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Teltow

  • 31.05.2017
  • von Julia Frese

Schließung der Unterkunft in Teltow: Kreis sucht Lösung für Flüchtlingsfamilie

von Julia Frese

Endlich verwurzelt. Halima Farah und ihre Familie haben sich nach vier Jahren in Teltow gut eingelebt und Freunde gefunden. Nun sollen sie nach Brück umziehen, von wo aus sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund zwei Stunden bis nach Teltow brauchen. Foto: Andreas Klaer

Nach der Schließung des Teltower Flüchtlingsheims soll eine somalische Familie ins 60 Kilometer entfernte Brück ziehen. Die Familie wehrte sich dagegen, ihr wurde mit Zwangsräumung gedroht. Nun könnte es eine Lösung geben.

Teltow - Die somalische Familie, die nach Schließung der Flüchtlingsunterkunft in der Potsdamer Straße nach Brück ziehen sollte, kann vielleicht vorerst doch in Teltow bleiben. „Wir sind aktuell in Gesprächen mit der Kirchengemeinde Teltow-Kleinmachnow“, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert am Dienstag auf Anfrage der PNN. Bei der Kirchengemeinde gebe es Asylunterkünfte für Notfälle, die die Familie eventuell übergangsweise bewohnen könnte, sofern Kapazitäten vorhanden sind.

Kreisarbeiter drohten mit Zwangsräumung

Die Familie von Halima Farah hatte erst vor zwei Wochen erfahren, dass sie wegen der Schließung des Teltower Heims in die Flüchtlingsunterkunft in Brück umziehen soll. Der Landkreis hatte zuvor zugesichert gehabt, dass Familien mit Kindern im Kita- und Schulalter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben dürfen. Da Halima Farah sich auf Aufforderung von Kreismitarbeitern zunächst weigerte, umzuziehen, drohten diese ihr mit einer polizeilichen Zwangsräumung am heutigen Mittwoch.

Kreissprecher Schwinzert hofft, dass es so weit nicht kommen muss: „Der Landkreis ist natürlich nicht an einer Eskalation interessiert.“ Sozialarbeiter befänden sich in stetigem Austausch mit der Familie. Da es in Teltow und Umgebung derzeit keine freien Mietwohnungen gebe, wurde den Somaliern eine Wohnung in der Stadt Brandenburg angeboten. Schwinzert konnte keine Angaben machen, wann sie diese Wohnung beziehen könnten. Ein Umzug innerhalb von einem Tag sei jedoch unrealistisch. „Und dass die Familie erst nach Brück und von dort nach Brandenburg ziehen soll, wäre sicher auch nicht optimal.“ Neben dem Dialog mit der Kirchengemeinde versuche der Landkreis auch, mit dem Eigentümer des Gebäudes in der Potsdamer Straße 5 a zu verhandeln. Der Mietvertrag mit dem Landkreis läuft noch bis zum 30. Juni. Ab dem 1. Juni sollte eine beauftragte Firma jedoch mit Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten beginnen. Sollte sich dieser Starttermin verschieben, gebe es vielleicht doch noch die Möglichkeit, dass die Familie bis zum Umzug nach Brandenburg in der Teltower Flüchtlingsunterkunft bleiben kann.

Flüchtlingsfamilie würde am liebsten in Teltow bleiben

Halima Farah hat bis heute Zeit, sich zu überlegen, ob sie das Wohnungsangebot in Brandenburg annimmt. Sie würde mit ihrer Familie am liebsten im Raum Teltow bleiben, da die Kinder im Alter von einem, drei und vier Jahren dort seit drei Jahren in die Kita gehen, Freunde gefunden und sich gut eingelebt hätten. Sie und ihr Mann hätten in Teltow ebenfalls nach langer Wartezeit demnächst einen Deutschkurs beginnen können. „Aber so wie es aussieht, haben wir keine andere Option, als in Brandenburg noch einmal von vorn anzufangen“, so die Somalierin. Dort müsste Farah neue Kitaplätze für die Kinder suchen, um einen Deutschkurs belegen zu können. Aufgrund der städtischeren Wohnlage hält sie dies immerhin für aussichtsreicher, als es von der ländlich gelegenen Flüchtlingsunterkunft Brück aus wäre. 

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