18.11.2017, 7°C
  • 09.09.2017
  • von Gerold Paul

Galerie Töplitz: Hinter die Fassaden blicken

von Gerold Paul

Malerei, Grafik, Bildhauerei. Die Galerie Töplitz steht für junge Kunst. Foto: privat

Die Galerie Töplitz zeigt drei junge Künstler.

Werder (Havel) - Was ist der Unterschied zwischen dem neugierigen Spatz und einem Menschen? Der Spatz schaut hartnäckig hinter einen Spiegel, obwohl da nichts ist. Herr Sapiens indes schaut nirgendwo mehr richtig dahinter – obwohl da etwas ist, hinter den Bildern der Welt. Anders die Künstler der dritten und letzten Jahresausstellung des Vereins Havel-Land-Art in der Insel-Galerie zu Töplitz. Dank einer pfiffigen Kuratorenschaft hat die seit mehr als einem Jahrzehnt oft Erstaunliches zu bieten: Junge Leute mit unverbrauchtem Blick und der Fähigkeit, „dahinter“ zu schauen.

Vielleicht hat der Veranstalter mit Krzysztof Debicki, Jonathan Kraus und der charmanten Bildhauerin Julia Schleicher auch diesmal ein „großes Los“ gezogen. Zum Verständnis des Oeuvres von Krzysztof Debicki hätte es trotzdem einiger Zusatzinfos bedurft. In Polen geboren, in Kanada aufgewachsen, Großstadtmensch in New York und Rom, Studium und Aufenthalt in Berlin, Reise nach China, wo er die brutale Urbanisierung in seinen „Architekturzeichnungen“ festhielt. Bei der grau-trostlosen Serie „Dorf in der Stadt“ zum Beispiel, wo die Stadt das Dorf auffrisst. Oder eben die Dächer der Altstadt von Osaka im Großformat. Alles ist mehr als nur Fassade.

Julia Schleicher ist eine „Giebichensteinerin“ und als Bildhauerin überzeugt, dass das Figürliche immerdar trägt. Nach neun Studienjahren beherrscht sie ziemlich alles, was die Bildhauerhand können sollte. Sie hat bemalte Betonbüsten mitgebracht, ein Porträt ihrer Tochter, dann vor allem kleinformatige Tierplastiken wie den lümmelnden Pferdemenschen, einen Latzhosenhasen, selige Ziegenköpfe mit Pan-Gebärde. Sind das Augenzwinkern, das zeitlose Spiel mit der Welt nicht die Pforte zur Poesie, zur Verwandlung? Hier steht Ovid sehr gerne Pate, und Herr Darwin ärgert sich. Es ist eben mehr dahinter, als man so denkt.

Jonathan Kraus als Dritter. Seine Arbeiten wirken wie Genremalerei, sind es aber nicht. Mit seinen „Hintergründen“ experimentiert er, vorderhand hat er einen wunderbaren Sinn zum Bildaufbau. Positiv und negativ, Leben und Tod, innen und außen zeigt das Bild seiner Freundin in einer „Bettphantasie“, von Monroe- und Warhol-Zitaten umzingelt. Oder jener geheimnisvolle Mann links im Bildrand, auch hier Warhol-Arbeit im Hintergrund. Im Gespräch erfährt man, dass dies der einzige Wächter im vor gut 40 Jahren geschlossenen Museum of Modern Art in Teheran ist. Täglich geht er, es gut zu bewachen. Oder ein paar Ornamente auf leerem Bildgrund, eine Champagnerflasche vorne, „die noch heute ungeöffnet im Atelier steht“, das war es. Nimm es, Publikum, wenn du kannst! So sind Jonathan Krausens Bilder gebaut und gemeint. Spatz oder Mensch: Man muss nur hinter die Fassaden zu sehen verstehen, hinter die eigenen zuerst. Schön, dass es mit Töplitz noch ein bisschen so weitergeht. 

Vernissage ist am Samstag, dem 9. September, um 17 Uhr in der Galerie Töplitz, An der Havel 68, Dorfplatz. Um 16 Uhr gibt es nebenan in der Dorfkirche Töplitz ein Eröffnungskonzert von Mitgliedern des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters. Die Ausstellung kann bis zum 17. September, Mo. bis Fr. von 16 Uhr bis 18 Uhr und Sa. bis So. von 14 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden.

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