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Nuthetal

  • 15.06.2017
  • von Gudrun Janicke

Bergholz-Rehbrücke: Erfinder der Tempo-Linse gestorben

von Gudrun Janicke

Essenserfinder. Peter Kretschmer forschte an Getreide und Linsen.Foto: Soeren Stache/dpa

Peter Kretschmer forschte in Bergholz-Rehbrücke, wie Erbsen, Bohnen und Reis schneller zubereitet werden können. Die Ergebnisse durften in keinem DDR-Haushalt fehlen. Nun ist er im Alter von 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Nuthetal - Tempo-Linsen, Tempo-Erbsen, Tempo-Bohnen oder Kuko-(Kurzkoch-)Reis waren in fast jedem DDR-Haushalt zu finden. Schnell und ohne viel Arbeit konnten sie zubereitet werden; dank spezieller Vorbehandlungen war das möglich. Am Institut für Getreideverarbeitung in Rehbrücke standen die Labore, aus denen die Produkte der Zukunft „Made in GDR“ kamen. Der Entwickler und Erfinder dieser Methoden, der Lebensmittelforscher Peter Kretschmer, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben.

Bohnengerichte waren bodenständig und regional

„Auf die Tempo-Produkte war er besonders stolz, denn er hatte damals gerade seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen“, sagt sein Sohn Thomas, der heute auch an dem Institut arbeitet. Die Zubereitung von naturbelassenen Erbsen oder Linsen kann für den Koch eine Herausforderung sein. Kochbücher empfehlen lange Zeiten zum Einweichen der Hülsenfrüchte, sonst sind unangenehme Nebenwirkungen beim Genuss etwa einer deftigen, eiweißreichen Bohnensuppe nicht auszuschließen. Die lange Kochzeit muss den DDR-Hausfrauen erspart bleiben. So lautete der Auftrag der DDR-Oberen an die Forscher um den jungen Kretschmer Mitte der 1960er-Jahre. Am damaligen Institut für Getreideforschung wurde an geeigneten Verfahren und Technologien gearbeitet. Bohnengerichte waren bodenständig und regional – Zutaten mussten nicht im Westen besorgt werden.

Um Importe zu sparen, wurden Ersatzstoffe für Zitronat oder Orangeat entwickelt. Aus Rehbrücke kamen zu DDR-Zeiten auch Erdnussflips aus aufgeblähtem Mais und Erdnussfett oder Cornflakes. Beide Produkte werden heute noch in Wurzen (Sachsen) hergestellt, wie auch der Kuko-Reis. „Mein Vater war ein Organisationstalent“, sagt Thomas Kretschmer. Es sei ihm immer gelungen, Maschinen für seine Vorhaben zu beschaffen.

Kretschmer kaufte das Institut von der Treuhand

Nach der Wende wurde Peter Kretschmer Geschäftsführer des Instituts und kaufte es von der Treuhand. 2014 beendete der Lebensmittelforscher seine Arbeit. Als Hauptgesellschafter war er weiter an der strategischen Ausrichtung beteiligt, wie sein Sohn sagt. Heute werden Aufträge von Industrie und Forschung unter anderem zur Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe übernommen.

„Kochen und wieder trocknen“, beschreibt Joachim Kunz, Geschäftsführer der die Tempo-Linsen heute herstellenden aco GmbH im sächsischen Oederan, wie einer Linse oder Erbse mehr „Tempo“ verschafft wird. Dann kommen die Hülsenfrüchte in den Karton. Noch ein paar Zutaten wie Würste und Kartoffeln dazu - und die Suppe ist innerhalb von zehn Minuten fertig. (dpa)

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