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Stahnsdorf

  • 26.10.2017
  • von Julia Frese

Stahnsdorf: Baracken sollen Wohnungen weichen

von Julia Frese

Neue Heimat. Projektleiter Christopher Haak lebt selbst seit zwei Jahren mit seiner Familie in Stahnsdorf. Er will im Ort noch weitere Objekte entwickeln. Foto: Sebastian Gabsch

An der Stahnsdorfer Wilhelm-Külz-Straße entstehen bis 2020 sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 70 bis 75 Wohnungen für Familien und Senioren.

Stahnsdorf - Am Gebäude mit den vergitterten Fenster, abblätterndem Putz und zackigen Graffitischriftzügen wirkt das hellblaue Plakat mit der Aufschrift „In Zukunft Ihr Zuhause“ auf den ersten Blick etwas deplatziert. Gemeint ist allerdings nicht die desolate Baracke – die wird ab dem Frühjahr wie auch die übrigen Gebäudereste auf dem Areal an der Wilhelm-Külz-Straße 58 abgerissen. Ersetzt werden sollen sie bis 2020 durch sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 70 bis 75 Wohnungen.

„Graffitisprayer könnten uns gern anrufen – wir können ihnen mehrere Flächen anbieten, an denen sie sich kreativ austoben können“, sagt Projektleiter Christopher Haak von der Projektentwicklungsfirma Bonava. Die Firma kaufte das Grundstück im vergangenen Frühjahr von der Brandenburger Nahrungsmittel Produktions- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft. Bis Ende Juli hatte als letzte verbleibende Firma der Strauch Druckstore seinen Sitz auf dem Gelände. Er zog nach Teltow in ein kleineres, aber moderneres Gebäude. Andere Firmen wie ein Sanitärbetrieb und ein Zoofachhandel hatten das Areal schon vor längerer Zeit geräumt.

Scherben, Bauschutt, kaputte Türen: Die meisten der Gebäude weisen Vandalismusspuren auf

Die meisten der Gebäude weisen inzwischen neben Graffiti auch noch weitere Vandalismusspuren auf: zerschlagene Scheiben, halb aus den Angeln fallende Türen sowie im Gebäudeinneren verstreuter Bauschutt. „Wir haben schon von mehreren Stahnsdorfern gehört, wie froh sie sind, dass hier nun bald etwas passiert“, sagt Christopher Haak. „Über die Jahre hat sich das Grundstück leider zu einem kleinen Schandfleck entwickelt.“ Die Baracken seien außerdem mit Schadstoffen wie Asbest belastet, die beim Abriss fachkundig entsorgt werden müssten.

Um zu zeigen, was auf dem 10 000 Quadratmeter großen Areal entstehen soll, breitet Haak im Kofferraum seines Wagens ein paar Baupläne aus. Die sechs viergeschossigen Häuser, die ab 2020 bezugsfertig sein sollen, werden sich in ihrer Höhe harmonisch in die umliegende Bebauung einpassen, ist Haak überzeugt. „Der Gemeinde war es natürlich wichtig, dass die Gebäude ins Ortsbild passen.“ Die oberste Etage der Wohnhäuser ist jeweils als Dachgeschoss mit Schräge geplant. Über künftige Quadratmeterpreise könne er derzeit ebenso wie über die Baukosten noch keine Auskunft geben, sagt Haak. Dazu gebe es noch zu viele offene Fragen, die Planung und Bau in den kommenden Jahren beeinflussen könnten.

„Grüne Akzente erhalten“: Ein Teil der Bäume soll stehen bleiben

Eine wichtige Frage ist etwa, wie die Architekten mit den bewaldeten Hügeln umgehen, die das Grundstück einschließen. Derzeit ist geplant, sie in die Gestaltung der Gebäude mit aufzunehmen und terrassierend zu bauen. Gern solle dabei ein Teil der Bäume stehen bleiben. Man wolle „grüne Akzente erhalten“, sagt Haak. Doch der Hang muss auch langfristig gegen Erosion gesichert werden. An entsprechenden Lösungen arbeiten die Architekten derzeit noch.

Als Zielgruppe für die neugebauten Wohnungen nennt Haak „junge Familien oder Ältere, die vielleicht nach dem Auszug der Kinder nicht mehr zu zweit im großem Einfamilienhaus bleiben möchten“. Die Mehrheit der neuen Wohnungen werde barrierearm sein, das heißt, es gibt im Gegensatz zu barrierefreien Gebäuden einzelne Stufen oder Räume, durch die sich körperlich Beeinträchtigte nicht ohne fremde Hilfe bewegen können. Es sei aber angedacht, eines der Gebäude komplett barrierefrei zu gestalten, so der Projektleiter. Zum Haus soll auch eine Tiefgarage gehören. Außerdem möchten die Projektentwickler einen Durchgang zur Mühlenstraße schaffen, die sich in nördlicher Richtung an das Grundstück anschließt und bisher hinter Hügeln verborgen ist. „Kinder, die auf die Lindenhof-Schule gehen, müssten nicht mehr außen herum gehen – ihr Schulweg würde sich dadurch erheblich verkürzen“, so Haak.

In Stahnsdorf sollen in Zukunft noch mehr Wohnungen folgen

In der Wilhelm-Külz-Straße 120 sind seit Oktober 2014 ebenfalls neue Wohnungen entstanden. Die Projektentwickler Pro & Contra Immobilien haben dort 34 seniorengerechte und barrierefreie Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen errichtet. Das Mehrfamilienhaus mit Glasfassade war zunächst dreigeschossig geplant gewesen, später wurde in der Gemeindevertreterversammlung einstimmig entschieden, dass es viergeschossig sein darf.

Da die Bevölkerung Stahnsdorfs seit Jahren kontinuierlich wächst, braucht die Gemeinde zunehmend neuen Wohnraum. Wohnten zu Beginn des vergangenen Jahres noch rund 15200 Menschen in der Gemeinde, gehen aktuelle Prognosen davon aus, dass es im Jahr 2020 bereits 16 000 sein werden. Christopher Haak betreut derzeit noch weitere Wohnbauprojekte im Berliner Speckgürtel, unter anderem in Teltow. Auch in Stahnsdorf sollen in Zukunft noch mehr Wohnungen folgen.

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