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  • 05.10.2017
  • von Alexander Fröhlich

Behörden heben Dealerbande aus

von Alexander Fröhlich

Vor eineinhalb Jahren fand der Zoll in einem Milchbetrieb in Bad Belzig kiloweise Drogen. Jetzt schlugen die Fahnder abermals zu

Potsdam - Milchbauer Marinus V. war der Kronzeuge. Vor einem Jahr war er wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt worden. Auf Grundlage seiner Aussagen ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft Potsdam monatelang. Nun schlugen Zollfahnder und Spezialkräfte der Brandenburger Polizei zu: Bereits am Mittwoch vergangener Woche hoben sie eine von dem Russlanddeutschen Ivan S. angeführte Drogendealerbande aus.

Nach Angaben des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg wurden in Bad Belzig, Brandenburg/Havel, Wiesenburg/Mark, Erkner und Berlin 19 Kilogramm Marihuana, 100 Ecstasy-Tabletten und drei Schreckschusswaffen sichergestellt. Zudem stießen die Ermittler auf Beute aus Raubüberfällen. In Bad Belzig entdeckten sie eine professionell betriebene Cannabisplantage.

Insgesamt vier Haftbefehle hatten die Ermittler dabei, der fünfte erging gegen den Betreiber der Cannabisplantage. Er ist ein Komplize des 26-jährigen Ivan S., der als Haupttäter gilt. S. war zunächst die Flucht gelungen. Er stellte sich jedoch wenige Tage später der Polizei in Bad Belzig. Nun sitzt S. in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen Einfuhrschmuggels und Drogenhandels in großem Stil.

Der Fall reicht zurück in den Februar 2016. Damals waren Zollfahnder im Milchbetrieb von Marinus V. im Bad Belziger Ortsteil Werbig im Einsatz. Sie hatten eigentlich nach nicht versteuerten Zigaretten gesucht und die Betankung von Fahrzeugen mit Heizöl prüfen wollen. Doch dann bemerkten die Beamten einen eindeutigen Geruch aus einem Keller: Sie brachen die Tür auf und entdeckten knapp 72 Kilogramm Marihuana sowie mehrere Kilogramm Amphetamine, Kokain, Ecstasy und Haschisch. Die Drogen hatten einen Verkaufswert von mehr als einer Million Euro.

Marinus V., ein heute 62-jähriger Niederländer, hatte die Räume an Ivan S. vermietet – und war an den Geschäften beteiligt. Im September 2016 ist V. dann vor dem Landgericht Potsdam wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln und Beihilfe zum Drogenhandel zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. In elf Fällen hat V. laut dem im März dieses Jahres vom Bundesgerichtshof (BGH) bestätigten Urteil für die Drogenbande insgesamt 136 Kilogramm Cannabis von den Niederlanden nach Deutschland eingeführt. Indem er seinen Keller an den Chef der deutsch-russischen Bande vermietet hat, leistete er Beihilfe zum groß angelegten Drogendeal.

Vor Gericht hatte V. erklärt, wegen einer finanziellen Notlage infolge des damals geringen Milchpreises auf das Drogengeschäft eingegangen zu sein. Für seine Kurierdienste habe er insgesamt 17 000 Euro erhalten, dazu jährlich 300 Euro Miete für den Keller.

Der Milchviehhof diente der Bande um Ivan S. als Lagerraum und Umschlagplatz, um die Drogen von Werbig aus weiter zu vertreiben. Ivan S. hat den Ermittlern zufolge sowohl den Schmuggel als auch den Absatz der Drogen organisiert. Die wurden nicht nur aus den Niederlanden, sondern auch aus Spanien nach Bad Belzig gekarrt.

Die Aussagen des 62-jährigen Niederländers halfen den Ermittlern, den 26-jährigen Ivan S. zu finden. Marinus V. konnte Bilder und Adressen von S. liefern, der den Behörden zuvor nicht bekannt war. Ivan S. und seinen Komplizen drohen nun Strafen von bis zu 15 Jahren Haft. Im Zuge der Untersuchungen konnten die Ermittler der Bande auch einen schweren Raubüberfall nachweisen. Details wollte die Staatsanwaltschaft Potsdam zu diesem Fall jedoch wegen weiterer Ermittlungen nicht nennen.

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