21.09.2017, 15°C
  • 15.07.2017
  • von Martin Anton

Protest der Ehrenamtler: Stahnsdorfer Feuerwehr: Schluss mit freiwillig

von Martin Anton

Als Rattenloch verschrien. Stahnsdorfer Feuerwehrleute wollen nicht länger auf ein neues Depot warten. Foto: Andreas Klaer

Seit 2011 sucht die Gemeinde einen Standort für die neue Feuerwache. Jetzt greifen die Ehrenamtler zu einer drastischen Maßnahme.

Stahnsdorf - Kein Tag der offenen Tür, keine Unterstützung beim Sommerlauf, kein Grill beim Martinsumzug der Kitas: Die Freiwillige Feuerwehr Stahnsdorf stellt ab sofort jedes freiwillige gesellschaftliche Engagement in der Gemeinde ein. Das teilen die ehrenamtlichen Helfer in einem offenen Brief an Bürgermeister Bernd Albers (BfB) und die Gemeindevertreter mit, den sie am Donnerstag auch auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten.

Der Grund liegt auf der Hand: Seit mehr als sechs Jahren sucht die Gemeinde Ersatz für das marode Gerätehaus der Feuerwehr am Dorfplatz – bisher vergeblich. Thomas Steinecker, Ortswehrführer Stahnsdorf, sagte am Freitag gegenüber den PNN: „Seit 2014 bewegt sich gar nichts mehr.“ Die Gemeindevertreter fänden keinen gemeinsamen Nenner. Er habe in dieser Lage Schwierigkeiten, seine Mannschaft zu motivieren. Die jetzige Aktion der Feuerwehr sei „die erste Stufe der Eskalation“. „Wir wollen ein Zeichen setzen: So kann man nicht mit uns umgehen.“

Viel Zuspruch für Appell der Feuerwehr

Bereits 2013 wurde der Neubau einer Wache auf dem Gemeindegrundstück an der Annastraße neben dem Gemeindezentrum beschlossen. Bevor der Bau aber beginnen konnte, wurde der Beschluss 2015 von der neu gewählten Gemeindeversammlung aufgehoben. SPD, Linke, CDU und die Wählergemeinschaft „Wir vier“ bevorzugen einen Standort am Güterfelder Damm. Das dortige Waldgrundstück in Baugrund umzuwandeln ist laut Bürgermeister Albers aber problematisch. Vorschläge, eine neue Wache im Gewerbegebiet zu bauen, lehnt die Feuerwehr ab. „Das kommt aus einsatztaktischen Gründen nicht infrage“, stellt Steinecker fest.

Die Feuerwehr entschuldigte sich in ihrem Brief bei den „unschuldigen“ Stahnsdorfern, die unter ihrem Boykott leiden. Die Hoffnung sei, dass „der Leidensdruck auf die Gemeindevertreter durchschlägt“. Zumindest auf Facebook bekam der Appell viel Zuspruch.

CDU: Bürgermeister Albers blockiert 

Wolfgang Brenneis, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Gemeindeversammlung, wehrt sich indes dagegen, dass die Gemeindevertreter die Schuld an der Misere tragen. „Blockieren tut der Bürgermeister“, sagte er am Freitag den PNN. Es gebe seit eineinhalb Jahren einen Beschluss für das Grundstück am Güterfelder Damm. Auch wenn der Beschluss schwerer umzusetzen sei als gedacht, habe er Bestand. „Der Bürgermeister hält an der Annastraße fest.“ Gegen diesen Standort sprechen nach seiner Auffassung der wertvolle Baugrund sowie die Nähe zum Wohngebiet. Bei allem Verständnis für die Lage der Feuerwehr hält Brenneis die jetzige Maßnahme für sehr drastisch. „Wir werden sehen, ob sie das durchziehen.“

Von Bürgermeister Albers hieß es am Freitag, er bedauere den Schritt der Feuerwehr, halte die Reaktion aber für „nachvollziehbar“. „Der Brandschutz bleibt gewährleistet“, stellte er fest. Und: „Wir arbeiten derzeit an einer alternativen Lösung an einem konsensfähigen Standort.“ Ob es sich dabei um einen der beiden genannten Standorte oder einen neuen Vorschlag handelt, bleibt aber unklar.

Gesellschaftliches Leben ohne Feuerwehr

Feuerwehrmann Steinecker hat solche Sätze in den vergangenen Jahren jedenfalls zu Genüge gehört. „Ich weiß nicht, was für eine Lösung das ist.“ Direkte Rückmeldungen aus der Politik hat er auf den Brief noch nicht bekommen.

Klar ist, dass die Stahnsdorfer, bis ein Konsens gefunden ist, im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde auf ihre Feuerwehr verzichten müssen. Sollte bis Jahresfrist keine Lösung gefunden sein, so steht es im Brandbrief, behält sich die Wehr weitere Schritte vor. Was diese Schritte sein könnten, wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Fest steht: Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Stahnsdorf hat wegen des Hin und Hers schon seinen Dienst quittiert.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!