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Stahnsdorf

  • 18.07.2017
  • von Martin Anton

Ruhlsdorfer Strasse: Stahnsdorf will Fassade der Pardemann-Villa erhalten

von Martin Anton

Die alte Fabrikantenvilla in Stahnsdorf wird an den Landkreis verkauft, der sie abreißen möchte. Foto: Sebastian Gabsch

Die Gemeindevertreter stimmen dem Verkauf an den Landkreis zu. Der Bau der Kreisvolkshochschule wird allerdings an eine Bedingung geknüpft.

Stahnsdorf - Lange wurde über die Zukunft der Ruhlsdorfer Straße 1 in Stahnsdorf diskutiert. Am Montagabend entschieden die Gemeindevertreter jetzt: Das Grundstück mit einer Größe von 657 Quadratmetern wird mitsamt der Villa aus dem Jahr 1910 für 132.000 Euro verkauft. Eine Kaufanfrage hatte der Landkreis Potsdam-Mittelmark gestellt. Der möchte das Haus abreißen und dort den Geschäftssitz für seine Kreisvolkshochschule (KVHS) bauen. 

Vor der Abstimmung am Montagabend fügten die Gemeindevertreter allerdings noch eine Passage in den Beschluss ein, die dem Käufer eine Aufgabe mit an die Hand gibt: Die historische Fassade der alten Villa soll demnach auch bei einem Abriss erhalten bleiben. „Bei der Planung des Volkshochschul-Gebäudes werden wir darauf achten, dass der Landkreis uns in seine gestalterischen Überlegungen einbezieht“, sagte Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger).

Wie konkret diese Überlegungen aussehen, ist noch nicht klar. Laut Beschluss soll „zumindest die zum Stahnsdorfer Hof zeigende Giebelseite des Gebäudes erhalten“ bleiben und in das neue Gebäude integriert werden. „Minimalziel ist dabei“, heißt es in dem Dokument weiter, „auch im Falle der Neubebauung [...] Teile der ortsbildprägenden Fassade zu bewahren, sie als Ansicht und mit fachgerechter Dokumentation, mit sachgerechter Lagerung und zur Stabilisierung, zu sichern“. Die Passage basiert auf einem Vorschlag der Grünen.

Beim Landkreis wusste man am Dienstagvormittag noch nichts von dem Beschluss. Am Nachmittag hieß es dann, man wolle die Passage zunächst nicht kommentieren, sondern sich mit der Gemeinde über die Hintergründe beraten.

Der Entscheidung der Stahnsdorfer Gemeindevertreter war eine lange Diskussion vorangegangen: Politiker, Bürger und die Künstlergruppe Art Event hatten sich im vergangenen Jahr für den Erhalt der Villa in der Ruhlsdorfer Straße 1 eingesetzt. Im Mai hatte die zwölfköpfige Künstlergruppe dort eine Ausstellung organisiert. Unter den Motto „Durchzug“ eröffneten die zwölf Künstler neue Perspektiven auf die mehr als 100 Jahre alte Villa. Art Event wollte mit der Ausstellung unterstreichen, dass das Haus nach wie vor nutzbar ist. 

Künstlerin Frauke Schmidt-Theilig war wegen der Villa wiederholt bei der Gemeinde vorstellig geworden. Auch bei der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag hatte sie noch einmal an die Politiker appelliert, das „Kleinod“ nicht zu verkaufen. „Das Haus ist ein Schatz“, begründete Schmidt-Theilig am Dienstag gegenüber den PNN noch einmal ihren Einsatz für die Villa. Zwischenzeitlich hatte die Künstlergruppe auch überlegt, das Haus selber zu kaufen, diesen Gedanken dann aber wieder verworfen. 

Auch Wolfgang Brenneis, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stahnsdorfer Gemeinderat, hatte sich gegenüber den PNN noch vor der Abstimmung für den Erhalt der Villa ausgesprochen. Seine Fraktion stimmte am Montag dann auch komplett gegen den Verkauf. Peter Weiß (CDU), Vorsitzender des Finanzausschusses, ärgerte sich zudem über die Art des Verkaufs. Die Gemeinde würde das Grundstück zum Bodenrichtpreis verkaufen. Man hätte aber mindestens 200.000 Euro verlangen können: „Die Gemeinde hat nichts zu verschenken.“ Außerdem sei der Verkauf nicht im Finanzausschuss beraten worden. „So ein Verkauf gehört in die Ausschüsse“, sagte Weiß.

Für den Erhalt der für den Gutsherren-Erben Albert Pardemann erbauten Villa hatte sich auch eigens der Verein „Bürgerhaus Ruhlsdorfer Straße 1“ gegründet. Die Mitglieder setzten sich dafür ein, dass die Gemeinde das Haus behalten und für Lesungen, Konzerte und Ausstellungen nutzen solle. Vereinsvorsitzende Marion Storm zeigte sich trotz des Zusatzes zum Verkaufsbeschluss enttäuscht von der Entscheidung: „Das ist schade“, sagte sie den PNN. Es habe durchaus Möglichkeiten gegeben, den Bau zu erhalten. So hätte etwa das Haus als Eingang für einen Anbau fungieren können. 

Am Donnerstag hatte KVHS-Leiterin Indra Kühlcke vor den Gemeindevertretern ein Plädoyer für die Ansiedlung der Volkshochschule gehalten. Neben den Veranstaltungs- und Verwaltungsräumen soll demnach auch die Kunst in dem Neubau Platz zur Entfaltung erhalten. Weil die Sitzung am Donnerstag zu lange gedauert hatte, war die Entscheidung auf den Montag verlegt worden. 

Der jetzige Beschluss der Gemeindevertreter trägt den verschiedenen Meinungen um den Erhalt der Villa Rechnung. Auch das knappe Abstimmungsergebnis von zehn zu acht Stimmen und keinen Enthaltungen zeigt die Zerrissenheit der Gemeindevertretung bei dem Thema. Ob der nun erreichte Kompromiss allerdings so umgesetzt werden kann, wird sich zeigen.

Im Übrigen steht in dem vom Bürgermeister vorgelegten Beschluss nicht explizit, dass das Grundstück an den Landkreis verkauft wird. Unter Punkt 4 heißt es lediglich: „im Falle der Neubebauung zum Beispiel durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark“. Auch hier sieht der Landkreis laut Sprecher Kai-Uwe Schwinzert noch „Erläuterungsbedarf“. 

Das Grundstück liegt gegenüber dem „Stahnsdorfer Hof“, verkehrstechnisch günstig nahe der Kreuzung Wilhelm-Külz-Straße, Bäkedamm und Zehlendorfer Damm.

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