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Kleinmachnow

  • 19.12.2017
  • von Solveig Schuster

Kleinmachnow: Unmut wegen geplanter Seniorenwohnungen

von Solveig Schuster

Foto: Oliver Berg/dpa

Kleinmachnow beschließt einen neuen Bebauungsplan für Förster-Funke-Allee. Barrierefreie Wohnungen sollen dort entstehen. Einige Anwohner sehen in dem B-Plan ein Risiko für den sozialen Frieden.

Kleinmachnow - In der Förster-Funke-Allee, fußläufig zum Zentrum Kleinmachnows, sollen neue barrierefreie Wohnungen entstehen. Die Gemeindevertreter stimmten in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich dafür, den Bebauungsplan entsprechend anzupassen – zum Unmut einiger Anwohner. Der B-Plan stelle ein „Risiko für den sozialen Frieden“ im Ort dar, meinen diese. Die Anwohner hatten von der Gemeinde zunächst Lösungen für die Verkehrsprobleme in der hoch frequentierten Straße gefordert. „Wir sind hellauf begeistert“, kommentierte daher Anwohner Tim Schroeder den nunmehr gefassten Beschluss mit deutlich ironischem Unterton.

Nach den Ausschuss-Sitzungen hatte es noch so ausgesehen, als würden sich die Anwohner durchsetzen. Der Bebauungsplan sollte auf Eis gelegt werden, bis die Gemeinde ihr allumfassendes Verkehrskonzept vorgelegt hat, an dem sie derzeit arbeitet (PNN berichteten). Vor der Abstimmung zum Bebauungsplan hatte sich dann jedoch der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Herbert Franke, noch einmal Gehör verschafft und für das Bauprojekt geworben. Der Bedarf an barrierefreien Wohnungen sei größer als das Angebot, weitere geeignete Flächen kaum vorhanden, argumentierte er. Zudem würde sich die Zahl der täglichen Fahrten in der Straße durch die neuen Bewohner kaum erhöhen, meint er.

„Die derzeitigen Pläne sind eine Katastrophe für das Viertel“

Die Förster-Funke-Allee zählt seit Jahren zu Kleinmachnows größten Problemzonen. Insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten morgens und am Nachmittag ist die Straße, die den Zehlendorfer Damm mit der Hohen Kiefer verbindet, zugestopft. Gerade vom Bioladen in der Förster-Funke-Allee, hinter dem die geplanten Wohnungen entstehen sollen, ist kaum ein Durchkommen auf die Verbindungsstraße. „Die derzeitigen Pläne sind eine Katastrophe für das Viertel“, erklärte Tim Schroeder, der sich unter anderem um die Kinder sorgt, die dort zur Schule gehen. Anstelle der barrierefreien Wohnungen, für die auch die Zuwegung noch gar nicht geklärt sei, könnten dort andere generationenübergreifende Projekte entstehen. Auch einen Abenteuerspielplatz oder Schulgarten für den naheliegenden Schulcampus könnte er sich vorstellen. Mit den Wohnungen bebaue die Gemeinde ihr letztes Stückchen Grün, ärgert er sich.

Nach Angaben der Gemeinde sind die Wohnbaupläne aber noch nicht endgültig konzipiert. Detailfragen, wie die der Größe der Bebauung, der angesprochenen Zuwegung oder auch der Müllentsorgung, würden noch mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft gewog geklärt, die das Grundstück kaufen und die Wohnungen bauen will, sagte Bürgermeister Michael Grubert (SPD).

„Da die Verkehrsprobleme angegangen werden, sahen wir keinen Grund mehr, die Baupläne abzulehnen“

Mit den Verkehrsproblemen in der täglich von etwa 8000 bis 9000 Autos befahrenen Straße beschäftigt sich die Gemeinde schon seit einigen Monaten. Zuletzt waren mehrere Varianten untersucht worden, um die Situation für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern. So war diskutiert worden, an den beiden wichtigsten Knotenpunkten – der Kreuzung Hohe Kiefer und am Rathausmarkt – weitere Mittelinseln und Haltepunkte für Linksabbieger zu schaffen, auch ein Kreisel an der Kreuzung Hohe Kiefer war im Gespräch (PNN berichteten). Einen Beschluss dazu gibt es aber noch nicht. „Wir werden darauf achten, dass das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Barbara Sahlmann.

Die Grünen hatten sich zunächst auch gegen die Wohnbaupläne an der Straße gerichtet, letztlich aber doch für den Bebauungsplan gestimmt. Die Gemeindevertreter waren zuvor einem Antrag der Grünen gefolgt, wonach Kleinmachnows Verkehrsentwicklungskonzept bis zum Ende nächsten Jahres überarbeitet und abschließend vorgelegt werden soll. „Da die Verkehrsprobleme angegangen werden, sahen wir keinen Grund mehr, die Baupläne abzulehnen“, sagte Sahlmann den PNN. Nach dem Antrag der Grünen ist Bürgermeister Grubert aufgefordert, bis zur nächsten Gemeindevertretersitzung einen konkreten Zeitplan für alle Einzelschritte auf dem Weg zum Gesamtkonzept zu erstellen.

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