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  • 01.11.2017
  • von Enrico Bellin

Mehr Busse für Potsdam-Mittelmark: Neuordnung im Nahverkehr

von Enrico Bellin

Künftiges Nahverkehrsdrehkreuz. Der Bahnhof Beelitz Stadt soll ab Januar Endpunkt für die Busse aus Potsdam und Kloster Lehnin werden. Dadurch soll der Verkehr besser vernetzt werden. Ab 2022 soll zudem eine zusätzliche Bahnlinie starten, sodass dann Züge von Beelitz direkt nach Potsdam und Berlin fahren. Foto: Andreas Klaer

Zwischen Potsdam, Michendorf und Beelitz sollen künftig mehr Busse und Bahnen fahren. Die Finanzierung für eine geplante neue Expressbuslinie ist aber noch unsicher.

Potsdam - Der Nahverkehr zwischen Michendorf, Beelitz und Schwielowsee soll in Zukunft deutlich verbessert werden. Während erst ab dem Jahr 2022 neue Bahnlinien in der Region geschaffen und bestehende öfter befahren werden sollen, könnte sich der Busverkehr schon zum Jahreswechsel deutlich verbessern. Doch die Finanzierung dafür ist zwei Monate vor den geplanten Änderungen noch unsicher.

Die Pläne sehen ab Januar eine neue Expressbuslinie von Beelitz nach Potsdam vor. Sie soll stündlich fahren und unterwegs nur wenige Halte bedienen, um so die Fahrzeit deutlich zu verkürzen. Der derzeitige Bus der Linie 643 braucht für die Strecke Beelitz-Potsdam eine Dreiviertelstunde – rund eine Viertelstunde mehr als Autofahrer. Er bedient unterwegs 24 Haltestellen, die nicht alle direkt an der Bundesstraße 2 liegen. Der Expressbus soll mit den Autofahrzeiten konkurrieren können.

Bus Linie 643 soll künftig im 30-Minuten-Takt zwischen Potsdam und Seddin verkehen

Die Linie 643, die derzeit stündlich von Potsdam über Michendorf, Seddin und Beelitz nach Busendorf fährt, soll künftig zwischen Potsdam und Seddin halbstündlich verkehren. Die Busse sollen aber nur noch bis zum Beelitzer Stadtbahnhof fahren. Im Gegenzug soll die derzeit von Kloster Lehnin nach Busendorf fahrende Linie 645 bis zum Beelitzer Stadtbahnhof verlängert werden. Dadurch würden Pendler aus Kloster Lehnin erstmals Anschluss an den Regionalexpress am Bahnhof Beelitz-Heilstätten erhalten. Zudem könnten Schüler der Klostergemeinde, die nur über eine Grund- und Gesamtschule verfügt, das Beelitzer Gymnasium besser erreichen.

„Wir planen, diese beiden Linien im PlusBus-Standard fahren zu lassen“, sagt der Geschäftsführer von Regiobus Potsdam Mittelmark, Hans-Jürgen Hennig. Das bedeutet, dass die Busse einen Taktfahrplan haben, der etwa in Kloster Lehnin auf die Abfahrt der Buslinie nach Brandenburg/Havel und in Beelitz-Heilstätten auf die Regionalzüge nach Berlin abgestimmt ist. Zudem haben die PlusBusse W-Lan und Lademöglichkeiten für Handys an Bord.

Beelitz und Michendorf müssten schätzungsweise zwischen 20 000 und 30 000 Euro pro Jahr zuzahlen

Allerdings: Noch ist die Finanzierung nicht geklärt. „Wir hoffen, die Gespräche mit den Kommunen und dem Kreis bis Mitte November beenden zu können“, sagt Hennig. Details zu den Mehrkosten wollte er wegen der laufenden Verhandlungen noch nicht nennen. Nimmt man aber ähnliche Ausweitungen im Busverkehr als Grundlage, etwa im Raum Teltow oder Werder (Havel), so müssten Beelitz und Michendorf zwischen 20 000 und 30 000 Euro pro Jahr zuzahlen. Der Rest würde durch den Landkreis bezahlt.

