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Stahnsdorf

  • 14.06.2017
  • von Solveig Schuster

Stahnsdorf: Die Musik in die Wiege gelegt

von Solveig Schuster

Gut gezupft. Serafina Jaffé hat an der Harfe die Jury von Jugend musiziert überzeugt. Schon ihre Oma hatte ihr zum Einschlafen auf dem Instrument vorgespielt. Foto: Andreas Klaer

Die Stahnsdorfer Harfenistin Serafina Jaffé gewann beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert einen ersten Preis. Obwohl sie erst 18 Jahre alt ist, unterrichtet sie bereits selbst Schüler und will das Spielen des mächtigen Instrumentes zu ihrem Beruf machen.

Stahnsdorf - Vor der Tür zum Kinderzimmer lässt eine Frau ihre Finger sanft über die Saiten einer Harfe gleiten. Langsam schließt das Mädchen im Bett nebenan die Lider. Umhüllt vom wohligen Klang der hervorgezauberten Töne schläft es ein. „Es war das Schönste, wenn Oma mich in den Schlaf gespielt hat“, erzählt Serafina Jaffé.

Aus dem Mädchen von einst ist inzwischen eine junge Frau und selbst eine begabte Harfenspielerin geworden. In der vergangenen Woche erhielt die 18-jährige Stahnsdorferin beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Paderborn einen ersten Preis. Als eine der wenigen Auserwählten aus dem Kreis der Wettbewerbsteilnehmer durfte sie zudem am abschließenden Preisträgerkonzert auf der Harfe musizieren. „Das war eine große Ehre für mich“, sagt sie.

Jaffé: „Es war klar, dass ich ein Instrument spielen werde“

Die Musik wurde der jungen Frau buchstäblich in die Wiege gelegt. Ihr Vater Ramon Jaffé, geboren in Lettland, lebte ein paar Jahre in Israel, bevor er im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland kam und hier Karriere machte. Heute ist er ein bekannter Cellist, auch sein Vater spielte das Instrument bereits. Ramon Jaffé managt seine Tochter. Mütterlicherseits gibt es Parallelen. Die Tochter der Harfe spielenden Oma, Serafinas Mutter, studierte Gitarre, heute moderiert und rezitiert sie Konzerte. Auch der 14-jährige Bruder Serafinas schlägt die Tasten auf dem Klavier und streicht gelegentlich das Cello. „Bei uns gibt es sehr oft sehr viel Musik“, erzählt Serafina und fährt sich lachend mit den Händen durch das lange braune Haar. „Es war klar, dass ich ein Instrument spielen werde“, erklärt die frisch gekürte Preisträgerin. Seit einigen Jahren habe sie höhere Ambitionen, strebe mit ihrer Musik eine berufliche Karriere an. Entschieden hat sie das selbst, betont sie. Die Eltern hätten sie nicht gedrängt, aber jederzeit unterstützt.

Auch Serafina – in Berlin geboren, in Kleinmachnow eingeschult und in Stahnsdorf groß geworden – begann zunächst mit dem Cello-Spiel. Da war sie acht. Vier Jahre später stieg sie auf die Harfe um. Die Oma schulte sie auf dem Instrument, das aus ihrer Sicht nicht leichter oder schwerer als andere zu spielen sei. „Jedes Instrument hat seine eigenen Eigenschaften“, erklärt Serafina. Es gut zu spielen, sei immer schwer.

Das Abi könne nicht schaden

Vor drei Jahren nahm Serafina Jaffé als Harfenistin das erste Mal bei Jugend musiziert teil. „Auch damals lief es schon sehr gut“, erzählt sie. Serafina kam bis zum Bundesentscheid, bei einem Anschlusswettbewerb gewann sie bereits einen Preis. Vor allem aber lernte sie die bekannte Harfenistin Margit-Anna Süß kennen, die viele Jahre bei den Bamberger Symphonikern und unter Herbert von Karajan bei den Berliner Philharmonikern gastierte. „Es hat einfach gepasst.“ Serafina bewarb sich als Jungstudentin an der Universität für Kunst und Musik in Graz, an der Süß seit zwei Jahren eine Gastprofessur hat und nun die aufstrebende Harfenistin regelmäßig unterrichtet.

Etwa einmal im Monat reist Serafina zu ihrer Lehrerin an den Chiemsee und bereitet sich weiter auf das Hauptstudium vor, mit dem sie nach der Schule so richtig durchstarten will. Ein Jahr hat sie noch bis zum Abitur, das sie an der Kleinmachnower Waldorfschule auf dem Seeberg ablegen wird. „Es wäre auch ohne gegangen“, sagt sie. Aber sie sei gern mit der Klasse zusammen und auch das Abitur könne auf dem weiteren Weg nicht schaden.

Vier Stunden Harfe pro Tag

Auch wenn Serafina Jaffé nicht jeden Tag Unterricht an der Harfe erhält, so übt sie doch mehrere Stunden, im Durchschnitt seien es vier pro Tag. Auch hat sie selbst schon Schüler, die sie unterrichtet. Viel Zeit für anderes bleibe da nicht. Manchmal jogge sie, um „den Körper locker zu halten“, erzählt die 18-Jährige. Aber es könnte noch etwas mehr sein, meint sie, legt den Kopf in den Nacken und schüttelt lachend ihr Haar. Ein gutes Körpergefühl übertrage sich auf das Spiel.

Inzwischen spielt Serafina Jaffé bei den Brandenburger Jugend-Philharmonikern. Sie reist mit ihrem Vater zu eigenen oder auch Duo-Konzerten durch das Land und auch durch Europa, vor allem an den Wochenenden. Manchmal bedauert sie, nicht mehr Zeit für die Freunde zu haben. Aber sie sagt auch: „Ich mach es sehr gern. Es ist gut so, wie es ist.“

So teuer wie ein guter Mittelklassewagen

Im Wohnzimmer ihres am Rande Stahnsdorfs gelegenen Elternhauses steht eine neue „Lyon & Healy“ – über 1,80 Meter groß. Erst im Januar bekam Serafina die Harfe. Es sei ein schönes Gefühl, auf dem Instrument zu spielen, das sie am meisten liebe, sagt sie. Es ist so teuer wie ein guter Mittelklassewagen und schwerer als ein Zement-Schirmständer. „Meine Eltern haben sich extra ein großes Auto gekauft.“ Wieder lacht sie.

Für jedermann sei eine Harfe nicht, schon, weil es ein so kostspieliges Instrument ist. Auf der anderen Seite werde die Harfe oft nicht als so wichtig erachtet. Ausgelobte Preise seien vor allem mit Ehre verbunden, Geldpreise gäbe es in ihrer Sparte kaum. Und auch im Business gebe es die Tendenz, gerade bei diesem Instrument zu sparen. Für die Harfe gebe es vergleichsweise wenig Repertoire, im Orchester sei sie nicht bei jedem Stück besetzt. Es werde daher immer schwerer, eine feste Anstellung als Harfenistin zu finden, erklärt Jaffé. Ein Grund, die Harfe nicht zum Beruf zu machen, sei das für sie aber nicht. 

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