17.12.2017, 2°C
  • 19.06.2017
  • von Martin Anton

Potsdam-Mittelmark: Bauern: Pestizide müssen sein

von Martin Anton

Der WWF kritisiert den Obstanbau der Region. F.: H. Klix

Die Umweltorganisation WWF wirft den Landwirten in Potsdam-Mittelmark vor, zu viele Pestizide zu benutzen. Die sagen: Ohne gibt es weder Spargel noch Äpfel.

Werder (Havel) - Ein durchwachsenes Zeugnis stellt der World Wildlife Fund (WWF) Deutschland der Landwirtschaft im Großraum Potsdam aus. In seinem Regionalbericht bescheinigt er der Region zwar überdurchschnittliche Nachhaltigkeit (PNN berichteten), doch bemängelt er die Nitratbelastungen an drei Messstellen. Und: Die Umweltschutzorganisation kritisiert zwei prägende Landwirtschaftszweige im Landkreis: Den Obst- und den Spargelanbau.

Zu den Nitratwerten sagt Jens Schreinicke, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Potsdam-Mittelmark: „Man muss genau gucken, wo diese Werte herkommen.“ Die Messstelle mit besonders hohen Nitratwerten sei seiner Information nach historisch vorbelastet. Dort habe vor der Wende ein Agrochemisches Zentrum gestanden, in dem Dünger gelagert worden sei. Seien die erhöhten Werte wirklich landwirtschaftlich verursacht, „müssen wir da handeln“.

Das Lob des WWF für die im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger intensive Viehhaltung im Landkreis nimmt Schreinicke nur unter Vorbehalt an. Zwar sollten hier keine Zustände wie in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfahlen entstehen, doch würde mehr Großviehhaltung „dem Land nichts ausmachen“, sagt Schreinicke. Das Fleisch für Berlin und Brandenburg müsse schließlich irgendwo herkommen.

Monokulturen in Werder?

Bei der Analyse des Obstanbaus in Werder (Havel) und Umgebung verweist der WWF in seinem Bericht auf eine zu hohe Baumdichte, mangelnde Sortenvielfalt und den hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Walter Kassin, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Werder, kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Monokulturen gebe es in der Region nicht. Die Anbauflächen seien nicht größer als 13 Hektar. Beim Apfelanbau würden acht bis neun verschiedene Sorten angebaut, auch in Abwechslung mit anderem Obst.

Die vom WWF genannte Zahl von 1600 Bäumen pro Hektar kann er allerdings bestätigen. Heutzutage würden die Bäume näher aneinander gepflanzt. Vom ökologischen Obstanbau hält Kassin wenig. „Das ist hier nicht machbar, es gibt zu viele Schädlinge“, sagt er.

Dass es ohne Pflanzenschutzmittel nicht geht, sagt auch Spargelbauer und Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins, Jürgen Jacobs. „Ohne Pflanzenschutz können wir den Betrieb einstellen“, sagt Jakobs. Die Spargelfliege würde dann den Bestand vernichten. Im Übrigen seien die Spargelbauern schon aus ökonomischen Gründen daran interessiert, möglichst wenige Pestizide zu spritzen. Zudem seien die Kontrollen in Deutschland besonders stark, der Einzelhandel habe hohe Auflagen beim Pflanzenschutz.

Spargelbauern verteidigen Folien

Der WWF sieht außerdem einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang von Vogelarten und dem flächenhaften Einsatz von Abdeckfolien beim Anbau. „Dafür gibt es keine Beweise“, sagt Jakobs. Ohne Folien sei wirtschaftlicher Anbau von Spargel nicht möglich, sagt er, und schließt: „Diese Forderungen sind unsinnig, dann können wir gleich zurück ins Mittelalter.“

Dass es auch anders geht, versucht der World Wildlife Fund in seinem Regionalbericht Potsdam zu zeigen. Der Landwirtschaftsbetrieb Ulfried Zinnow im Werderaner Ortsteil Töplitz sei ein Leuchtturmprojekt in der Region Potsdam. Hier würden 183 Hektar Grünland- und Ackerflächen biologisch bewirtschaftet und die Artenvielfalt aktiv gefördert. Allerdings baut der Betrieb weder Obst noch Spargel an, sondern betreibt Mutterkuhhaltung. 

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!