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Teltow

  • 10.02.2018
  • von Eva Schmid

Schwimmbad für Teltow: „Es muss finanzierbar sein“

von Eva Schmid

Markus Schmidt auf der winterlichen Baustelle im Freibad Kiebnitzberge. Foto: Andreas Klaer

Das neue Schwimmbad für die Region Teltow könnte bis zu neun Millionen Euro kosten. Bad-Chef Schmidt über den Stand der Pläne

Herr Schmidt, Sie sind mit der Konzeption des neuen Schwimmbads in der Region Teltow beauftragt worden. Wie ist der Stand der Planung?

Wir prüfen welche der vorgegebenen sechs Standorte – einer in Stahnsdorf, fünf in Teltow – in Frage kommen könnte und wie das Ganze aussehen muss, soll, kann. Dabei geht es auch um die Frage nach einem 50 oder einem 25-Meter-Becken, einem Nichtschwimmerbecken oder einem Nichtschwimmerbereich mit Planschbecken. Eigentlich haben wir uns schon gegen eine Sauna ausgesprochen. Wir wägen die Kosten ab. Eine weitere Überlegung gilt dem Vereinssport. Wir haben hier ja nicht die großen Vereine, die auf Wasserflächen pochen.

Und was empfehlen Sie?

Ich würde eine 25-Meter-Halle mit einem Hubboden empfehlen, so kann man unterschiedliche Wassertiefen herstellen und einen doppelten Sprungbereich auf beiden Seiten bieten. Sechs bis acht Bahnen sollten es sein, um Platz für den Schulsport und privaten Schwimmunterricht zu haben.

Welchen Standort favorisieren Sie?

Ich habe drei bis vier im Auge, die zentral in Teltow gelegen sind.

Zum Beispiel in der Potsdamer Straße gegenüber dem Oberstufenzentrum?

Ja, aber ich finde auch die Flächen am Kanal (Anm. der Red.: neben der Marina und im Gewerbegebiet Techno-Terrain) interessant. Gerade am Kanal muss man aber mit Blick auf das Marinaprojekt schauen, wie sehr der Boden belastet ist. Wenn wir eine Schwimmhalle bauen, wollen wir das Geld nicht in die Bodensanierung stecken.

Wie teuer könnte die Halle werden?

Ich will zwei Versionen vorstellen, eine Minimalversion mit 25-Meter-Becken und vier bis sechs Bahnen. Und eine gehobenere Version mit sechs bis acht Bahnen, einem Hubboden, einer Sprunganlage. Mit sieben bis neun Millionen Euro muss man schon rechnen.

Sie haben kürzlich ein Schwimmbad in Schönefeld besucht. Welche Bäder dienen Ihnen als Vorbild?

Wir müssen uns Hallen anschauen, die dem entsprechen, was wir umsetzen wollen. Das blu in Potsdam ist nicht unser Anspruch. Auch Luckenwalde und Ludwigsfelde sind für uns keine Alternative. Die Schwimmbäder im Hüttenweg in Berlin und in Marienfelde könnten schon eher interessant sein. Und eben auch das in Schönefeld. Dort haben sie versucht, die Betriebskosten mittels Photovoltaik, Solarthermie und Blockheizkraftwerk zu senken. Grundsätzlich gilt: So eine Schwimmhalle zu realisieren geht nur, wenn alle drei Kommunen mitspielen.

Soll heißen wenn alle zahlen?

Ja. Offen ist auch noch, wer welche Anteile übernehmen soll. Beim Freibad Kiebitzberge hat Kleinmachnow 49,8, Teltow 30,2 und Stahnsdorf 20 Prozent. Das wird sich für die Schwimmhalle ändern, wenn das Grundstück in Teltow liegt.

Der Wunsch kam ja auch aus Teltow …

Genau, die Schwimmhalle steht im Bürgerhaushalt ganz oben, in Stahnsdorf wünschen sie sie sich auch. Jeder Bürger muss aber auch wissen, das kostet Geld. Momentan geht es den Kommunen und der Stadt gut, aber ich weiß nicht, was in fünf bis zehn Jahren ist.

Wie viel müsste denn pro Jahr zugezahlt werden?

Mit Blick auf Bäder in der Region und deren unterschiedliche Ausstattungen muss man mit einer Zuschussfinanzierung von 400 000 bis 900 000 Euro rechnen.

Soll die Halle ganzjährig geöffnet sein?

Das ist eine gute Frage – unsere Überlegungen sind dahingehend noch nicht ausgereift.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

Wir können die Größe von Schönefeld annehmen. Die haben eine Jahresbesucherzahl von rund 120 000 Gästen, was im Schnitt 500 bis 600 Gäste am Tag sind.

Beim Bau orientieren Sie sich an Potsdam, also alles aus kommunaler Hand, oder an Werder (Havel)?

Werder ist ein Beispiel dafür, dass es eben auch nach hinten losgehen kann. Da haben wir eine Bauruine stehen, in die eine Menge Geld fließt. Wer dort versucht, etwas neu zu machen, fängt fast bei Null an. Meine Empfehlung als Geschäftsführer der Kiebitzberge ist die, das wir versuchen, das Projekt in der Gesellschaft anzubinden. Es ist eine Art der Daseinsvorsorge, die sollte auch in kommunaler Hand bleiben.

Wann müssen Sie Ergebnisse vorlegen?

Bis Juni haben wir Zeit, eine Vorlage vorzubereiten, die noch nicht entscheidungsreif ist. Sie soll vielmehr zeigen, wo die Reise hingeht. Was wir bauen könnten, was die Intention sein könnte.

Was glauben Sie: Kommt die Schwimmhalle in Teltow oder Stahnsdorf, oder kommt sie nicht?

Ich könnte es mir persönlich gut vorstellen. Unabhängig davon, ob sie kommt oder nicht, sind letztlich alle in der Region dafür sensibilisiert worden, alle daran mitbeteiligt. Über allem steht der Grundsatz, dass es finanzierbar sein muss.

Sie sind parallel mit der Sanierung des Freibads beschäftigt. Was wird bis zum 1. Juni, dem Start der Freibadsaison, neu sein?

Was man sofort sehen wird sind unsere neuen zwei Becken aus Edelstahl. Es gibt neue Startblöcke, eine neue Sprunganlage. Das Schwimmmeisterhaus wird neu gemacht. Was die Besucher nicht sehen: Die komplette Technik aus den 70er Jahren wurde ausgetauscht und ist jetzt auf dem neuesten Stand. So wie es gerade aussieht, wird alles rechtzeitig fertig werden.

Das Gespräch führte Eva Schmid

Markus Schmidt, (44 Jahre) ist seit 2013 Geschäftsführer der Freibad Kiebitzberge GmbH, an der Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf mit unterschiedlichen Anteilen beteiligt sind. Der aus Kleinmachnow stammende Schmidt hat bereits als kleiner Junge seine Sommer im Freibad Kiebitzberge verbracht. Das Bad wurde im Mai 1976 eröffnet und nach 40 Jahren nun komplett saniert. Saisonstart feiert Schmidt am 1. Juni, bis dahin sucht er übrigens noch Rettungsschwimmer.

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