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  • 06.12.2017
  • von Solveig Schuster

Kleinmachnow: Zum Fußball auf die Industriebrache

von Solveig Schuster

Ein geplanter Sportplatz in Kleinmachnow könnte ein Risiko für die Gesundheit werden.

Kleinmachnow - Michael Braun bleibt dabei: Die Kleinmachnower Industriebrache an der Autobahn ist kein geeigneter Standort für einen Sportplatz. In einem mehrseitigen Schreiben verwies der Sachkundige Einwohner der BIK-Fraktion im Vorfeld der jüngsten Gremiensitzungen wiederholt auf die gesundheitlichen Risiken für die Kinder und Jugendlichen, die den Platz einmal nutzen sollen. Abbringen konnte der Kleinmachnower die Gemeindevertreter von dem Vorhaben aber nicht. Kleinmachnow will den geplanten Fußballplatz auf dem früheren Bosch-Areal am Dreilindener Weg trotz der Einwände bauen. Am Montag votierte der Hauptausschuss mehrheitlich für den Bebauungsplan. Zuvor war bereits ein Planungsbüro damit beauftragt worden, Ideen für das dringend benötige Großspielfeld mit Nebenanlagen zu entwerfen.

Im Vorfeld hatte es Warnungen gegeben

Wie berichtet hatte der Diplom-Physiker und zweifache Familienvater mehrfach davor gewarnt, dass der Sportplatz wegen der zu erwartenden Schadstoffe „erhebliche Risiken für die Gesundheit“ der dort Sporttreibenden berge. Die Gutachter seien bei der Untersuchung der Lärm- und Schadstoffimmissionen von falschen Werten ausgegangen. So sei die vorhandene Lärmschutzwand nicht vier, sondern lediglich 2,50 Meter hoch, die Verkehrsbelastung auf und im Umfeld der Autobahn höher als berechnet.

Das Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) wies in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan die Vorwürfe zurück. Die durch den Sachverständigen dargelegte Annahme, die Kinder und Jugendlichen könnten durch den Sportbetrieb an dem geplanten Standort Schädigungen der Atemwege davontragen, sei ein ernst zu nehmender Einwand, aber unbegründet. Die Immissionswerte würden unter den geltenden gesetzlichen Grenzwerten liegen. „Zum gegenwärtigen Wissensstand gehört es, dass Stickstoffdioxidwerte nicht erst ab einem in Deutschland erlaubten Grenzwert von 40 Nanogramm gesundheitsschädlich wirken“, entgegnet Michael Braun. Sowohl die Schweiz als auch Österreich hätten bereits vor einigen Jahren ihren Grenzwert auf 30 Nanogramm je Kubikmeter angepasst, erklärte er. Braun hatte sich dafür ausgesprochen, den Sportplatz auf eine Freifläche östlich des über 100 Meter breiten Waldstreifens, der als natürlicher Lärmschutz an der Autobahn fungiere, zu verlegen.

Vor allem Fußballer brauchen den Platz

„Das war auch unser Wunsch“, erklärte die Kleinmachnower Grünen-Fraktionschefin Barbara Sahlmann den PNN. Wie die BIK hatte auch ihre Fraktion in den Gremien gegen die Sportplatz-Pläne gestimmt. „Ich bedauere die Entscheidung“, sagte sie nach dem Votum des Hauptausschusses. Den Wunsch der Sportler des Regionalen Sportvereins nach einer weiteren Sportstätte könne sie aber nachvollziehen. Der Regionale Sportverein Eintracht 1949, einer der mitgliederstärksten Vereine in Berlin-Brandenburg, wird hauptsächlicher Nutznießer des neuen Sportplatzes sein. Vor allem für die Fußballer werde der Platz dringend benötigt.

Aufgrund fehlender Kapazitäten und vorhandener Wartelisten in diesem Bereich seien dem Verein Mittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) zugesprochen worden, die für den Bau des Kunstrasenplatzes eingesetzt werden sollen, so der Vereinsvorsitzende Michael Grunwaldt. Mit der Lage des Platzes hätte der Verein kein Problem. Die geplante Anlage würde sich unweit des ehemalige RSV-Sportplatzes am Stahnsdorfer Damm befinden und auch die vor Ort geplante Wohnbebauung nicht beeinflussen. Zudem würden sich auch in anderen Orten Sportplätze in ähnlicher Lage befinden, die problemlos betrieben würden. So etwa in Dallgow, unmittelbar an der Bundesstraße B5.

4000 Quadratmeter Sportflächen fehlen

Auch das Institut für kommunale Sportentwicklung (INSPO) aus Potsdam, das vor zwei Jahren die Situation in der Region analysierte, hatte herausgestellt, dass es in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf noch weiterer Sportanlagen bedarf. Derzeit würden in der Region an 22 Standorten 24 Sportanlagen mit einer Fläche von rund 14.500 Quadratmetern für den Schul-, Vereins- und Freizeitsport zur Verfügung stehen. Laut errechnetem Gesamtbedarf würden danach rund 4000 Quadratmeter an sportiver Fläche fehlen. Um die Lücke zu schließen, könnten vorhandene Plätze modernisiert und mit Überdachungen oder Rasenheizungen ausgestattet, zudem die Kapazitäten erhöht werden. Dem kommen die Kommunen nun nach. So will Stahnsdorf an der Mühlenstraße eine neue Zweifeld-Sporthalle bauen. In Teltow ist als Konsequenz aus dem Bedarfsplan ein weiterer Kunstrasenplatz geplant.

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