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  • 07.10.2017
  • von Enrico Bellin

Baum reißt Gasleitung hoch

von Enrico Bellin

Glück im Unglück. Wie hier in Kleinmachnow fielen überall im Kreis Bäume um, sie trafen wohl aber keine Menschen. Foto: Manfred Thomas

Sturmtief „Xavier“ hinterlässt auch in der Mittelmark schwere Schäden. Straßen sind aber wieder sicher

Menschen, die stundenlang im Bus festsitzen, auf Häuser gestürzte Bäume und eine aufgerissene Gasleitung: Im gesamten Landkreis Potsdam-Mittelmark hat das Sturmtief „Xavier“ am Donnerstag erhebliche Schäden angerichtet. Nach bisherigem Stand wurde im westlichen Landkreis zwar niemand lebensgefährlich verletzt, hunderte Feuerwehrleute waren aber auch den ganzen Freitag über noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

In Michendorf mussten im Sturm sogar Anwohner evakuiert werden, da gegen 17.15 Uhr eine Eiche mit einem Durchmesser von drei Metern an der Potsdamer Straße Ecke Luckenwalder Straße umgekippt war und mit ihren Wurzeln eine Hauptgasleitung hochgedrückt hatte. Ihre Wohnung verlassen mussten Ortswehrführer Christian Oskar Noack zufolge zwar nur wenige Menschen, da hauptsächlich Gewerbebetriebe die Unglücksstelle säumen. Etwa 40 Haushalte waren aber bis Freitagnachmittag von der Gasversorgung abgeschnitten. Die Straße war Noack zufolge bis in den Morgen hinein gesperrt.

Ausdauer brauchten auch Fahrgäste der mittelmärkischen Busse. Der schwerste Vorfall ereignete sich laut Hans-Jürgen Hennig, dem Geschäftsführer der Regiobus Potsdam Mittelmark, zwischen Kloster Lehnin und Golzow. Dort stand ein Bus der Linie 580 ab etwa 16.30 Uhr vor umgestürzten Bäumen. Die Fahrgäste – unter ihnen eine Familie mit einem siebenjährigen Mädchen – konnten erst gegen 22.30 Uhr mit Autos nach Hause gefahren werden. Hennig selber habe bei der Evakuierung geholfen. „Erst am Abend war die Räumung so weit fortgeschritten, dass wir, von Feuerwehrleuten begleitet, die Menschen unter die umgestürzten Bäume hindurch zu unseren Autos führen konnten“, so Hennig. Die Feuerwehrleute hätten sich bis zur Räumung um die Fahrgäste gekümmert. Zwei weitere Busse seien im Sturm beschädigt worden, verletzt wurde dabei aber ebenfalls niemand.

Wie berichtet hatte die Busgesellschaft den Verkehr am Donnerstag kurz vor 18 Uhr komplett eingestellt. Am Freitag sei der Schüler- und Berufsverkehr aber wieder angelaufen. Nur der Bad Belziger Stadtbus und einige Fahrten nach Caputh mussten wegen umgestürzter Bäume noch ausfallen. „Da die Bahn den Verkehr eingestellt hat, war es aber in den Bussen und auch um sie herum auf den Straßen im gesamten Landkreis deutlich voller“, so Hennig.

Zu spüren bekommen haben die Auswirkungen des Sturmes auch die Mitarbeiter des Bad Belziger Klinikums. Sprecherin Theresa Decker zufolge seien mit 26 Patienten etwa doppelt so viele behandelt worden wie an anderen Tagen. Durch das Unwetter seien Patienten hingefallen und hätten sich Brüche zugezogen. Andere hätten Schnittverletzungen, da sie von herumfliegenden Gegenständen getroffen worden sind. „Alles in allem waren das glücklicherweise eher glimpfliche Auswirkungen“, so Decker.

Auch bei den örtlichen Feuerwehren war man erstaunt, dass angesichts der Sturmauswirkungen niemand schwer verletzt wurde. „Unsere langjährigen Kameraden haben diese Verwüstungen noch nie erlebt, die Bäume sind umgeknickt wie Mikado-Stäbe“, sagte Werders Stadtwehrführer Robert Teschke den PNN. Besonders schlimm sei es auf der Landstraße zwischen Glindow und Klaistow gewesen, wo Bäume auch direkt auf Autos gefallen seien. Auch auf der Autobahn 10 und an den Gleisen der Regionalbahn sei man im Großeinsatz gewesen. In 24 Stunden kamen knapp 100 Einsätze zusammen. Mit 15 Freiwilligen aus der Stadt und den Ortsteilen waren die Werderaner bis zum Freitagabend im Einsatz.

Die meisten Einsätze waren im baumreichen Kleinmachnow zu verzeichnen, Gemeindewehrführer Alexander Scholz zufolge allein bis Freitagmittag 124. Viele Bäume seien auf Häuser gestürzt, eine genaue Zahl konnte er noch nicht nennen. Am schwerwiegendsten sei eine umgestürzte Eiche auf dem Zehlendorfer Damm zwischen der Ernst-Thälmann-Straße und der Gradnauerstraße gewesen. „Der riesige Baum war mit Wurzelballen umgestürzt und blockierte die Hauptachse nach Berlin von 16 Uhr bis in den Morgen hinein“, so Scholz. Die Fahrbahn war am Freitag halbseitig befahrbar, da der Asphalt stark beschädigt wurde.

In Teltow waren Stadtwehrführer Jan Ehlers zufolge die Hauptstraßen relativ früh wieder befahrbar, die Potsdamer Straße sei nur für eine halbe Stunde gesperrt gewesen. Insgesamt gab es bis Freitagmittag etwa 100 Einsätze.

Etwas weniger waren es in Stahnsdorf mit 88, die Feuerwehr war Gemeindewehrführer Sebastian Diwiszek zufolge trotzdem bis morgens um vier Uhr und dann ab sechs Uhr wieder im Einsatz. Unter anderem war der Güterfelder Damm zweieinhalb Stunden lang gesperrt. „Zwischen Schenkenhorst und Güterfelde ist ein uneinsichtiger Autofahrer aber an der Absperrung vorbei und einer Feuerwehrfrau über den Fuß gefahren“, so Diwiszek. Zwar blieb die Frau unverletzt, es wurde aber Anzeige erstattet.

Die Straßenmeistereien von Land und Kreis hatten seit Donnerstagnachmittag alle Mitarbeiter im Einsatz, um die Straßen wieder befahrbar zu machen. Laut dem Kreisstraßenbetriebsleiter Jan Bergler sollte am Freitag zunächst überall die Verkehrssicherheit hergestellt werden, die Aufräumarbeiten am Rand würden dann in der kommenden Woche ausgeführt.

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