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Beelitz

  • 08.02.2018
  • von von Julia Frese

Gruselfilm über Heilstätten in Beelitz: Horror in den Heilstätten: Jugendliche auf Geisterjagd

von von Julia Frese

Geisterjäger mit Wärmebildkamera. Charly (Emilio Sakraya), Finn (Timmi Trinks), Emma (Lisa-Marie Koroll) und Theo (Tim Oliver Schultz) wollen den Grusel der Heilstätten mit ihren Fans auf YouTube teilen.Fotos: 20th Century Fox

Der Regisseur und die Darsteller des Horrorfilms „Heilstätten“ sprechen über Beelitz und die kuriosen Auswüchse des YouTuber-Daseins.

Beelitz - Theo, Charly, Betty, Finn, Marnie, Chris und Emma sind die Stars ihrer Generation. Täglich erreichen sie hunderttausende Altersgenossen mit ihren YouTube-Videos. Um für ihre Fangemeinde interessant zu bleiben, haben sich die sieben Jugendlichen für ihre nächsten Videos etwas Besonderes ausgedacht: Mit Nachtsicht- und Wärmebildkameras im Gepäck fahren sie in eine ehemalige Tuberkulose-Heilstätte nahe ihrer Heimatstadt Berlin, um auf Geistersuche zu gehen. Ähnlich wie im bekannten Horrorfilm „Blair Witch Project“, der dem Produktionsteam als Vorbild diente, verwandelt sich die Mutprobe für die sieben YouTuber allerdings schnell in einen Alptraum. Eine Vorab-Version des Films zeigte die Produktionsfirma 20th Century Fox bereits am gestrigen Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Anschließend gaben der Regisseur und einige Darsteller Interviews. Der fertige Film wird ab dem 22. Februar im Kino zu sehen sein.

Nach Angaben des Produktionsteams haben sich die Filmproduzenten gegen Beelitz als Drehort entschieden. Besitzer der Beelitzer Heilstätten sagten den PNN hingegen, sie hätten die Drehgenehmigung verweigert. Doch ganz unabhängig von der Frage, wer abgesagt hat: Im Film wird schnell deutlich, dass die Ereignisse eigentlich in den Heilstätten spielen sollen. Um den Grusel zu steigern, fangen die Jugendlichen nach ihrer Ankunft in der Klinikruine an, aufzuzählen, was für abscheuliche Vorfälle es dort schon gegeben hat: Obdachlose hätten Suizid begangen, ein Fotograf bei Sadomaso-Spielen sein Modell getötet und der Serienmörder „Bestie von Beelitz“ eine junge Mutter erwürgt und ihr Baby an einem Baum erschlagen – alles Vorfälle, die tatsächlich in den Beelitz-Heilstätten passiert sind. Warum sich das Team trotzdem gegen Beelitz als Drehort entschied, erklärte Regisseur Michael David Pate gestern so: „Wir haben diverse Heilstätten besichtigt und ich fand Beelitz als Setting nicht optimal, weil es nicht in sich geschlossen ist.“

„Keine bestimmte Heilstätte, sondern nur eine Heilstätte bei Berlin“

Wegen der Hauptstraße, die durch das Gelände führe, sowie mehrerer Häuser und Restaurants in der Nähe wäre der Eindruck völliger Abgeschiedenheit in Beelitz deutlich schwieriger zu erzeugen gewesen als in Grabowsee, so der Regisseur. „Die Heilstätte dort liegt wirklich mitten im Wald – diese Ausweglosigkeit ist viel schöner, als wenn man ständig drauf achten muss, dass am Bildrand keine Telefonzelle zu sehen ist.“ Man habe sich darum schließlich entschieden, dass es im Film offiziell um „keine bestimmte Heilstätte, sondern nur eine Heilstätte bei Berlin“ gehe. Die historischen Bezüge zu Beelitz habe er aber beibehalten wollen, sagt Pate: „Ich denke, es ist einfach ein schöner Nebeneffekt, wenn die Leute googeln und sehen: Das ist ja tatsächlich passiert.“

Die sieben YouTuber, die sich im Laufe des Films immer sehnlicher wünschen, sie wären zu Hause geblieben, werden von jungen, noch wenig bekannten Schauspielern verkörpert. In der Rolle des draufgängerischen YouTubers Finn ist etwa Timmi Trinks zu sehen, der zuletzt unter anderem in den Fernsehproduktionen „Kreuzfahrt ins Glück – Hochzeitsreise nach Sardinien“ und „Der Lehrer“ mitgespielt hat. In Beelitz sei er noch nie gewesen, habe aber davon gehört, dass Denkmalschützer und Stadt nach Erscheinen des Films einen neuen Ansturm von Grusel-Touristen fürchten, sagt der gebürtige Berliner. „Wir haben den Film nicht mit der Intention produziert, irgendwelche Leute da hinzulocken und wir distanzieren uns auch klar davon.“ Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, habe er täglich mehrere Stunden Videos von bekannten YouTubern gucken müssen, sagt Trinks. Er selbst habe zuvor nicht viel mit dem Thema zu tun gehabt.

Horrorfilm "Heilstätten": YouTube-Star mischt mit

Zum Cast gehörte indes auch ein echter YouTube-Star: der Schleswig-Holsteiner Torge Oelrich, besser bekannt als „Freshtorge“. Der 29-Jährige produziert seit elf Jahren YouTube-Videos und lebt mittlerweile von den dadurch generierten Werbeeinnahmen. „Ich verdiene mehr als in meinem erlernten Beruf als Erzieher“, verrät Freshtorge, auch wenn er keine genauen Zahlen nennen will und darf. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er Comedy-Sketche und Parodien, die ihm im Alltag einfallen. In „Heilstätten“ hat er eine Nebenrolle, in der er in einer der Anfangsszenen für ein paar Minuten zu sehen ist. Auch in anderen Kinofilmen war Freshtorge in kleineren Rollen zu sehen.

Dass das YouTuber-Dasein im Film „Heilstätten“ kritisch beleuchtet wird, findet Freshtorge gut. Teilweise gebe es in seiner Branche gefährliche Auswüchse, nur um mehr Klicks und Follower zu erreichen, sagt der 29-Jährige. „Um einen amerikanischen YouTuber gab es vor Kurzem einen Riesenskandal, weil er bei einem Waldspaziergang eine echte Leiche gefunden und sie einfach für eins seiner Videos gefilmt hat.“ Für ihn selbst kämen solche Inhalte nicht in Frage, da er sich seit jeher auf den Bereich Comedy beschränke. Er kenne aber auch YouTuber, die sich auf Mutproben spezialisiert hätten. „Es gibt darunter einige, da denkt man, die würden alles für ein paar Klicks und Kommentare tun.“ Teilweise habe er das Gefühl, die YouTube-Welt „gerät aktuell ein bisschen außer Kontrolle“. Wie das enden kann, ist ab dem 22. Februar im Kino zu sehen.

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