25.11.2017, 6°C
Themenschwerpunkt:

Werder

  • 09.11.2017
  • von Enrico Bellin

Werder fehlen 200 Kitaplätze: Kitamangel: Unverständnis der Eltern

von Enrico Bellin

Foto: Uwe Anspach/dpa

Betroffene Werderaner Eltern kritisieren die Stadt für ihren langsamen Kita-Ausbau. 200 Kindern konnte die Kommune keinen Betreuungsplatz anbieten.

Werder (Havel) - Werderaner Elternvertreter sind enttäuscht, dass die Stadt mit dem Ausbau ihrer Kitaplätze nicht schneller vorankommt. Wie die PNN berichteten, hat die Stadt bestätigt, dass allein in diesem Jahr 200 Kindern kein Betreuungsplatz angeboten werden konnte. „In etwa dieser Höhe haben auch im Vorjahr schon Plätze gefehlt“, sagt Doreen Recknagel, Elternvertreterin der Kita „Anne Frank“. „Ich verstehe nicht, dass die Stadt nicht dagegenwirkt“, so Recknagel, die sich regelmäßig mit den Elternvertretern der anderen Kitas austauscht.

„Es gibt schon Eltern, die in Werder wegen der angespannten Situation erst später wieder in den Job einsteigen können. Viele haben dazu gerade ein neues Haus gebaut, da wird es dann finanziell sehr eng“, so die Elternvertreterin. Auch sie selbst habe Probleme bei der Kitasuche für ihren inzwischen dreieinhalbjährigen Sohn gehabt. Da es in Werder zunächst keinen Platz gab, wurde ihr eine Betreuung im knapp 20 Kilometer entfernten Deetz angeboten. Durch Eigeninitiative habe sie doch noch einen Platz in der Stadt bekommen, musste aber drei Monate Betreuung mit Hilfe ihrer Eltern und durch Urlaub überbrücken. Anderen Eltern sei ein Platz im ebenfalls rund 20 Kilometer entfernten Michendorf angeboten worden. „Das ist für Eltern, die teils eineinhalb Stunden zur Arbeit fahren, aber nicht zumutbar“, so Recknagel. Als letzten Ausweg rät sie Eltern zur Klage, um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz durchzusetzen.

Zu wenig Kitaplätze in Werder: Eltern klagen gegen den Landkreis Potsdam-Mittelmark

Wie berichtet laufen derzeit bereits vier entsprechende Klagen gegen den Landkreis. Das Verwaltungsgericht Potsdam hat bisher aber gegen die Eltern entschieden, da der Kreis zwar Träger der Jugendhilfe ist und einen Großteil der Personalkosten bezahlt, die Kommunen aber die Räume zur Verfügung stellen. Jens Schröder von der Kanzlei Brandt Rechtsanwälte rät den Eltern deshalb dazu, in solchen Fällen die Kommune zu verklagen. „Im Endeffekt muss die Kommune die Plätze zur Verfügung stellen, sie ist für die Ausübung der Aufgabe zuständig“, so Schröder, der erfolgreich einen Vater vertreten hatte, der in der Uckermark gegen zu hohe Essensgebühren in der Kita geklagt hat. Im Zweifelsfall könnten Eltern natürlich sowohl gegen die Kommune als auch gegen den Kreis klagen, so der Anwalt.

Gerhard Opitz (FDP), Vorsitzender des Werderaner Sozialausschusses, rät Eltern jedoch zu Geduld. Schließlich eröffne die Stadt gerade eine neue Kita und plane zwei weitere. „Es ist mir natürlich bewusst, dass eine Befriedung damit schwer ist. Aber für die Stadt ist das schon eine große Leistung“, so Opitz.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!