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  • 15.07.2017
  • von Martin Anton

Inteview mit Werders Ehrenbürger Werner Große: „Wir werden auch die Therme schaffen“

von Martin Anton

Standing Ovations. Werner Große (r.) bei der Festsitzung zur 700. Jubiläum. Foto: Tom Klement/werderfoto.de

Der frühere Bürgermeister von Werder (Havel, Werner Große, ist zum Ehrenbürger seiner Stadt ernannt worden. Im PNN-Interview spricht er über Potsdams Arroganz, die Blütentherme und den Umgang mit Neu-Bürgern.

Wie fühlt man sich so als Ehrenbürger der eigenen Stadt?

Das habe ich mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich mal Ehrenbürger von Werder (Havel) werde. Es ist eine hohe Ehre. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich vorgeschlagen haben.

Die Leute erkennen an, dass Sie sich um die Stadt verdient gemacht haben.

Wenn man mit Leib und Seele Bürgermeister ist und seine Stadt liebt, dann versucht man natürlich, das Beste herauszuholen. Ich bin immer unabhängig von Parteizugehörigkeit mit allen gut ausgekommen. Minister unterschiedlicher Parteien sind gekommen und gegangen. Ich denke, es wurde anerkannt, dass ich nicht meine Partei habe raushängen lassen, sondern mich immer an der Sache orientiert habe. Und Hartnäckigkeit gehört in diesem Geschäft natürlich dazu.

Sie sind vor drei Jahren zurückgetreten. Vermissen Sie das Bürgermeistersein schon?

Ich habe mich wegen der Krankheit lange mit dem Thema Rücktritt beschäftigt. Wenn man fühlt, dass man nicht mehr 100 Prozent fit ist, dann sollte man auch nicht an seinem Amt kleben. Es war die richtige Entscheidung. Und ich bin ja noch in der Politik, als Stadtverordneter und Vorsitzender des Kreistags. Von 100 Prozent auf Null, das geht nicht. Ich bin zufrieden mit meinem Leben jetzt.

Das heißt, die beiden Ämter sind nicht so anstrengend wie das des Bürgermeisters?

Nein, es ist ruhiger. Und man hat vor allem diese Verantwortung nicht mehr. Die Stadtverwaltung ist der größte Arbeitgeber in der Stadt. Stellen Sie sich vor, die Leute kriegen ihr Geld nicht, weil keines da ist.

Ihnen geht es jetzt gesundheitlich gut?

Ich bin in der Nachsorge, im Moment ohne Befund. Ich hoffe, das bleibt so.

Ein Vermächtnis Ihrer Amtszeit ist die unfertige Blütentherme. Was wünschen Sie sich, dass da passiert?

Die Ausschreibung ist raus, es gibt etliche Bewerber. Ich bin optimistisch, dass wir das in den nächsten zwei, drei Jahren auf die Reihe kriegen. Der Standort ist top. Wir haben bis jetzt alles geschafft, dann werden wir das auch noch schaffen.

Aber das Projekt ist schon mit Schmerzen und hohen Kosten verbunden.

Aber die sind es wert. Wir haben ja auch Einnahmen durch die Zuzüge und die Gewerbe, die sich dort angesiedelt haben. Das ist eigentlich ein Selbstläufer.

Anderes Thema: Zeppelinstraße. Die Verengung betrifft auch Pendler aus Werder …

Mir kann doch kein Mensch erzählen, dass, wenn ich früher 20 Minuten nach Potsdam gebraucht habe und jetzt eine Stunde brauche, dass dann weniger Stickoxide ausgestoßen werden. Die Stadt Potsdam nimmt das Umland nicht ernst. Das ging schon mit der Pförtnerampel in Geltow los. Wenn Potsdam keine Leute mehr will, sollen sie es sagen. Ich hätte mir schon gewünscht, dass Potsdam enger mit seinem Umland zusammenarbeitet.

Hätten Sie als Bürgermeister diese Entscheidung verhindern können mit Ihrem oft gepriesenen Verhandlungsgeschick und Ihrer Hartnäckigkeit?

Das glaube ich nicht. Ich habe den Eindruck, die Umland-Gemeinden spielen keine Rolle in der Potsdamer Stadtpolitik. Das hatte sich unter Oberbürgermeister Jann Jakobs eigentlich gebessert. Ich bin immer gut mit ihm ausgekommen. Aber es gab schon bessere Zeiten als jetzt.

Nicht nur die Werderschen pendeln nach Potsdam, es kommen auch viele aus Potsdam und Berlin hierher zum Wohnen. Was bedeutet das für die Identität der Stadt?

Wir haben immer sehr viel Wert auf ein aktives Vereinsleben gelegt und tun es heute noch. Das ist die beste Möglichkeit, die Zugezogenen ins gesellschaftliche Leben zu integrieren.

Gibt es also keine Probleme zwischen den Berlinern und den Werderschen?

Nein. Und es gibt ja das schöne Sprichwort: Der Berliner lacht, wenn der Werdersche ihm das Geld aus der Tasche zieht.

Werder feiert dieses Jahr 700. Jubiläum. Was ist Ihr Wunsch für die Stadt?

Wir haben große Herausforderungen durch den Zuzug. Früher haben wir Kitas schließen müssen, heute bauen wir welche. Ich wünsche mir, dass wir zusammenstehen, dass wir die Stadt als unsere Stadt verstehen, egal ob Ureinwohner oder Zugezogene. Auf den Zusammenhalt in der Stadt sollte man immer das größte Augenmerk legen. Was nutzt einem die beste Straße, wenn die Nachbarn sich nur streiten?

Das Interview führte Martin Anton

Werner Große wurde am 9. November 1949 geboren. Nach einer Lehre zum Facharbeiter für Obst- und Gemüseproduktion studierte Große bis 1973 an der Universität Halle-Wittenberg Jura. 1971 trat er der CDU der DDR bei. Im Mai 1990 wurde er zum Bürgermeister von Werder (Havel) gewählt. Er prägte die Entwicklung der Stadt in der Nachwendezeit und wurde immer wieder im Amt bestätigt. 2014 trat Große wegen einer Krebserkrankung zurück. Aktuell ist er Stadtverordneter in Werder und Vorsitzender des Kreistages Potsdam-Mittelmark.

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