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  • 30.12.2017
  • von Enrico Bellin

Von Wahlgewinn bis Selbstjustiz

von Enrico Bellin

Bleibt im Amt. Thomas Schmidt hat die Wahl in Teltow gewonnen. Foto: Ronny Budweth

Welche Menschen die Mittelmärker in diesem Jahr bewegt haben

Die Neuen sind die Alten. Aus den Bürgermeisterwahlen in Teltow und Seddiner See sind jeweils die Amtsinhaber als Gewinner hervorgegangen. Der parteilose Axel Zinke konnte sich Ende September mit 53,2 Prozent der Stimmen schon im ersten Wahlgang gegen die Kandidatinnen Carina Simmes (Freie Wähler, 29,7 Prozent) und Nicole Witte (parteilos, 17,2 Prozent) durchsetzen. In Teltow hatte zwar auch Amtsinhaber Thomas Schmidt (SPD) im September die Mehrheit der Stimmen erhalten, jedoch lag sein Anteil mit 47,1 Prozent unter der Hälfte aller Stimmen. Er war gegen Hans-Peter Goetz (FDP, 12,2 Prozent), Eric Gallasch (CDU, 17,5 Prozent) und Andreas Wolf (BfB, 23,2 Prozent) angetreten. In der Stichwahl am 15. Oktober konnte sich Thomas Schmidt mit 60,8 Prozent aber klar gegen Andreas Wolf durchsetzen. Damit setzt sich ein Trend aus dem vergangenen Jahr fort: 2016 konnten auch die Amtsinhaber Bernd Albers (BfB) in Stahnsdorf sowie Michael Grubert (SPD) in Kleinmachnow gewinnen, ebenso wie Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Auch bei den Bürgermeisterwahlen 2018 haben die erneut antretenden Amtsinhaber Ute Hustig (Linke) in Nuthetal, Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) in Beelitz und Kerstin Hoppe (CDU) in Schwielowsee gute Chancen auf den Wahlgewinn.

Erneut schuldig gesprochen. Drei Jahre und neun Monate Haft lautete im Februar das Urteil gegen den Hotelier Axel Hilpert am Landgericht Frankfurt (Oder). Er soll beim Bau der Hotelanlage Resort Schwielowsee 2,6 Millionen Euro zu viel an Fördermitteln von der Investitionsbank des Landes Brandenburg erhalten haben. Hilpert legte allerdings Revision ein, sodass der Fall wieder vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landen wird. Dort war Hilpert schon einmal erfolgreich, nachdem er 2012 vom Landgericht Potsdam zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden war. Der BGH hatte das Urteil aber teilweise aufgehoben. Wann der BGH erneut zu Hilpert urteilt, ist noch nicht absehbar. Das Insolvenzverfahren um das Resort mit 115 Mitarbeitern soll jedoch zum Jahreswechsel beendet werden. Wie im Juli bekannt wurde, will ab 2018 das börsennotierte Unternehmen Primecity Investment mit Sitz im zyprischen Larnaka das Resort in Petzow übernehmen.

Beinahe auf der Straße. Aus ihrer Unterkunft in Teltow sollte im Mai die Flüchtlingsfamilie von Halima Farah ziehen, da das Heim geschlossen wurde. Die Kreisverwaltung wollte, dass die fünfköpfige somalische Familie nach Brück und damit gut 60 Kilometer vom bisherigen Kindergarten weg zieht. Auch nach der Räumung des Heimes in der Potsdamer Straße blieb die Familie mehrere Tage in den Räumen, obwohl zwischendurch der Strom abgeschaltet wurde. Der Landkreis – der vor der Schließung des Heimes versprochen hatte, die Bewohner auf nahe Unterkünfte zu verteilen und nicht aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen – hatte schließlich nach Lösungen gesucht. Im Juni konnte die Familie den Mietvertrag für eine Wohnung in Stahnsdorf unterschreiben. Die Herrichtung der Wohnung in Stahnsdorf wurde vom Landkreis gefördert.

Zum Brecheisen gegriffen. Aus Stahnsdorf stammt auch die wohl größte Posse des Jahres. Im März wurde ein BMW in der Kirchstraße abgestellt, der seither nicht mehr bewegt wurde. Da sich Landkreis und Gemeinde nach monatelangen Beschwerden noch immer nicht geeinigt hatten, wer für die Beseitigung des Autos zuständig ist, griff im September der FDP-Gemeindevertreter Christian Kümpel zum Brecheisen: Er schlug damit die Außenspiegel und einen Blinker kaputt, in der Hoffnung, dass der Kreis den Wagen dann als Müll ansieht und beseitigt. Tat er aber nicht. Im November hat die Gemeinde das Auto schließlich abgeschleppt. Enrico Bellin

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