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  • 07.12.2017
  • von Julia Frese

Bessere Busanbindung: Barrierefrei in die Stadt

von Julia Frese

Besser unterwegs. Der neue Midi-Bus verkehrt ab dem 10. Dezember jede Stunde zwischen Wildpark-West und Potsdam. Dabei bietet er mehr Platz als der Sprinter, der bisher auf der Strecke fuhr, und einen barrierefreien Einstieg für Rollstuhlfahrer und Personen mit Rollatoren oder Kinderwagen. Foto: Andreas Klaer

Zwischen Wildpark-West und Potsdam verkehrt ab Montag stündlich ein Midi-Bus. Warum es trotzdem Kritik gibt.

Schwielowsee - Den Weg zum Supermarkt, zur Bank oder zum Arzt mussten die Bewohner der Waldsiedlung Wildpark-West bisher sorgfältig planen, denn nur alle zwei Stunden fuhr ein kleiner Sprinter mit acht Plätzen Richtung Potsdam. Ab dem 10. Dezember wird die Anbindung deutlich besser: Zwischen 5 und 23 Uhr verkehrt nun montags bis freitags ein Mal pro Stunde ein Midi-Bus. Das Fahrzeug bietet Platz für 21 bis 26 Personen, je nachdem, ob Rollstuhlfahrer oder Personen mit Kinderwagen mitfahren möchten. Die Busgesellschaft Regiobus, der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Gemeinde Schwielowsee stellten das barrierefreie Fahrzeug und den neuen Fahrplan am gestrigen Mittwoch bei einem Pressegespräch vor.

Unkomplizierter Einstieg für Rollstuhlfahrer

Bei den jährlich stattfindenden Bürgergesprächen in Wildpark-West sei die Verkehrsanbindung immer wieder Thema gewesen, sagt Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). „Es war ein langer Weg, denn die Umsetzung war nicht leicht“, so Hoppe. Gemeinsam mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und der Regiobus, die dem Landkreis zu 100 Prozent gehört, habe die Gemeinde intensiv an der Fahrplanänderung gearbeitet. Das neue Fahrzeug biete durch eine per Hand auszuklappende Rampe auch Rollstuhlfahrern sowie Personen mit Kinderwagen oder Rollator einen unkomplizierten Einstieg. Ein weiterer Vorteil sei, dass der mittelgroße Midi-Bus umweltfreundlicher sei als ein Bus normaler Größe: Er verbraucht auf 100 Kilometern rund zehn Liter weniger Diesel.

Die Linie 610 sei planerisch sehr interessant gewesen, sagt Regiobus-Verkehrsleiter Thorsten Müller. Neben den Bewohnern von Wildpark-West seien noch zwei andere Fahrgastgruppen zu berücksichtigen gewesen: Kinder und Jugendliche, die in Potsdam und Geltow zur Schule gehen, und die Soldaten der Henning-von-Tresckow-Kaserne. Auf die Linie 610 seien Schüler von insgesamt zwölf Schulen angewiesen, einige von ihnen steigen für den Rest des Weges in Potsdam in Regionalzüge oder S-Bahnen um. „Wir haben auch die Anschlüsse optimiert“, sagt Müller. Bisher habe die Umsteigezeit teilweise nur fünf Minuten betragen.

Auch für Beschäftigte der Kaserne war Bus ein Anliegen

Auch den Beschäftigten der Henning-von-Tresckow-Kaserne war die Taktverdichtung schon seit Jahren ein großes Anliegen. Die Bundeswehrsoldaten kämen aus ganz Deutschland, sagt Oberstleutnant Jürgen Schrader, der selbst aus der Nähe von Göttingen stammt: „Wir sind eine Pendlerarmee.“ Da es teilweise flexible Arbeitszeiten gibt, ermögliche der neue Fahrplan den Beschäftigten der Kaserne nun, freitags schon um die Mittagszeit den Weg in die Heimat anzutreten. Für die Soldaten sei die Fahrplanänderung darum „ein echtes Nikolausgeschenk“.

Um den stündlichen Takt und die Anbindungen gewährleisten zu können, habe die Streckenführung leicht verändert werden müssen, so Regiobus-Verkehrsleiter Thorsten Müller. So fährt die 610 in Richtung Potsdam frühmorgens und nachmittags nur noch bis zur Haltestelle Platz der Einheit/West, die Haltestellen Alter Markt/Landtag und Potsdam Hauptbahnhof entfallen. Zwischen 9 und 14 Uhr ist an der Haltestelle Bahnhof Charlottenhof bereits Endstation. Von dort fährt alle fünf Minuten eine Tram, die die Pendler weiter in die Potsdamer Innenstadt hineinbringt. Am kommenden Wochenende sollen die Pläne an den Bushaltestellen entlang der Strecke ausgetauscht werden, so Müller. Außerdem sollen bald 1000 Flyer mit Informationen zum neuen Fahrplan in den Briefkästen der Wildpark-West-Bewohner stecken.

Streckenführung sorgt für Kritik

Bei aller Freude über den Stundentakt sorgte insbesondere die veränderte Streckenführung auch für Kritik. „Wenn ich in Potsdam einkaufen gehe, muss ich danach mit fünf schweren Taschen umsteigen“, beklagte eine Seniorin. Vize-Landrat Christian Stein (CDU) erklärte, dass es tatsächlich eine Herausforderung sei, die Verkehrssysteme Potsdams und des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Einklang zu bringen. „Das Interesse Potsdams liegt darin, Verkehr aus der Stadt herauszuhalten und möglichst viele Pendler in ihre eigenen Fahrsysteme zu bekommen“, so Stein. Jeder Bus, der von außerhalb in die Stadt fahre, werde dabei als Hindernis gesehen.

Ebenfalls unglücklich finden einige Bürger, dass sonntags nach wie vor gar keine Busanbindung an Potsdam besteht. Es gebe somit keine Möglichkeit, Besucher aus der Stadt zu empfangen, die kein eigenes Fahrzeug besitzen, wie eine Seniorin anmerkte.

Thorsten Müller ist sich bewusst, dass auch der neue Fahrplan noch nicht perfekt ist: „Sehen Sie es als Anfang“, entgegnete er auf die geäußerten Kritikpunkte. Regiobus habe etwa 20 verschiedene Varianten geprüft, die nun gewählte Variante habe sich aber unter allen als die derzeit bestmögliche herauskristallisiert. Nun stehe und falle die weitere Entwicklung damit, wie viele Fahrgäste das Angebot nutzten.

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