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Werder

  • 27.06.2017
  • von Julia Frese

Ernte in Potsdam-Mittelmark: Nicht gut Kirschen essen

von Julia Frese

Die Kirschernte in Brandenburg fällt in diesem Jahr äußerst gering aus. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Obstbauern aus Potsdam-Mittelmark haben in diesem Jahr mit erheblichen Ernte-Einbußen zu kämpfen. Die wenigen Kirschen, die ihnen bleiben, müssen sie nun teurer verkaufen.

Werder (Havel) - Nach herben Ernteeinbußen wegen der Kältewelle im Frühjahr haben die Werderaner Obstbauern die Preise für ihre Früchte angehoben. „In normalen Jahren kostet das Kilo so etwa 4,50 bis fünf Euro“, sagt Walter Kassin, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Werder. „Dieses Jahr sind es sechs Euro.“ Durch die höheren Preise hoffen die Obstbauern, zumindest einen Teil der finanziellen Verluste wettzumachen, die ihnen durch die hohen Ernteeinbußen in diesem Jahr entstehen.

Kirschen aus Werder finden trotzdem Käufer

Wie berichtet haben einige Obstbauern in Potsdam-Mittelmark nach einer Frostnacht Ende April Ernteeinbußen von bis zu 100 Prozent erwartet. Bei den frühen Sorten habe sich diese Prognose großteils bewahrheitet, so Kassin. „Bei den späteren Knorpelkirschen sind immerhin rund 40 Prozent etwas geworden.“ Die Werderaner Kirschen fänden jedoch trotz Preisanstieg bisher viele Käufer, da heimische Früchte am beliebtesten seien, so Kassin.

Das Land Brandenburg hat den betroffenen Landwirten für dieses Jahr eine Entschädigungszahlung zugesagt, um ihnen bei der Existenzsicherung zu helfen. „Wie viel Geld wir bekommen werden, wissen wir noch nicht, aber es hat jeder von uns einen Antrag ausgefüllt“, sagt Kassin über die Werderaner Obstbauern.

Auch in anderen Bundesländern können 2017 kaum Kirschen geerntet werden. In Baden-Württemberg – einem der Hauptanbaugebiete für Kirschen in Deutschland – gibt es laut Franz-Josef Müller, Vizechef der Bundesfachgruppe Obstbau, Einbußen von etwa 80 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Durch das knappere Angebot am Markt seien deutlich höhere Preise unvermeidlich, sagte Müller. So könnte ein Kilo Kirschen, das auf Märkten normalerweise zwischen vier und acht Euro kostet, bald sechs bis zehn Euro kosten.

In Supermärkten vor allem Kirschen aus dem Ausland

Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist zwar aufgrund zuletzt gestiegener Importe etwa aus der Türkei der durchschnittliche Kirschpreis für Verbraucher insgesamt – also inklusive Kirschen in Supermärkten oder Discountern – im Juni sogar um 23 Cent auf 5,03 Euro pro Kilo gefallen. „Einen deutlichen Einfluss dürfte die knappe Ernte dagegen auf die bezahlten Preise im Ab-Hof-Verkauf, im Fachgeschäft oder auf dem Wochenmarkt haben, denn in diesen Einkaufsstätten dominiert deutsche Ware normalerweise“, sagte der Agrarexperte Hans-Christoph Behr.

Soll heißen: In Supermärkten und Discountern dürften sich die heimischen Ernteeinbußen kaum bemerkbar machen, weil dort ohnehin nur oder größtenteils importierte Früchte bereitliegen. (mit dpa)

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