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Werder

  • 29.01.2018
  • von Eva Schmid

Werder (Havel): Warum das marode Bruchwasserwerk Glindower Obstbauern Hoffnung macht

von Eva Schmid

Schutzschicht. Werden Knospen und Blüten in kalten Nächten mit Wasser benetzt, so geben die Wassertropfen beim Gefrieren und Ausdehnen Wärme ab. Das schützt die Fruchtstände vor dem Erfrieren. Für solch eine Beregnung müssten das Wasserwerk und vor allem die Leitungen aber frostsicher sein. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die Ernte im vergangenen Jahr fiel bei den Obstbauern in Werder eher mager aus. Das sanierungsbedürftige Glindower Brauchwasserwerk könnte Obstbauern helfen.

Werder (Havel) - Die Fassade bröckelt, das Wasser steckt im Mauerwerk: Der Zustand des Glindower Brauchwasserwerks ist desolat. Zumindest die äußere Hülle. Das unscheinbare Gebäude hat für den Werderaner Obst- und Gemüseanbau eine große Bedeutung. Vom Glindower See wird Wasser über das Werk mit seinen Pumpen auf die Obstplantagen gebracht – seit 1937.

Das Werk ist in die Jahre gekommen. Schon lange mahnt der Glindower Ortschef Sigmar Wilhelm die Sanierung an. Seine Fraktion, die Freien Bürger, haben jetzt einen Antrag gestellt, um Gelder im Haushalt einzustellen. Wilhelm will nicht nur die Leistung des Pumpwerks erhalten, er will sie auch ausbauen. Wenn man schon Geld in die Hand nimmt, „dann könnte man auch perspektivisch das Thema Frostschutzberegnung angehen“. Wenn der Frost die Blüte zerstört, wie im vergangenen Jahr, könnte diese Option für die Werderaner Obstbauern durchaus attraktiv sein. Im Hamburger Alten Land oder am Bodensee jedenfalls würden die Anlagen durch das System geschützt werden.

„Wir könnten an den kritischen Standorten, wo die wichtigsten Kulturen stehen, anfangen“

Der etwas sperrige Begriff Frostschutzberegnung basiert auf einem einfachen physikalischen Prinzip. Um in kalten Frostnächten die ersten, zarten Blüten zu schützen, werden sie beregnet und somit komplett vereist. Wenn sich Wasser beim Frieren ausdehnt, gibt es Wärme ab – und die wiederum schützt die Blüte. Die Blüte muss so lange im Eismantel bleiben, bis der Frost am nächsten Morgen wieder abgetaut ist, dann übersteht sie die Kälte ohne größere Schäden. Und Kälteeinbrüche wie im April vergangenen Jahres haben wenig bis keine Auswirkung auf den Ernteertrag.

Das Brauchwasserwerk müsste dann allerdings schon im März statt erst Ende April in Betrieb genommen werden – in den kalten Monaten wird es abgestellt, auch um Rohrbrüche in den Leitungen zu vermeiden. Einen Versuch wäre es wert, sagt Wilhelm zu dem Projekt. „Wir könnten an den kritischen Standorten, wo die wichtigsten Kulturen stehen, anfangen.“ Wilhelm spricht von zehn bis 20 Hektar zu beregnender Fläche. „Und wir könnten uns erstmals auch nur auf eine Vorweg-Beregnung konzentrieren.“ Würden ganze Plantagen mit einer Sprühanlage vereist werden, müsste man viele neue Leitungen legen. Sinnvoller wäre es daher, erst mit der Bewässerung des Bodens anzufangen. Wilhelm, einstiger Vorsitzender der LPG Obst und Gemüse, erklärt: „Wenn die trockenen Böden feucht sind, dann wird darin auch Wärme besser gespeichert.“

Zustimmung für die partielle Frostschutzberegnung

Von Nutzen wäre der Frostschutz allemal: Im vergangenen Jahr gab es aufgrund der Kälte Ernteeinbußen zwischen 40 und 90 Prozent. „Ein Hotspot war unter anderem Werder“, so Andreas Jende, Chef des Gartenbauverband Berlin-Brandenburg. Um gegen die Kälte im Frühjahr anzugehen, sei das Beregnungssystem „arbeitstechnisch, ökologisch und aus energetischer Sicht“ die beste Wahl. Sonst gebe es nur eine Art mobile Heizpilze oder Parafin-Kerzen, die Wärme auf die Plantagen bringen soll. Ein teurer Aufwand. Jende unterstreicht, dass der Frostschutz immer wichtiger werde: „Es nützt nichts, 100 Hektar Obst zu haben, wenn man nicht in der Lage ist, sie zu schützen.“ Die Produzenten könnten heute nicht mehr die Augen davor verschließen.

Das sieht auch der Geschäftsführer des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins, Stefan Lindicke, ähnlich. Und findet die Idee mit der partiellen Frostschutzberegnung gut. Zumal in Werder noch kein Obstbauer darauf setzt – dem Vernehmen nach auch die Havelfrucht GmbH nicht, die die größten Plantagen in Werder besitzt. Doch Lindicke bezweifelt, dass das alte Rohrleitungssystem für kalte Temperaturen gefeit ist. Auch er glaubt, das vorerst nur der Schutz von vereinzelten Flächen infrage kommt, zu denen dann neue Leitungen gelegt werden würden.

Grünes Licht gibt es dafür vom Geschäftsführer der Brauchwasser Werder GmbH, Timo Wessels. „Das Pumpwerk wurde schon früher beheizt.“ Fraglich seien aber die Außenrohre, die auf die Plantagen auf der Glindower Platte führen. Wessels ist derzeit dabei, das Werk in Absprache mit der Stadt zu modernisieren. Entgegen kritischer Stimmen, die kein Vorankommen erkennen, sagt er gegenüber den PNN: „Wir haben in den vergangenen zwei bis drei Jahren die Pumpen auf einen Stand gebracht, dass sie ohne größere Ausfälle laufen.“ Für die restliche Sanierung sei er dabei, sich Angebot einzuholen. Einen Kostenrahmen konnte er noch nicht angeben. Wessels ist seit 2016 von der Stadt, der das Gebäude gehört, als Hauptgesellschafter ins Boot geholt werden.

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