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  • 12.09.2017
  • von Solveig Schuster

Schleusenmuseum an Schiff interessiert: Ein exponierter Platz für Kaisers Exponat

von Solveig Schuster

Kaisers Boot. Im Kleinmachnower Augustinum steht ein historisches Schiff. Foto: Solveig Schuster

Das historische Modellschiff im Augustinum in Kleinmachnow hat eine bewegte Geschichte. Nun soll es umziehen.

Kleinmachnow - Die Segel aufgezogen, die Kanonenrohre im hölzernen Rumpf auf den Betrachter gerichtet: An einer breiten Fensterfront, selbst durch dickes Glas geschützt, steht im Foyer der Kleinmachnower Seniorenresidenz Augustinum ein riesiges Modellschiff. Drei Meter lang und mehr als zwei Meter hoch. Wie alte Bilder belegen, hing es einst an der Decke des Wirtshauses, das mit der Schleuse am Ufer des Teltowkanals errichtet worden war. Später landete es im Berliner Museum für Technik und Verkehr. Nachdem die Gemeinde Kleinmachnow das geschichtsträchtige Schiff zur Jahrtausendwende zurück in die Region geholt hatte, könnte es nun, gut 15 Jahre später, nochmals seinen Platz wechseln. Das kürzlich eröffnete Schleusenmuseum hat Interesse angemeldet (PNN berichteten). Auch das Rathaus ist als Ausstellungsort im Gespräch.

Schiff könnte Nachbildung der "Chur Prinzess" sein

Nach der Begleitschrift soll es sich bei der Leihgabe des Berliner Museums um ein Modell der kurfürstlich-brandenburgischen Fregatte holländischer Bauart handeln, gefertigt 1901 vom Emdener Modellbauer Friedrich Barth. 1902 sei das Modellschiff Kaiser Wilhelm II. anlässlich seines Besuchs in Emden überreicht worden. Vier Jahre später soll dieser es dem Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch während einer Mittagstafel im Restaurant „Machnower Schleuse“ zur Eröffnung des Teltowkanals geschenkt haben. Angenommen wird, dass es sich bei dem Schiff um die 1684/1685 auf der kurfürstlichen Werft in Berlin erbaute „Chur Prinzess“ handelt. Gesicherte Nachweise für die Überlieferung gibt es aber nicht.

Als das Berliner Technikmuseum, in das das Artefakt zwischenzeitlich gekommen war, das Schiff aufgrund von Platzproblemen im Keller verschwinden lassen wollte, hatte sich Kleinmachnow entschieden, das Modell in die Gemeinde zu holen, erzählt der frühere Fachbereichsleiter Soziales der Gemeinde, Peter Dietrich. „Das Augustinum war der einzige Ort, an dem sich mit dem großen Foyer eine ausreichende Fläche bot", erinnert sich der heute 74-Jährige. Ein Standortwechsel sei immer wieder im Gespräch gewesen, sagt Kleinmachnows amtierender stellvertretender Bürgermeister, Hartmut Piecha. Allerdings sei das Schiff ob seiner Maße nicht überall unterzubringen.

Das Schiff als Wahrzeichen der Gemeinde

Auch innerhalb der Kleinmachnower Schleuse wäre das riesige Schiff aufgrund der beengten Verhältnisse vermutlich nicht zu platzieren. Das Museum, das sich im Obergeschoss des denkmalgeschützten Baus befindet, hat sich zunächst mit einem ähnlichen, aber wesentlich kleineren Schiffsmodell beholfen, um dennoch die Geschichte des großen Vorbildes abzubilden. „Das Originalmodell hätte im Schleusenmuseum sicher einen anderen Effekt in der Darstellung als im Augustinum“, sagt Rudolf Mach, Vizevorsitzender des Kleinmachnower Heimatvereins. Aber auch im Kleinmachnower Rathaus wäre das Schiff einem breiteren Publikum zu vermitteln. Das Rathaus, in dem sich bereits ein Modell des Alten Kleinmachnower Dorfkerns befindet, stellte schon immer eine Alternative dar. „Das Schiff sollte ein Wahrzeichen für die Gemeinde und deshalb öffentlich zugänglich sein“, sagt Peter Dietrich. Das 2004 eingeweihte Rathaus sei schon bei der Standortsuche zur Jahrtausendwende im Gespräch, aber damals noch nicht fertig gewesen, erklärte er.

Das Augustinum selbst zeigt sich offen für einen Umzug des Schiffes. Es sei durchaus eine Überlegung, wenn sich ein noch besserer Platz findet, erklärte Matthias Steiner, Leiter Unternehmenskommunikation der Augustinum-Gruppe. Da das Modell im Seniorenwohnhaus ohnehin nur als Leihgabe ausgestellt sei, liege die Entscheidung letztlich beim Eigentümer.

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