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Teltow

  • 13.12.2017
  • von Solveig Schuster

Marina in Teltow: Ist Hochschule Bremen schuld an Teltows Problemen?

von Solveig Schuster

Foto: S. Gabsch

Das Institut für Wasserbau soll die Kostensteigerungen bei Teltows Marina mit zu verantworten haben. Teltow klagt und rudert zurück.

Teltow - Die Auseinandersetzung um Teltows Marina zieht immer größere Kreise: Mittlerweile beschäftigt Teltows Prestigeprojekt auch das Bremer Landgericht. Auf Druck der Stadtverordneten hatte die Stadt Teltow dort Klage eingereicht, um mögliche Schadensersatzansprüche gegen baubeteiligte Firmen durchzusetzen. An einem öffentlichen Schlagabtausch scheint Teltows Stadtspitze aber wenig interessiert. Wie ein Gerichtssprecher den PNN sagte, sei Teltow derzeit um eine gütliche Einigung außerhalb des Gerichtes bemüht.

Zudem bemerkenswert: Bei dem Beklagten handelt es sich um das renommierte Institut für Wasserbau der Hochschule Bremen, deren Leiterin Bärbel Koppe 2014 für ihre Entwicklungen im Hochwasserschutz mit dem Innovationspreis der Werner-Möbius-Stiftung ausgezeichnet worden war. Nun wird dem Institut vorgeworfen, für Teltows finanzielles Desaster in Sachen Marina mitverantwortlich zu sein. Bärbel Koppe ist seit 2012 Professorin für Wasserbau an der Hochschule Bremen und leitet zudem ein in Hamburg ansässiges Ingenieurbüro. Die Küsteningenieurin war von Beginn an in das Teltower Bauprojekt involviert. Das von ihr geleitete Bremer Hochschulinstitut war im September 2012 mit der wasserbaulichen Entwurfsplanung beauftragt worden, nachdem ihr Büro zuvor schon ein Grobkonzept als Grundlage für den Bebauungsplan erstellt hatte. In der Folge erhielt das Ingenieurbüro der Professorin weitere Aufträge. So wurde dem Büro der Zuschlag für Baugrunduntersuchungen in Kooperation mit der Kieler ITT Port Consult für die Objekt- und Tragwerksplanung des Hafens erteilt.

Beim geotechnischen Erkundungskonzept für die Marina in Teltow sollen unternehmen unsauber gearbeitet haben - zulaseten der Kommune

Bei der beim Landgericht Bremen anhängigen Klage geht es vornehmlich um einen Auftrag, den das Bremer Institut an einen Subunternehmer vergeben hatte. Dieser war im Rahmen der vom Institut erstellten Entwurfsplanung mit dem geotechnischen Erkundungskonzept beauftragt worden. Die Erkundungen, auf denen der spätere Bericht des Subunternehmers fußte, hatte wiederum ein Brandenburger Ingenieurbüro übernommen, das offenbar von Teltow beauftragt und bezahlt worden war.

Beide sollen fehlerhaft gearbeitet und die Bodenbelastung auf dem Areal des früheren Betonwerks nicht richtig eingeschätzt haben. Das soll sich aus dem Zwischenbericht des von den Stadtverordneten im Sommer 2016 mit der Analyse der Kostensteigerung betrauten Berliner Sachverständigen ergeben haben. Dieser räumte aber ein, dass die Betroffenen noch nicht dazu gehört worden waren. Institutsleiterin Bärbel Koppe erklärte gegenüber den PNN, sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern zu wollen.

Verspätete Informationen über die Kosten des Projekts

Teltow sah sich nicht zu einer kurzfristigen Antwort in der Lage. Indes verdichten sich die Anzeichen, dass die Projektverantwortlichen bereits bekannte Kosten zurückgehalten haben und so Beschlüsse zugunsten des Projekts befördert haben könnten. Wie berichtet lag seit September 2014 das Abfallentsorgungskonzept vor, auf dessen Basis später die umfänglichen Bodenarbeiten erfolgt waren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass das von Beginn an umstrittene Projekt nicht zu den anfangs veranschlagten 4,9 Millionen Euro zu realisieren ist. Den Stadtverordneten war dies aber erst mitgeteilt worden, nachdem die Aufträge für den Bau der Marina ausgelöst waren (PNN berichteten).

Das Abfallentsorgungskonzept war sowohl vom Landkreis als auch vom Brandenburger Landesumweltamt gefordert und bereits im April 2014 zur Bedingung für die Plangenehmigung gemacht worden. Auch dies wurde offenbar nicht kommuniziert. Zudem war der zugehörige Auftrag offenbar ohne offiziellen Beschluss erteilt worden. Nach der Teltower Hauptsatzung ist der Bürgermeister jedoch lediglich befugt, Aufträge bis 25 000 Euro frei zu vergeben. An das mit dem Entsorgungskonzept beauftragte Unternehmen wurden jedoch mehr als 100 000 Euro gezahlt.

Wegen der Vergaben standen die Projektverantwortlichen schon mehrfach in der Kritik. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit einer Anzeige, die dort im Mai eingegangen war. Dabei geht es unter anderem um einen Auftrag an ein Teltower Planungsbüro, dem über mehr als drei Jahre eine monatliche Pauschale für die Projektsteuerung gezahlt worden war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werde der Fall noch geprüft.

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