen, will die Stadtverwaltung nun konsequenter gegen Falschparker vorgehen. Die Kontrollen des Ordnungsamtes würden in den betreffenden Bereichen ab sofort verstärkt werden, kündigte der Vizebürgermeister an. „Es werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Zwar drohen Falschparkern lediglich Bußgelder in Höhe von 15 bis 25 Euro, jedoch „kann das Ordnungsamt nicht ausschließen, dass bei besonders renitenten Parksündern auch der Abschleppdienst gerufen wird“, betonte Große.

Auch die Fahrbahnverengungen, die von Anwohnern aufgestellt werden, sind der Stadt ein Dorn im Auge

Ein Dorn im Auge der Stadt sind auch Fahrbahnverengungen in Form von Pollern oder Ähnlichem, die von Anwohnern selbstständig aufgestellt wurden. So etwa im Oppenheimer Ring. Auch dagegen will die Stadt verstärkt vorgehen. Eine weitere Maßnahme: Durch das Aufstellen zusätzlicher Verkehrsschilder soll der Feuerwehr zu freier Fahrt verholfen werden.

Wie berichtet mussten die freiwilligen Feuerwehren der Stadt im vergangenen Jahr mit 456 Einsätzen fast doppelt so oft ausrücken wie im Jahr 2016. Besonders das Sturmtief Xavier Anfang Oktober hielt die 154 Rettungskräfte auf Trab: Laut Stadtwehrführer Kranig seien an drei Tagen 140 Einsätze zusammengekommen. Auch die beiden Unwetter im Juni vergangenen Jahres mit Sturm und Starkregen sowie der Starkregen im August schlugen sich in den Einsatzzahlen nieder. So summierten sich allein die naturbedingten Einsätze im vergangenen Jahr auf 204.

Knapp 40 Mal sind die Werderaner im vergangenen Jahr zu Autobahneinsätzen ausgerückt. Häufig mussten nach Zusammenstößen eingeklemmte Personen aus ihren Fahrzeugen befreit werden. Daneben gab es eine Reihe von Brandeinsätzen: Im Februar explodierte eine Gaskartusche eines Campingkochers in einem Lkw auf dem Autohof Neu Plötzin, im April brannte ein Haus in der Brandenburger Straße, im Mai ein Auto in der Adolf-Damaschke- Straße, im Juni ein Keller in der Kemnitzer Chaussee und im August ein Dachstuhl in der Bergstraße. Im November schließlich gab es zwei Verletzte, als in einem Musterhaus in den Havelauen ein Ofen explodierte. Die Feuerwehr konnte in allen Fällen gerade noch rechtzeitig ein Ausbreiten der Flammen verhindern und Menschenleben retten.

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