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  • 04.08.2017
  • von Martin Anton

Elterngeld in Potsdam-Mittelmark: Lange Wartezeiten bei Elterngeld

von Martin Anton

Foto: Marcel Kusch/dpa

Anträge von Bürgern auf Elterngeld bleiben derzeit oft wochenlang liegen. Auch aus Personalmangel.

Bad Belzig - Katja Baschke ärgert sich. Dabei hat die Ärztin aus Ferch gerade ihr viertes Kind bekommen, also Anlass zur Freude. Der Grund für ihren Ärger liegt etwa 30 Kilometer Luftlinie entfernt in Bad Belzig, genauer gesagt in der Kreisverwaltung. Dorthin hat Baschke vor ungefähr fünf Wochen ihren Antrag auf Elterngeld geschickt – und da liegt er offenbar immer noch. Wenn in wenigen Tagen ihr Mutterschutz ausläuft, wird sie kein Einkommen haben und wohl auch kein Elterngeld.

Vor zehn Jahren führte Deutschland das Elterngeld ein. Der Staat will damit den Verdienstausfall mildern, wenn Eltern nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit von der Arbeit nehmen. Beiden Elternteilen stehen zusammen 14 Monate Elterngeld zu, in Höhe von etwa zwei Dritteln des vorherigen Einkommens. Die erste Zahlung, so steht es in einer Richtlinie zum Elterngeld, muss spätestens einen Monat nach Eingang des vollständigen Antrags erfolgen.

Eine Bearbeitungszeit von vier Wochen ist allerdings bundesweit eher die Ausnahme. Bei den Elterngeldstellen des Landkreises Potsdam Mittelmark aber müssen junge Eltern seit Monaten besonders lange warten. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres dauerte die Bearbeitung eines Antrags auf Elterngeld im Durchschnitt mehr als elf Wochen. Das geht aus einer Antwort des Landkreises auf eine Anfrage der Linken im Kreistag hervor. Demnach wurden nur zehn Prozent der Anträge innerhalb von fünf Wochen bearbeitet, 63 Prozent dauerten länger als acht Wochen.

Inzwischen, so Landkreissprecher Kai-Uwe Schwinzert, läge die durchschnittliche Bearbeitungszeit bei neuneinhalb Wochen. Grund für die Verzögerungen sei eine unerwartete Fluktuation bei der Zahl der Bearbeiter. Nachdem im Jahr 2013 schon einmal lange Bearbeitungszeiten für Unmut gesorgt hatten, stockte die Verwaltung das Personal von drei auf fünf Personen auf. Zwei Arbeitskräfte hätten jedoch im Frühjahr die Abteilung gewechselt, eine weitere sei länger krank, weswegen derzeit nur zwei Personen die Anträge bearbeiten.

Im Juni hat der Landkreis zwei neue Stellen ausgeschrieben, die in der kommenden Woche besetzt werden sollen. Trotzdem glaubt Schwinzert nicht, dass es bei dem Problem schnelle Abhilfe gibt. Schließlich müssten neue Mitarbeiter erst eingearbeitet werden. „Wir hoffen bis zum Herbst auf Entlastung“, sagte er den PNN.

Bis dahin müssen sich junge Mütter und Väter im Landkreis gedulden. Katja Baschke und ihr Mann haben nach entsprechenden Erfahrungen vor vier Jahren etwas Geld für eine mögliche Wartezeit zurückgelegt. Das können jedoch nicht alle Familien. Gerade Alleinerziehende sind oft dringend auf das Elterngeld angewiesen, können nicht einfach zwei oder gar drei Monate ohne finanzielle Hilfe überbrücken. Martin Anton

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