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Teltow

  • 26.08.2017
  • von Enrico Bellin und Kirsten Graulich

Teltow: Durchstich am Hafenbecken

von Enrico Bellin und Kirsten Graulich

Verbunden. Ins Teltower Hafenbecken fließt seit Freitag Wasser, der Durchstich zum Teltowkanal ist geschafft. Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD, l.) und Ulrich Witzig (CDU), Vorsitzender des Hafenausschusses, glauben daran, dass das Millionenprojekt ein Erfolg wird. Foto: Manfred Thomas

Teltows größte Baustelle ist angeschlossen, doch es gibt weiter Kritik an der Aufarbeitung des Hafenprojekts

Teltow - Die Teltower Hafenbaustelle ist nun bewässert. Am gestrigen Freitagmorgen wurde der Durchstich zwischen dem Hafenbecken und dem Teltowkanal gebaggert, durch zwei Rohre fließt das Wasser nun in die Baustelle. Seit drei Jahren ist der Hafen im Bau, die Kosten haben sich mit knapp 15 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Nun kommt erneut Kritik an der Stadtspitze um Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) auf. Laut Wählervereinigung Bürger für Bürger (BfB) sei der Hafen deutlich teurer, zudem sei fraglich, ob ein Gutachter den bisherigen Hafenbau neutral bewerten kann.

Wie berichtet hatten die Stadtverordneten vor knapp einem Jahr ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches die Gründe für die Kostensteigerungen zu Tage fördern soll. Eigentlich sollte es schon Ende 2016 vorliegen, bisher wurden den Stadtverordneten nur Teilergebnisse präsentiert. Der Stadtverordnete und BfB-Bürgermeisterkandidat Andreas Wolf hat nun eine den PNN vorliegende Anfrage an die Stadt gestellt, da er befürchtet, dass der Gutachter durch einen Anwalt der Stadt beeinflusst werden könnte.

„Eine von den Stadtverordneten beschlossene Überprüfung der Verantwortlichkeiten für die Kostenexplosion durch einen unabhängigen Gutachter wird nun durch die Einschaltung des Rechtsanwalts Prof. Dombert konterkariert“, schreibt Wolf. Dombert sei ein „Prüfer des Prüfers“. Zudem berichte der Gutachter nicht mehr selbst in den Ausschüssen über seine Ergebnisse, sondern lasse nur Teilergebnisse im nicht-öffentlichen Teil von Sitzungen durch den Anwalt der Stadt mitteilen. Auch werde die Verantwortung der Verwaltung für die Kostensteigerung nicht untersucht. Wolf geht zudem von wesentlich höheren Kosten als den 14,6 Millionen Euro aus, die derzeit im Haushalt stehen. So seien schon 2,7 Millionen Euro an Baunebenkosten bezahlt worden. Weitere Millionen würden für eine Brücke und ein Hafengebäude nötig. „Wir fordern klar den Stopp der Marina und den Stopp der Steuergeldverschwendung“, so Wolf. Bisher hatte er sich dafür eingesetzt, die Bürger zu einem möglichen Baustopp zu befragen.

Teltows Bürgermeister Schmidt, der bei der Bürgermeisterwahl am 24. September wiedergewählt werden will, wies die Vorwürfe auf PNN-Anfrage entschieden zurück. Selbstverständlich könne der von den Stadtverordneten beauftragte Gutachter unabhängig arbeiten. Der von der Stadt beauftragte Rechtsanwalt könne dem Gutachter nichts vorschreiben. „Der Anwalt ist für die Stadt da, falls im Gutachten festgestellt wird, dass die beauftragten Firmen kapitale Fehler gemacht haben und wir Regressansprüche geltend machen können“, so Schmidt. Er hält die Anfrage von Wolf, die ihm am Freitag noch nicht vorgelegen habe, für Wahlkampftaktik. „Mir ist nicht klar, welche wirklichen Interessen die Gruppierung vertritt, wenn durch den Anwalt Schaden von der Stadt abgewendet werden kann.“ Wann das finale Gutachten präsentiert wird, wisse bisher nur der Gutachter genau. Im Rathaus gehe man aber davon aus, das im Oktober damit zu rechnen ist – also nach der Wahl.

Beim gestrigen Hafendurchstich sprach Schmidt von einem „historischen Moment“ für Teltow. Ulrich Witzig (CDU), Chef des Hafenausschusses, sagte: „Es macht mich froh, dass nun trotz der ganzen Querelen bald Wasser im Hafen sein wird.“ Laut Projektleiter Dietmar Städter wird ab Montag mit dem eigentlichen Wasserbau begonnen. Ein Bagger, der auch im Wasser arbeiten kann, soll dann das Relief des Hafenbeckens gestalten. Mit Sandmatten und Wasserbausteinen soll die Uferböschung abgesichert werden.

Für die Stege, an denen einmal 39 Sport- und Freizeitboote liegen können sollen, wurden bereits Stahlrohre in den Boden gerammt. Drei Meter tief soll das Becken werden. Die Stadt Teltow rechnet damit, dass das Hafenbecken im 2018 fertig sein wird. Komplett vollendet sein wird das Projekt dann aber wohl nicht. Wie berichtet hatte die Stadt nach Investoren gesucht, die das Hafengebäude errichten wollen, in dem eine Gastronomie sowie Büros und Sanitäranlagen entstehen sollen. Zu den bisherigen Rückmeldungen von Investoren hält sich die Stadt bedeckt. Ein Zuschlag soll im Januar erfolgen, die Bauzeit wird mit etwa einem Jahr angegeben. Die Stadt hatte sich für die Ausschreibung entschieden, um die Kosten für den Hafenbau nicht noch weiter ansteigen zu lassen. Der Hafen ist seit November 2014 im Bau und sollte eigentlich im Mai dieses Jahres eröffnen.

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