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Schwielowsee

  • 15.11.2017
  • von Martin Anton

Bevölkerungswachstum in Potsdam-Mittelmark: Mehr Bauland für Schwielowsee: Bagger im Landschaftsschutzgebiet

von Martin Anton

Wie viel Natur soll in Schwielowsee noch zugebaut werden? Foto: Lutz Hannemann

Verwaltung will 35 Hektar aus Landschaftsschutzgebiet ausgliedern – unter anderem für Wohnungsbau. Eine zentrale Frage ist, wie weit die Natur in Schwielowsee noch zugebaut werden soll.

Schwielowsee - Die Gemeinde Schwielowsee wächst. Ähnlich wie die meisten Kommunen im Potsdamer Umland verzeichnen die Ortsteile Ferch, Caputh und Geltow Zuwachs durch Zuzug. Entsprechend der steigenden Bevölkerungszahlen soll in absehbarer Zeit auch die bebaubare Fläche wachsen. Dabei geht es sowohl um eine Änderung der Flächennutzung, als auch um einen tatsächlichen Zugewinn zur Gemeindefläche.

Wie berichtet soll in der Nähe der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow ein Kindergarten entstehen. Dafür braucht die Gemeinde allerdings ein etwa ein Hektar großes Grundstück von der Stadt Potsdam. Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) hat in diesem Zusammenhang einen Brief an den Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) geschickt, in dem sie ihn bittet, das erforderliche Verfahren auf den Weg zu bringen.

Für 35 Hektar soll die Nutzung geändert werden

Auch was die übrigen Flächen angeht, braucht die Gemeinde Unterstützung bei der Umsetzung. Bereits am 18. Oktober hat die Verwaltung das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) des Landes Brandenburg sowie die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark angeschrieben, um die Chancen für eine Umwidmung der Flächen auszuloten. Denn die ein Großteil der 21 Flächen sind im Flächennutzungsplan (FNP) entweder teilweise oder ganz als Landschaftsschutzgebiet (LSG) ausgewiesen.

Für insgesamt knapp 35 Hektar soll, so der Plan der Verwaltung, die Nutzung geändert werden. Das entspricht etwa 0,6 Prozent der Gemeindefläche. Die Flächen sind wie folgt auf die drei Gemeindeteile verteilt: In Caputh gibt es acht angestrebte Änderungen, in Ferch neun und in Geltow fünf.

Die betroffenen Flächen sind in ihrer Art und Nutzung sehr unterschiedlich. Zum Teil handelt es sich um klassische Siedlungsergänzungen, das heißt, es werden zu bestehenden Wohngebieten einzelne Bauflächen hinzugefügt – etwa um „Streu- und Splittersiedlungen“ zu vermeiden, wie es in der zwölf DIN-A4-Seiten fassenden Begründung der Gemeinde heißt. Zum Teil handelt es sich aber auch um öffentliche, ortsprägende Flächen.

Einigen Flächen sind attraktive Grundstücke in Wassernähe

So sind zum Beispiel die Stellplatzanlage in der Geltower Chaussee und die Promenade Am Caputher Gemünde Teil der Liste. Am Parkplatz zwischen Bahnhof Caputh-Geltow und der Fähre sollen demnach „eine Touristeninformation mit Fahrradverleih sowie ein Restaurant das touristische Angebot ergänzen“ (PNN berichteten). Zu den Flurstücken gehören auch Grünflächen in unmittelbarer Wassernähe, die laut Verwaltung aber nur „eine geringe ökologische Wertigkeit“ besitzen. Am Caputher Gemünde ist laut Begründung trotz Ausgliederung aus dem Landschaftsschutzgebiet keine Nutzungsänderung geplant. Eine Teilfläche zwischen Uferpromenade und Weinbergstraße soll jedoch zur Wohnbaufläche werden.

Bei einigen Flächen handelt es sich durchaus um attraktive Grundstücke in Wassernähe. Darunter etwa 2,33 Hektar am Caputher See sowie 1,24 Hektar „Nördlich Mittelbusch“ im Ortsteil Ferch. Auch die Campingplätze „Himmelreich“ und „Schwielowsee Camping“ sind Teil des Ausgliederungsersuchens. Bei beiden heißt es, durch die „Ausgliederung aus dem LSG wird eine punktuelle Errichtung neuer campingplatzrelevanter Einrichtungen möglich“.

Alte Bäume, die Nistplätze für Vögel und Fledermäuse bieten werden als Hindernisse genannt

Als mögliche Hindernisse für die Ausgliederung werden von der Gemeinde vor allem alte Baumbestände angeführt, in denen möglicherweise Fledermäuse oder Vögel nisten könnten. Als Alternative schlägt die Gemeinde Nistkästen in umliegenden Bäumen und Gebäuden vor.

Bei einigen Gemeindevertretern hatte die Liste der Flächen sowie die Schreiben an die Behörden für Irritation gesorgt. Die SPD fordert in einem Antrag, die Schreiben an MLUL und Naturschutzbehörde zurückzuziehen. Begründung: Es hätte allein der Gemeindevertretung und den Ausschüssen oblegen, sich ein Meinungsbild über „derart weittragende Änderungen des nicht einmal vier Jahre alten Flächennutzungsplanes“ zu bilden. Die Gemeindevertreter hatten bei der letzten Sitzung die Dokumente erstmals zu Gesicht bekommen.

Eine zentrale Frage ist, wie weit die Natur in Schwielowsee noch zugebaut werden soll

Bürgermeisterin Hoppe wies die Kritik zurück. Es handele sich bei den Schreiben lediglich um vorbereitende Maßnahmen. So sei auch – ohne Beanstandung der SPD – beim bestehenden FNP vorgegangen worden. Außerdem habe die Verwaltung genaue Aufträge, welche Flächen umgewidmet werden sollen. Tatsächlich stammen einige der aufgelisteten Veränderungen aus der im April von den Gemeindevertretern beschlossenen Prioritätenliste für Bauplanungen.

Dennoch gibt es auch von den Grünen Kritik – sowohl an der Vorgehensweise der Verwaltung, als auch am Inhalt der Liste. Winnie Berlin, unter anderem Mitglied des Hauptausschusses, sagte gegenüber den PNN, dass die Gemeindevertreter nicht nur an der Entscheidung, sondern auch der Diskussion um den Zuschnitt der Flächen selbst beteiligt sein sollten. Zudem müsse man überlegen, inwiefern die Natur in Schwielowsee weiter zugebaut werden soll.

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