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  • 06.02.2018
  • von Eva Schmid

Rasierklingen im Abo

von Eva Schmid

Auf die Klinge gesetzt. Geschäftsführer Ulli Papke ist seit drei Jahren bei Mornin’ Glory und von der Idee, morgens immer eine scharfe Klinge zum Rasieren zu haben, sehr überzeugt. Sein Unternehmen hat mittlerweile mehr als 90 000 Kunden und einen Jahresumsatz von bis zu drei Millionen Euro. Fotos: Andreas Klaer

Eine Kleinmachnower Firma will Männern den Morgen verschönern – mit Rasursets aus dem Briefkasten.

Kleinmachnow - Es kratzt, schmerzt, im schlimmsten Fall wird es blutig: Rasieren mit einer stumpfen Klinge – ein unangenehmes und häufiges Männerproblem. Ulli Papke nennt es den „last blade effect“ – das Reiten auf der letzten Klinge. Und die wird so lange benutzt, bis es nicht mehr geht. Nachschub zu besorgen, „das hat man, sobald man aus dem Badezimmer draußen ist, schnell wieder vergessen“, sagt der 40-jährige Geschäftsführer von Mornin’ Glory.

Papkes Geschäftspartner, der aus der italienischen Schweiz stammende Fabio Paltenghi, hat vor fünf Jahren die Firma Mornin’ Glory gegründet. Seit 2014 hat sie ihren Sitz im Europarc Dreilinden. Am Anfang stand eine simple Geschäftsidee: Das, was man gerne beim Supermarkteinkauf vergisst, soll nach Hause geliefert werden. Das Paket mit scharfen Rasierklingen schmeißt der Postbote in den Briefkasten. Der Morgen ist gerettet – keine Sorgen, keine Schmerzen.

Name mit einem Lächeln gewählt

Der Name Mornin’ Glory ist mit einem Lächeln gewählt: Während er wörtlich übersetzt in etwa „morgendlicher Ruhm“ heißt, wird der Ausdruck meist als Synonym für die morgendliche Erektion bei Männern genutzt – die den Firmengründern zufolge ja wie die Rasur zum Morgen gehört. Die Firma will eine Lücke schließen: „Auf dem Markt gibt es entweder nur ganz billige oder teure Produkte, wir liegen mit unseren Preisen dazwischen“, so der 40-jährige Papke. Er stieg vor drei Jahren in das Geschäft mit den Klingen ein. Während Einmal-Rasierer für wenige Euro zu haben sind, kosten die Klingen von Marken wie Gillette oder Wilkinson um die 20 Euro. Mornin’ Glory liegt mit sechs bis neun Euro deutlich darunter. Papke betont, dass seine Klingen gut sind, die Rasierer auf das Wesentliche reduziert. Auch muss die Firma, deren Kunden direkt über das Onlineportal bestellen, nicht über den Einzelhandel gehen. Und spart so auch noch mal am Preis.

Das Versprechen der Firma, den Morgen besser und einfacher zu gestalten, scheint zu funktionieren. Mittlerweile hat der Betrieb 15 Mitarbeiter und mehr als 90 000 Kunden. Der Jahresumsatz liegt bei zwei bis drei Millionen Euro.

Für Geschäfte hat Gründer Paltenghi einen Riecher, 17 Jahre lang arbeitete der heute 56-Jährige als Banker in New York, 2012 zog es ihn nach Berlin. Er fand einen Investor für sein Vorhaben, die Investitionsbank des Landes Brandenburg hat an den Erfolg des Unternehmens geglaubt und sich beteiligt. Es seien gerade die einfachen Lösungen, die junge Unternehmen vorwärts bringen würden, so Papke über die Geschäftsidee mit den Rasierklingen.

Zehn Prozent der Kunden sind Frauen

Zum Kundenstamm gehören mittlerweile rund zehn Prozent Frauen, „denen es egal ist, dass der Rasierer blau und nicht rosa ist“. Besonders Frauen müssten die Preise gut gefallen. Papke spricht von einer Pink Tax: Frauen müssen für das gleiche Produkt oft mehr bezahlen, ihre Rasierer sind teurer als die für Männer. Neben dem Preis will sich Mornin’ Glory auch in anderer Hinsicht gegenüber der Konkurrenz abgrenzen: Keine vibrierenden Rasierer, keine sechsfachen Rasierblätter, keine teure Werbung mit Fußballlegenden und wenig Plastikverpackung. Es geht auch einfach – Papke spricht vom Aufbau einer coolen Alternative. Tatsächlich werden die Rasierer und Klingen in Pappschachteln verschickt, das Design trifft den Geschmack des Großstadt-Hipsters zwischen 30 und 40 Jahren.

Und Mornin’ Glory ist bequem: Die verschiedenen Rasursets mit Preisen von neun Euro für das Starter-Set bis zum All-Inclusive-Set mit 47 Euro werden frei Haus in den Briefkasten geliefert. Wer Nachschub an scharfen Klingen braucht, zahlt zwischen sieben und zehn Euro. Wer ein Abo abschließt, bekommt regelmäßig scharfe Klingen geliefert. Mornin’ Glory liefert vorwiegend nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Die Bestellungen kommen aber aus ganz Europa.

In den USA gibt es ähnliche Geschäftsmodelle

Während in den USA das Geschäftsmodell der Kleinmachnower Firma seit Jahren besteht und Firmen wie Dollar Shave Club kräftige Gewinne verzeichnen, haben Marken wie Gillette in Europa noch immer eine starke Marktmacht, erzählt Papke. Ihr Anteil liege in Deutschland bei rund 60, in anderen Ländern bei 70 oder 80 Prozent, so der Geschäftsführer. „Das schreit doch nach einer Veränderung.“

Um Mann den Morgen noch weiter zu verschönern, bietet Mornin’ Glory zusätzlich allerlei Pflege an. Das reicht vom Pre-Shave-Öl über das klassische Rasiergel bis hin zur Anti-Rasurbrand- Creme. Ein Familienbetrieb nahe der italienischen Stadt Bologna liefere die Pflegeprodukte. „Mit natürlichen Inhaltsstoffen und reich an Vitamin E“, so Papke. Dem Vitamin wird nachgesagt, dass es hautstraffend wirkt und die Haut vor freien Radikalen schützt.

So viel Pflege am Morgen ist Mann doch eher selten gewöhnt. Damit das Ganze nicht zu sehr in die Beauty-Ecke abdriftet, erinnern die Gründer immer wieder mit kleinen Details an das Männliche. Mornin’ Glory sei eine Männermarke, da gehöre eine Ausgabe des Playboys auch schon mal im Rasurset dazu.

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