„Insgesamt ist der Plan ein tolles Angebot für die Stadt Beelitz“, resümiert Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis). Schließlich werde das Busangebot durch die Expresslinie im Vergleich zu heute fast verdoppelt. Er ist optimistisch, dass die Stadtverordneten den Mehrkostenzahlungen zustimmen. „Auch die Anbindung an die Heilstätten sowie der Ortsteile Zauchwitz und Rieben wird verbessert“, so Knuth.

„In manchen Ortsteilen soll es wohl auch Verschlechterungen durch das neue Konzept geben“ 

Weniger optimistisch ist jedoch Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). „Die zusätzlichen Busse nach Potsdam sind sicher eine Bereicherung, aber in manchen Ortsteilen soll es wohl auch Verschlechterungen durch das neue Konzept geben.“ Nach Fresdorf, Stücken und Wildenbruch sollen etwa weniger Busse fahren. Und von den Fahrzeitverkürzungen durch den Expressbus nach Potsdam würde Michendorf nur unwesentlich profitieren, da auf dem kurzen Abschnitt auch ein Expressbus kaum schneller als der normale Linienbus ist. Zudem gibt es zwischen Michendorf und Potsdam drei Bahnlinien. „Unser Verkehrsausschuss hat bisher keinen Vorteil für die Gemeinde gesehen, der die jährlichen Mehrkosten rechtfertigt“, sagt Mirbach.

Endgültige Klarheit soll es am 9. November geben: Dann soll ein Vertreter von Regiobus im Gemeindeentwicklungsausschuss das Konzept vorstellen. „Die Vorteile für Michendorf müssen erläutert werden“, so der Bürgermeister. Allerdings wolle die Gemeinde auch nicht als Blockierer dastehen. „Ich möchte keine Situation, in der Michendorf nicht zahlt und der Expressbus dann an uns vorbeifährt.“

In fünf Jahren folgen erneute Erweiterungen: Schon jetzt kaum möglich, Fahrräder im Zug mitzunehmen

Spätestens in fünf Jahren muss das Buskonzept der Region ohnehin noch einmal angepasst werden, da sich auch das Angebot im Bahnverkehr ändern wird: Der RE 7 soll dann wie berichtet im Halbstundentakt fahren. Um die Menschen zum Zug zu bringen, müssen wiederum die Busse öfter fahren. Auch soll die jetzt von Jüterbog über Beelitz Stadt und Michendorf nach Wannsee fahrende RB 33 neu von Beelitz Stadt über Schwielowsee nach Potsdam fahren. Der Zug wäre dann etwa zehn Minuten schneller als der geplante Expressbus, zudem würde es erstmals seit 1998 eine umsteigefreie Verbindung Caputh-Beelitz geben. Zudem soll eine neue Linie RB 37 von Beelitz Stadt über Michendorf mindestens nach Rehbrücke, im besten Fall sogar nach Berlin Steglitz eingeführt werden. Der neue Landesnahverkehrsplan macht dazu noch keine konkrete Aussage. Für Beelitz würde das bedeuten, dass vom Stadtbahnhof künftig doppelt so viele Züge abfahren wie heute.

Sowohl Mirbach als auch Knuth begrüßen diese Änderungen grundsätzlich, wünschen sich aber schon vor 2022 Verbesserungen. „Es ist jetzt schon nicht mehr möglich, zur Hauptverkehrszeit etwa noch ein Fahrrad im Zug mitzunehmen“, so Mirbach. Zudem bedauert er, dass Michendorf auch weiterhin keine schnelle Anbindung an den Flughafen BER bekommen soll, sondern die Fahrgäste mit dem RE 7 einmal quer durch Berlin zum Airport müssen. Sein Beelitzer Kollege hält die Forderung aufrecht, dass Beelitz künftig in die Tarifzone Berlin ABC integriert wird. Noch endet diese vor der Stadtgrenze, was Fahrten nach Berlin um 90 Cent teurer macht.

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