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  • 03.11.2017
  • von Sarah Kugler

Kultur: Russische Mystik in Teltow

von Sarah Kugler

Mag das Geheimnisvolle. Irina Fedorova beschäftigt sich mit Ikonenbildern. F.: privat

Der zehnte Teltower Kunst-Sonntag bringt wieder zahlreiche Künstler in die Altstadt. Irina Fedorova aus Werder beschäftigt sich mit Ikonenbildern.

Werder (Havel)/Teltow – Irina Fedorovas Hang zur Mystik ist in ihrem neuen Galerieraum in jeder Ecke zu spüren: In den Schränken aus dunklem Holz, den vergoldeten Teetassen vom Trödelmarkt und vor allem in den Bildern. Die stehen auf dem Fensterbrett, an der Wand oder liegen zum Teil noch in Kisten. Denn die Künstlerin musste gerade erst aus ihrer Werderaner Galerie ausziehen. Jetzt stellt sie Kunstwerke – ihre eigenen, aber auch die anderer Künstler – in ihrem Haus in Plessow aus.

Das liegt direkt an der B1, die Hausnummer 10 ist von Werder aus kommend etwa 400 Meter hinter der Lehniner Chaussee. Die offizielle Neueröffnung hat zwar noch nicht stattgefunden, doch ein Teil der Kunst ist beim Teltower Kunstsonntag zu sehen. Fedorova ist eine von vielen Künstlern, die dort mitwirkt.

Malerei, Collagen und Fotografien in Teltow

Der Kunstsonntag ist eine tradierte Veranstaltung in der Teltower Altstadt, die in diesem Jahr bereits das zehnte Mal stattfindet. Zu sehen sein werden Malerei, Collagen, Fotografien, Skulpturen aus Holz und Metall. Die Ausstellung soll laut den Veranstaltern ein Kommunikationspodium für Kunst und Kultur bieten.

Ein Feld wie geschaffen für Fedorova, die nicht nur selbst Malkurse gibt, sondern auch mit Künstlern aus Russland und Spanien vernetzt ist. Fast jedes Jahr fährt sie zum künstlerischen Austausch in ihre alte Heimat nach Krasnojarsk oder holt Maler zu sich in die Mittelmark. Dabei entstanden unter anderem fast bilderbuchartige Bilder von Werder. Die zeigen nicht die typische Inselansicht mit Mühle und Kirche, sondern kleine, alltägliche Szenen auf der Straße. Etwa eine Frau, die von ihrem Balkon die Straße beobachtet, oder eine alte Dame, die mit ihrem Rollator einkaufen geht.

„Meine Figuren sind an den Stil von Carl Spitzweg angelehnt“, erklärt die Malerin, die 1968 in Krasnojarsk geboren wurde und 2006 der Liebe wegen nach Deutschland kam. Überhaupt übt sie sich – gerade in den Kursen mit ihren Schülern – häufig an berühmten Malern, wie sie sagt. An Rubens etwa oder dem russischen Künstler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski.

Surreal märchenhafte Gemälde

In ihrer Galerie ist ein an ihn angelehntes Bild zu sehen, das ein Boot im mondbeschienen Wasser zeigt. Mystisch ist das – wie fast alle ihre Werke. Nicht nur die Ikonenbilder, die sie teilweise mit Blattgold oder -silber sowie kleinen Swarowskikristallen verziert, sondern auch ihre surreal märchenhaften Gemälde.

In einem Selbstportrait etwa, das auch am Sonntag in Teltow zu sehen sein wird. Darauf sitzt sie mit einem Pinsel halb im Meer. Auf der linken Seite ist das sibirische Gebirge zu sehen, auf der rechten eine aufblühende Blume. Vor ihr ein Schachbrett – ein Motiv, das sie in mehreren Bildern verarbeitet hat. „Es soll daran erinnern, dass das Leben eben nicht nur schwarz und weiß ist“, so Fedorova, die ausgebildete Ingenieurin ist und derzeit Kulturwissenschaften an der Universität Potsdam studiert. Und auch daran, dass ganz verschiedene Lebens- und Glaubensansätze richtig sein können. Egal, wie mystisch sie sind. Sarah Kugler

Teltower Kunstsonntag, Sonntag von 11 bis 17 Uhr in der Galerie Altstadthof, Potsdamer Straße 74. Der Eintritt kostet 2 Euro

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