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Michendorf

  • 15.01.2018
  • von Eva Schmid

Michendorf: A10: Durchbaggern bis in den Herbst

von Eva Schmid

Foto: A. Klaer

Es ist derzeit einer der gefährlichsten Autobahnabschnitte in Brandenburg: Doch in diesem Jahr soll der Verkehr auf der A10 wieder besser rollen. Was sonst noch auf der Großbaustelle ansteht - ein Überblick.

Michendorf - Es kracht fast täglich auf einer der größten Autobahnbaustellen im Osten Deutschlands. Die neun Kilometer lange Ausbaustrecke auf dem südlichen Berliner Ring zwischen den Autobahndreiecken Potsdam und Nuthetal ist für Auto- und Lastwagenfahrer gefährlich. Bis zu 100 000 Fahrzeuge rollen täglich über den Asphalt dort, der Anteil der Lastwagen liegt bei 20 Prozent. Es gilt Tempolimit 60, doch viele Fahrer halten sich nicht daran. Seit März 2016 wird die Autobahn A 10 von sechs auf acht Spuren verbreitert – seither herrscht nahezu Dauerstau. Erst in zwei Jahren soll die Strecke komplett fertig sein. Bereits in diesem Jahr wird es jedoch die ersten größeren Entlastungen geben. Die PNN geben einen Überblick, was 2018 auf der Großbaustelle passieren wird.

Was 2018 fertig wird

Die neun Kilometer lange Baustelle ist in drei Bauabschnitte unterteilt (siehe Grafik). Der nördliche Fahrstreifen vom Autobahndreieck Potsdam bis kurz nach der Anschlussstelle Ferch ist bereits fertiggestellt, der südliche soll bis Herbst 2018 ausgebaut sein. Dann soll auf fünf Kilometern der Verkehr wieder normal rollen – bisher ist dieser Abschnitt der mit den meisten Unfällen.

Zwischen dem Bahnhof Seddin und dem Dreieck Nuthetal (zweiter Abschnitt) soll es ab Herbst ebenfalls sicherer werden. Der Verkehr soll dann auf der fertiggestellten Nordbahn rollen. Das gilt bereits ab Frühjahr für den Bauabschnitt rund um die Eisenbahnüberführung nahe des Bahnhofs Seddin. Der Vorteil der neuen Fahrbahnen: Sie sind verkehrssicherer und leiser. Wie berichtet kommt beim Ausbau offenporiger Asphalt zum Einsatz, der die Reifenabrollgeräusche – die größte Lärmquelle auf Autobahnen – mindern soll. Auch die Gefahr durch Aquaplaning werde durch den neuen Straßenbelag geringer, das Wasser fließe dank der offenen Poren innerhalb der Fahrbahn ab.

Wo es möglich ist, werden die alten Lärmschutzwände noch stehen gelassen beziehungsweise parallel zum Straßenausbau durch neue ersetzt. Es gibt jedoch immer wieder Lücken – dort setzt die bundeseigene Deutsche Fernstraßenplanungs- und Entwicklungsgesellschaft (Deges) mobile Lärmschutzwände ein.

Wann gesperrt wird

Die Deges, die den Bau auf der A10 koordiniert, setzt auf nächtliche Sperrungen. Dabei werden jeweils Fahrbahnen umgeleitet oder neu markiert, um im nächsten Bauabschnitt arbeiten zu können. So soll der Berufsverkehr nicht noch stärker belastet werden. Zwar wurde vor den Arbeiten zugesichert, dass stets drei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung stehen. Während Markierungsarbeiten ist dies aber nicht möglich. Zudem sind die Fahrspuren in der Baustelle deutlich schmaler.

Die nächsten Sperrungen kündigt die Deges vom 22. Januar bis 10. Februar an. In der Zeit von 20 bis 5 Uhr stehen zwischen der Anschlussstelle und der Rastanlage Michendorf in Fahrtrichtung Autobahndreieck Potsdam jeweils nur zwei Fahrspuren zur Verfügung. Von den Sperrungen ausgenommen sind die Nächte an den Wochenenden. Zusätzlich wird der rechte Fahrstreifen in Fahrtrichtung Autobahndreieck Potsdam am 22. Januar auch zwischen 12 und 15 Uhr gesperrt.

Die Kreisstraße zwischen Ferch und Neuseddin wird an den Wochenenden 19. bis 22. und 26. bis 29. Januar aufgrund von Abrissarbeiten an der Autobahnbrücke im Bereich der Autobahnauffahrt Ferch voll gesperrt. Die Sperrungen beginnen jeweils am Freitag um 22 Uhr und enden am Montag um 5 Uhr. Während der Sperrung ist die Zufahrt zur Autobahn in Richtung Autobahndreieck Potsdam nur aus Richtung Ferch und in Fahrtrichtung Nuthetal nur aus Neuseddin kommend möglich.

Kosten- und Zeitplan

Der Bau soll wie berichtet ein halbes Jahr früher als geplant fertig werden. Derzeit spricht man vom Mai 2020. Die Baukosten werden auf rund 150 Millionen Euro veranschlagt. Der Bund hat weitere viereinhalb Millionen Euro bereitgestellt, damit der Bau schneller fertig wird. Ab spätestens Herbst 2019 sollen Autofahrer von den Arbeiten kaum noch etwas mitbekommen, da der Verkehr dann überwiegend auf acht Spuren rollen soll.

Ärger bei den Kommunen

In den ersten Monaten nach Baustart krachte es gewaltig zwischen der Deges und den Kommunen. Entgegen der Abmachung wurde die Fahrbahn von der Deges von drei auf zwei Spuren verengt. Durch die umliegenden Orte schob sich eine Blechlawine. Mittlerweile hat die Deges eingelenkt. Die Kommunikation habe sich verbessert, heißt es von der Deges. Die Verkehrsflüsse würden nun besser gelenkt, die Kommunen rechtzeitig über anstehende Sperrungen informiert. Auch an Autofahrer appelliere man regelmäßig, im Staufall nicht die Autobahn zu verlassen, so ein Deges-Sprecher. Der Appell fruchte. Es gebe nun weniger Beschwerden von den Kommunen. Bei großen Unfällen in der Baustelle, wie etwa am Freitag, als vier Lastwagen auf der A10 ineinander gefahren waren und es auf der A9 zu einem Folgeunfall kam, steht der Verkehr rund um Beelitz aber noch immer still. Grund dafür sind auch Arbeiten an der Landesstraße in Beelitz-Heilstätten, die zur Umleitungsstrecke gehört und an zwei Stellen nur eine Spur für beide Richtungen hat.

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